Streit um Lehrer

Faymann und Pröll brüskieren Schmied

12. August 2010, 18:35
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    foto: der standard/fischer

    Die Schulreform wird zur Großbaustelle. Während die zuständige Ministerin urlaubt, fordert LH Erwin Pröll mehr Kompetenzen für die Länder.

Erwin Pröll will mehr Kompetenz für die Länder, die Regierungsspitze umgeht Ministerin Claudia Schmied - Ein Zustandsbericht

Die Ferienzeit scheint die Fantasie beim Thema Schulreform zu beflügeln. Dass die zuständige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) derzeit im Urlaub weilt, scheint diesbezüglich kein Hindernis darzustellen.

Erwin Pröll (ÖVP), Vorsitzender der Landeshauptleute-Konferenz, ließ am Donnerstag über das Ö1-Morgenjournal verlauten, dass die Schulkompetenzen gänzlich zur Ländersache werden sollen. Die Unterrichtsministerin sprach bisher jedoch gegenteiliges, nämlich, dass eine Verlagerung der Kompetenzen Richtung Bund geplant sei. Landeshauptmann Pröll betonte, dass dieser Schritt bereits mit Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Josef Pröll (ÖVP) "im Grundsatz besprochen" sei, diese bestätigen die Gespräche. Laut Sprecherin von Claudia Schmied wisse man im Ministerium nichts von einer derartigen Neupositionierung: "Uns sind keine mit den Bundesländern akkordierten Positionen bekannt."

Bislang sind die politischen Zuständigkeiten für Lehrer nicht einheitlich aufgeteilt: Der Dienstgeber für die Landeslehrer (Pflichtschullehrer) ist das jeweilige Bundesland - die Kosten werden allerdings anhand eines im Finanzausgleichs festgelegten Schlüssels fast vollständig vom Bund ersetzt. Die Bundeslehrer wiederum (AHS und BMHS) werden vom Bund bestellt und auch bezahlt. Die beiden Lehrertypen haben aber nicht nur unterschiedliche Dienstgeber, sondern auch unterschiedliche Dienstrechte und unterschiedliche Ausbildungswege: Die Bundeslehrer werden an den Universitäten ausgebildet, die Pflichtschullehrer zum größten Teil an den Pädagogischen Akademien, die seit 2007 in Hochschulen umgewandelt wurden.

Der Streit um die Kompetenzen für Bundes- und Landeslehrer ist nicht neu. Die zum Teil divergierenden Reaktionen der Landeshauptleute zeigen, dass es noch keine Einigung oder akkordiertes Vorgehen gibt. Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl verwies allerdings auf einen gemeinsamen Beschluss, wonach das Dienstrecht für alle Lehrer Ländersache sein soll.

Eva Scholik, Vorsitzende der AHS-Gewerkschaft, vermutet "eher eine machtpolitische, denn pädagogische oder bildungspolitische Motivation" hinter dem Vorstoß. Sie sei im Herbst 2009 zu einem Unterausschuss ins Parlament eingeladen worden, um die Sicht der Lehrer darzustellen. Beide Modelle sind für sie denkbar. Allerdings spricht sie sich für eine zentralistische Kompetenzverteilung aus. Lehrerdienstrecht und die Bestellung der Lehrer sollte weiterhin durch den Bund geregelt werden. "Wichtig sind die Rahmenbedingungen, es könnte zu ungleichmäßigen Verschiebungen von Finanzen und Ressourcen innerhalb der Länder kommen" , befürchtet Scholik.

Der Vorstoß von Erwin Pröll ist nur eine weitere Ausprägung in der Großbaustelle Schulreform: Die Expertenkommission hat ihr Gutachten zur "LehrerInnenbildung neu" im März vorgelegt. Darin vorgesehen ist ein vereinheitlichter, dreistufiger Ausbildungsweg für alle Lehrer, die Umsetzung erhofft man sich bis 2015. Das Dienst- und Besoldungsrecht für Lehrer soll ebenfalls im Herbst neu verhandelt und komplett überarbeitet werden. Erklärtes Ziel von Ministerin Schmied ist es, "das Berufsbild des Lehrers neu zu schreiben". Durch neue Ausbildungswege soll der Lehrberuf attraktiver werden, die Einstiegsgehälter sollen angehoben werden, heißt es im Ministerium. Über flexiblere Arbeitszeitmodelle, sowie modulare Weiterbildungen sollen auch Quereinsteiger in den Beruf gelockt werden und Hierarchien entmachtet werden.

