Rebellischer US-Flugbegleiter hat Fangemeinde im Netz

12. August 2010, 17:53
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Zeuginnen werfen Steward unhöfliches Benehmen vor

Der Flugbegleiter Steven Slater hat offenbar vielen Amerikanern aus der Seele gesprochen, als er nach der Landung einer Passagierin über das Bordlautsprechersystem die Meinung geigte und sich mit zwei Bierflaschen in der Hand über die Notrutsche aus dem Flugzeug verabschiedete. Im Internet wird er mittlerweile wie ein Volksheld gefeiert. Sein Name ist einer der fünf am häufigsten genannten Begriffe auf Twitter, und auf Facebook wurden Gruppen wie "Free Steven Slater" oder "I Support Steven Slater" gegründet. Auch eine eigene Website wurde für ihn eingerichtet.

Festnahme

Noch am Abend nach dem Vorfall wurde der 38-jährige Flugbegleiter am Montag in seiner Wohnung festgenommen. Mittlerweile ist er gegen Kaution wieder frei. Er wurde einem Richter vorgeführt, um wegen Sachbeschädigung, grob fahrlässiger Gefährdung und Landfriedensbruchs angeklagt zu werden. Damit drohen ihm im Höchstfall sieben Jahre Haft. Es habe sich niemand in Gefahr befunden, verteidigte ihn sein Anwalt öffentlich.

Eine der Facebook-Gruppen sammelt bereits Spenden für Slaters Verteidigung vor Gericht. Der "Steven Slater Legal Defense Fund" habe bis Mittwoch bereits 1.500 Dollar (1.150 Euro) eingesammelt, sagte der Gründer der Gruppe. Auf der ihm gewidmeten Website freestevenslater.com fordern ihn die Macher auf: "Steve! Diese Seite ist für dich. Nimm Kontakt mit uns auf und sag uns, was damit passieren soll!" Bis sie neue Anweisungen haben, scheinen die Macher alle Arten von Veröffentlichungen im Zusammenhang mit Slater zusammenzutragen - von Videos, Liedern und Comics bis hin zu Kaffeetassendesigns.

"Vorderseite: Ich sitze zwar im Gefängnis... Rückseite: aber immerhin habe ich zwei kostenlose Bier abgestaubt"

Auf Twitter ist es zu einer populären Beschäftigung geworden, sich zu dem Thema Sprüche auszudenken, wie sie auf T-Shirts gedruckt werden könnten. Beispielsweise: "Vorderseite: Ich sitze zwar im Gefängnis... Rückseite: aber immerhin habe ich zwei kostenlose Bier abgestaubt". T-Shirts mit dem Aufdruck "Free Steven Slater" können bereits online bestellt werden. Auf eBay wurde ein Gepäckschild mit der Aufschrift "Steven Slater: An American Hero" angeboten, und ein Gemälde, das den neuen Helden zeigt, wie er eine Häftlingsnummer vor sich hält, erzielte am Mittwoch auf dem Onlinemarktplatz 355 Dollar (270 Euro).

Der ungewöhnliche Held hat auch eine Reihe von Sängern inspiriert. In einer Late Night Show im amerikanischen Fernsehen sang Moderator Jimmy Fallon "The Ballad of Steven Slater". Die Refrainzeile hieß übersetzt: "Du musst dir zwei Bier schnappen und springen." Ähnliche Oden an den Flugbegleiter und seinen Einsatz tauchten auf Youtube auf. Jonathan Mann, der mit seinem Vorhaben, jeden Tag einen neuen Song zu schreiben, online bereits gewisse Bekanntheit erreicht hat, veröffentlichte ebenfalls eine Ballade auf Slater. Darin singt er: "Steven Slater, ich habe diesen Song für dich geschrieben, weil du ausgesprochen hast, was wir uns nicht trauen." Und mittlerweile wirkt sich Slaters Ausraster auch im Alltag aus. Ein User tweetete, in seinem Büro sei "Wo ist meine Rutsche und wo ist mein Bierwagen" zum geflügelten Wort geworden.

Eskalation

Inzwischen sind aber auch erste Stimmen aufgetaucht, die Slater für die Eskalation an Bord der geparkten Maschine verantwortlich machen. Bisher hieß es, vor seinem spektakulären Abgang habe eine Passagierin ihn mit ihrem Handgepäck am Kopf getroffen und ihm anschließend eine Entschuldigung verweigert. Zwei Zeugen widersprechen dieser Darstellung. So berichtete eine Passagierin, dass die Unterhaltung zwischen der bisher unbekannten Passagierin und Slater normal verlaufen sei, bis er einen unflätigen Ausdruck benutzt habe.

Eine weitere Passagierin sagte dem "Wall Street Journal", dass die Passagierin nicht unhöflich zu Slater gewesen sei und nannte sein Verhalten unangebracht. Zu ihr selbst sei Slater zuvor bereits unhöflich gewesen. Er habe mit den Augen gerollt, als sie ihn um eine Serviette gebeten habe, um verschütteten Kaffee aufzuwischen, sagte sie.

TV

Slaters Ex-Frau verteidigte ihn dagegen am Donnerstag im amerikanischen Fernsehen. Sie glaube die Vorwürfe nicht. Sie kenne ihn als außergewöhnlich tolerant und geduldig. Er sei ein perfekter Flugbegleiter, der sich immer tadellos benehme, sagte sie. Deshalb zweifelte sie die Aussagen der beiden Passagierinnen an, dass er der Streit von ihm ausgegangen sei. (AP)

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    Steven Slater

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