"Eine gemeinsame Ausbildung wäre sinnvoll"

12. August 2010, 18:46
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Junglehrer können in die Debatte rund um die Bildungsreform frischen Wind bringen - Eva Gasperl über das Dienstrecht und kleinere Klassen

Standard: Was müsste sich am aktuellen Dienstrecht ändern?

Gasperl: Die Direktoren sollten mehr Mitspracherecht bei der Lehrerzuteilung erhalten. Das wird hauptsächlich am Schulamt, nicht an der Schule selbst entschieden und führt immer wieder zu Konflikten. Junge Lehrer, die sich bereits an Schulen eingelebt haben, werden oft versetzt, die Dienstälteren haben einfach mehr Rechte.

Standard: Erleben Sie bei der Arbeit einen "Generationenkonflikt" ?

Gasperl: Im Flachgau arbeiten die wenigsten Junglehrer und ich bin mit Abstand die Jüngste an meiner Schule. Mein Unterricht unterscheidet sich bestimmt hier und da von anderen Methoden, die älteren Kollegen haben mich aber von Anfang an liebevoll aufgenommen und unterstützt.

Standard: Wie würden Sie eine gemeinsame Grundausbildung für alle Lehrer finden?

Gasperl: Das wäre absolut sinnvoll! Von den vier Ausbildungsjahren würde ich zumindest ein erstes gemeinsames sehr begrüßen. In diesem Zeitraum könnten die Grundlagen der Arbeit mit Kindern, der Psychologie und Soziologie einheitlich unterrichtet werden. Die Studenten könnten die verschiedene Schulformen beschnuppern und herausfinden, in welche Richtung ihr eigener Weg führen soll.

Standard: Was würden Sie an der Gesamtsituation verbessern?

Gasperl: Wenn ich könnte wie ich wollte, würde viel passieren. Doch das würde den Rahmen hier sprengen. Aber ein Beispiel: Ich würde die Schüleranzahl in den Leistungsgruppen auf maximal zehn bis 15 Kinder reduzieren, in schwachen Gruppen sogar auf fünf bis zehn Kinder. Das würde die Qualität des Unterrichts enorm verbessern, individuelle Förderung wäre so wichtig. Aber das kostet wiederum Geld, was leider fehlt.

Standard: Wie stehen Sie zum Konzept der Gesamtschule?

Gasperl: Für unsere Schule steht es momentan nicht zur Diskussion, es gab aber viele Gespräche und Konferenzen dazu. Das Modell hat sowohl positive wie negative Auswirkungen auf Schule, Lehrer und Schüler.

Standard: Wie beurteilen Sie Ihre eigene Ausbildung? Zufrieden?

Gasperl: Ich war mit meiner Ausbildung sehr zufrieden: Sowohl fachlich als auch didaktisch wurden wir gut vorbereitet. Da wir von Anfang an auch unterrichten mussten, konnte ich mir schon früh ein Bild vom Alltag als Lehrerin machen. Auf den fachlichen Schwerpunkt wurde aber zu viel Wert gelegt - vieles werde ich an einer Hauptschule nie brauchen können. Stattdessen wäre es gut, noch mehr Augenmerk auf die Didaktik und Methoden zu legen.

Standard: Wie lang hat es danach bis zu einer Anstellung gedauert?

Gasperl: Ich habe etwa eineinhalb Jahre gewartet, das war zu diesem Zeitpunkt auch eine realistische Wartezeit. Momentan habe ich noch einen befristeten Vertrag, der jedes Jahr verlängert wird. Im Februar 2011 werde ich in den unbefristeten Dienst übernommen. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

EVA GASPERL (29) hat an der Pädagogischen Akademie in Salzburg die Lehramtsprüfung für Englisch, Bewegung und Sport abgelegt und unterrichtet seit zwei Jahren an der Hauptschule in Eugendorf auch die Fächer Mathematik und Informatik. Mit 21 Wochenstunden hat sie eine volle Lehrverpflichtung.

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