Da bei der derzeitigen Regelung die Planstellen regelmäßig überzogen werden - laut Unterrichtsministerium um 1724 Stellen im Jahr 2008/2009 - wollte Schmied den Ländern mit einer neuen Controlling-Verordnung genauer auf die Finger schauen. Die Verordnung sieht ein vierteljähriges Controlling durch den Bund vor, was von den meisten Ländern, so etwa Vorarlberg, Kärnten oder Tirol, jedoch abgelehnt wurde. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

Kommentar posten
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Settembrini
00
19.8.2010, 20:07
Sehen Sie, und genau deshalb will keiner, der moralisch was auf sich hält, in die Politik.

Schmid müßte, hätte sie ein minimales Rückgrat, auf der Stelle zurücktreten, und zwar mit Getöse!

Hinterkopf-Tuscha!
01
13.8.2010, 18:14

muss man sich das anhören ?

Loomy Eleazar
00
13.8.2010, 18:33

Ja ;-)

Sternsinger
00
13.8.2010, 19:24

Bllllrrrllllrllrllrllllllllrrrrrrrrrrllll
;-)

annea
03
13.8.2010, 15:21
Wo bleibt denn bitte die Verwaltungsreform???

Weg mit den Bundesländern, Gemeinden und Bezirksverbünde reichen völlig. Die Schmied wollte viel erreichen für die Schule und wird permanent von der eigenen Partei sitzen gelassen, unglaublich.

Reinhard Kober
05
13.8.2010, 11:56
bildung in österreich....

gilt es unbedingt zu verhindern!!!
würden sonst:
Strache, Dörfler, Hojac, Stadler, Petzner, Martinz, Faymann, Pröll gr. u. kl., Fekter, Platter, Niessl jemals gewählt werden?

Oben genannte Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

clangi
01
13.8.2010, 11:44
schmied zum x-ten mal...

im regen stehen gelassen und unendlich blamiert...
da fragt man sich nur eins: warum bitte macht sie weiter, warum haut sie nicht endlich den hut drauf?

etwa, weil man noch nicht einmal einen versorgungsposten für die frau gefunden hat????

traurig, sehr traurig!!!!

LL MM
12
13.8.2010, 12:28

Man sollte auch dazusagen, dass die Länder derzeit aus anderen Gründen nicht gut auf Schmied zu sprechen sind.
So möchte sie jeden überzähligen Lehrer mit 58.000 Euro von den Ländern vergütet haben. Der Betrag ist allerdings viel zu hoch und widerspricht dem, was beim Finanzausgleich von 2008 ausgemacht wurde.

Ein anderes Beispiel für die Performance von Schmied gibt es hier:

http://kurier.at/nachricht... 023334.php

ImmerSachlich
02
13.8.2010, 12:16

Vielleicht weil sie sich von den Zermürbern nicht zermürben lässt.

clangi
21
13.8.2010, 11:38
als lehrer kann ich nur zustimmen...

dass bildungsmäßig sich einiges ändern muss in diesem land!!!
somit war ich anfangs auch begeistert von der frau schmied!
nur, wenn man ihre kompetenz und vor allem ihre methoden mal eingehend beleuchtet, bleibt nur eins: bittere enttäuschung!
leider...

ImmerSachlich
13
13.8.2010, 12:20

Wissen sie, die Lehrer sind gewohnt, dass sie mit ihrem Können und ihrer Kompetenz ihrem Gegenüber (den Schülern) weit überlegen sind.
Das muss aber nicht unbedingt für alle Beteiligten bei einer Diskussion über Bildung der Fall sein. Meist kommt man sehr schnell dahinter, dass bei den meisten Argumenten der Lehrer(gewertkschaften) ohnehin nur Eigeninteresse dahintersteckt.

Ich gebs zu
01
13.8.2010, 15:15
Ersteres trifft vielleicht für Grundschullehrer zu,

sonst eher nicht. Man lernt im Umgang mit jungen Leuten sehr rasch, der eigenen Gescheitheit zu misstrauen.

