Italiens staatliche Reederei Tirrenia ist pleite

12. August 2010, 17:49
posten

Berlusconis Privatisierungspolitik floppt

Ein römisches Gericht hat am Donnerstag Italiens staatliche Reederei Tirrenia als insolvent erklärt. Der von der zuständigen EU-Kommission geforderte und seit Monaten geplante Verkauf des Unternehmens ist kürzlich gescheitert. Damit wurde die Privatisierungspolitik der Regierung Berlusconi zum Flop.

Der einzige Bewerber für Tirrenia, die Mediterranea Holding, hat sich vor wenigen Tagen vom Kauf der hochverschuldeten Fährgesellschaft zurückgezogen. Nun haben die Gewerkschaften für 30. und 31. August einen Streik angekündigt. Damit wird der Schiffsverkehr zwischen dem Festland Italiens und den Inseln Sizilien und Sardinien quasi lahmgelegt.

Die Arbeitnehmervertreter befürchten, dass das jahrelang staatlich subventionierte Unternehmen nun aufgeteilt wird. Dadurch wäre auch der Arbeitsplatz eines Großteils der insgesamt 2200 Beschäftigten gefährdet. Die EU hat Italien bis Ende September 2010 eine Frist gesetzt, um das Schifffahrtsunternehmen zu privatisieren.

Ursprünglich gab es 16 Bewerber

Ursprünglich interessierten sich 16 Bewerber für den Zuschlag. Übriggeblieben ist dann nur die Mediterranea Holding, die zu 37 Prozent von der Region Sizilien kontrolliert wird. Laut der staatlichen Beteiligungsgesellschaft Fintecna, die 100 Prozent der Tirrenia-Anteile in Händen hält, hat die Mediterranea Holding den Kaufvertrag in letzter Minute "aus politischen Gründen" nicht unterschrieben.

Seit zwei Jahren ist es der Regierung Berlusconi einzig gelungen, die einst nationale Fluggesellschaft Alitalia zu entstaatlichen. Dafür zahlte Rom einen gesalzenen Preis: Die Airline wurde aufgespalten, der Staat übernahm die Gesamtschulden. Ein ähnliches Schicksal droht nun der mit 660 Millionen Euro verschuldeten "Alitalia des Meeres" , der Fährrederei Tirrenia. Zu den größten Gläubigerbanken der Tirrenia zählt die Bank Austria Mutter UniCredit.

Eine Aufspaltung der Gesellschaft und eine Übertragung der Schulden in eine "bad company" steht zur Diskussion. Tirrenia kontrolliert über ihre Tochter Siremar den Schiffsfährverkehr zwischen dem Festland und Sizilien. Die Reederei verfügt über 90 Fähren, die jährlich 13 Mio. Passagiere und zwei Mio. Autos befördern. Der Wert der Gesellschaft wurde ursprünglich auf 800 Mio. Euro geschätzt. Das Mediterranea-Angebot lag angeblich bei 25 Millionen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

Share if you care.