Wenn Schmied sich brüskiert fühlt, tut mir das nicht sonderlich leid. Sie hat selbst sehr wenig Gefühl dafür, wie man mit Anderen umgeht und vermutlich jede/n, der/die mit ihr zu tun hatte, mehr als einmal bloßgestellt.

Sie wird's überleben. Wie sehr sich Faymann darüber freut, die Stimmungslage der Frau BM in ihrem Hofblatt dargestellt zu sehen, wäre m. E. genauso interessant.

Im Übrigen ist das alles nur ein Schattenspiel. Weder Bund noch Länder werden freiwillig auf Einfluss verzichten. Und nur darum geht's: Welcher Verein bestimmen darf.

clangi
02
13.8.2010, 12:42
in diesem land sind bildungsexperten...

oft juristen, fast immer parteigünstlinge, so gut wie nie lehrer... finden sie das gut?

aereo
00
13.8.2010, 10:52
Hochwasserstiefel gibts ja auch in jedem Bundesland

also warum nicht die Schulen ?

kooling
04
13.8.2010, 10:34
toller Stil

den da Faymann und die Prolls vorleben!
Schön langsam glaub ich, die wollen ein politikverdrossenes Volk. Das jammert dann nur noch leise vor sich hin, läßt alles mit sich machen und verlangt nur ein bißl Brot und Spiele zwischen durch.

schneebrunzer
 
01
13.8.2010, 11:18
kann ich nur bestätigen!

und es funktioniert....ich selbst bin das beste beispiel...jahrelang politisch interessiert, verursacht die österreichische innenpolitik seit geraumer zeit nur mehr übelkeit und kopfschmerzen!

die bildungsdebatte in österreich ist neben der justizthematik wirklich die größte schweinerei!!!

i-tüpfelchen-reiter
04
13.8.2010, 10:26
Ablenkung ist alles ...

Mit dieser Meldung hat Erwin ja wieder einmal genau ins schwarze getroffen: jeder diskutiert über dieses thema und keinen interessiert mehr, wieso die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in der Hypo-Niederösterreich Angelegenheit gestoppt hat

medien sind in ö so berechenbar und kritischer investigativer jurnalismus quasi nicht vorhanden ...

Schade

am Start
02
13.8.2010, 10:20

könnten wir läppische 8 Mio. uns hier in Aodili denn nicht bald dieser unnützen, egozentrischen "Möchtergern Feudalherren" à la Pröll, Dörfler et al. endlich restlos entledigen ???

Bonbonella
01
13.8.2010, 10:18

ich finde das eine frechheit.

anstatt man sich hinsetzt und wirklich versucht ein eingefahrenes und überholtes system umzukremplen und einen neuen schwung in die sache zu bringen, wird einfach die verantwortung auf die länder abgeschoben.

und dabei wird auch noch die eig. zuständige ministerin einfach übergangen. bravo.

wozu haben wir dann eine unterrichtsministerin, wenn deren vorschläge offensichtlich einfach ignoriert werden?!

Dormouse
01
13.8.2010, 10:20

abgeschoben ist gut gesagt...die wollen sich alles unter den nagel reissen!

füz schlapfn
03
13.8.2010, 10:17
supa idee, erwin!

und finanziert werden die lehrer in nö dann mit der gloriosen handymasten-steuer.

bitte, bitte, weg mit den landesregierungen und schickts diese provinzkaiser in den keller, auf immer und ewig.

HonestE
04
13.8.2010, 10:14
wo bleibt die verwaltungsreform?

eine der beiden ebenen bund oder land ist wohl überflüssig!
ich meine, die ebene der landesfürstinnen ist überflüssig!

mikromalist
 
114
13.8.2010, 10:13
Schmied, Berger, Lacina, Scholten, ..

Fischler, Busek, Neisser, ... , VdB, ... ,Kier, .. Fiedler, Moser, ...
wollen Sie nicht ENDLICH eine neue Partei gründen?

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Es geht jetzt um ALLES. Noch ist eine Umkehr möglich.

Fraho
00
13.8.2010, 16:16
das hat aber einen Hacken...

.diese genannten "Persönlichkeiten" sind alle gut versorgt! Da wird sich keiner das antun eine neue Bewegung zu gründen. Idealismus hat irgendwo ein Ende, wenn man gut leben kann auf Kosten der Allgemeinheit.

Ich gebs zu
00
13.8.2010, 15:22
Wieso, das BZÖ gibt's doch eh schon?

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