Schwieriger Generationenwechsel bei Salzburgs Grünen

12. August 2010, 17:33
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Parteispitze in Land und Stadt mit Ablaufdatum - Salzburger raten Wiener Grünen, Ruhe zu bewahren

Salzburg - Cyriak Schwaighofer, Landessprecher der Salzburger Grünen, hat Erfahrung mit Parteikrisen. Der heute 60-Jährige hat die Partei 1999 als Kompromisskandidat übernommen. Damals standen die Grünen, nach dem Rückzug von Christian Burtscher von der Parteispitze, vor der Spaltung. Schwaighofer ist es gelungen, Ruhe in die Landesgruppe zu bringen und zwei der ursprünglich drei Landtagsmandate zu retten.

Mit Blick auf die Geschichte der Salzburger rät er angesichts der internen Konflikte bei seinen Wiener Parteifreunden diesen, Ruhe zu bewahren: "Man soll die Kirche im Dorf lassen"; die Situation sei zwar "nicht lustig, aber auch keine Katastrophe". Wenn in zwei Wiener Bezirken gestritten werde, sei das so, als ob in Salzburg eben zwei Gemeindegruppen interne Probleme hätten. Mit einer tiefergehenden Führungskrise in seiner Partei habe das nichts zu tun.

Nachfolge offen

Auf Gelassenheit setzt Schwaighofer auch in der eigenen Landesorganisation. Er selbst werde bei den Landtagswahlen 2014 nicht mehr als Spitzenkandidat antreten, bekräftigt er im Standard- Gespräch. Eilig hat er es mit der Hofübergabe aber nicht. Dass seine Fraktionskollegin im Landtag, Astrid Rössler (51), quasi die logische Nachfolgerin wäre, dementiert Schwaighofer: "Es ist nicht ausgemacht, dass sie es wird, und es ist nicht ausgemacht, dass sie es nicht wird", lässt Schwaighofer weitere Optionen offen. Parteiintern ist Rössler umstritten. Zwar wird ihr bescheinigt, gerade als Vorsitzende des Landtagsuntersuchungsausschusses rund um die Bewerbung Salzburgs für die Olympischen Winterspiele 2014 eine fachlich gute Figur zu machen, viele bezweifeln aber ihre Eignung als Parteifrontfrau. Rössler hat zudem noch ein anderes Problem. Als Umweltjuristin hatte sie einst Firmen beraten, deren Projekte sie als Grüne heute politisch bekämpft.

Noch schwieriger als auf Landesebene dürfte sich der Generationenwechsel bei der Bürgerliste in der Stadt gestalten. An der Spitze der Stadt-Grünen steht mit Stadtrat Johann Padutsch (55, seit 1982 im Gemeinderat, seit 1992 in der Stadtregierung) der aktuell am längsten aktive Berufspolitiker Salzburgs. Auch Klubobmann Helmut Hüttinger (54, seit 1992 Klubobmann der Gemeinderatsfraktion) gehört schon zum politischen Inventar der Stadt.

Sollte sich das Spitzenduo vor den Wahlen 2014 zum Rückzug entschließen, muss sich die Bürgerliste (Stimmenanteil 2009: 16,4 Prozent) völlig neu aufstellen. Das Thema ist für die erfolgsverwöhnte Bürgerliste heikel, und so findet - zumindest vorerst - nicht einmal intern eine Debatte darüber statt. (Thomas Neudold, DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

  • Kandidatin für die grüne Landesspitze: Astrid Rössler.
    foto: wild
    Foto: Wild

    Kandidatin für die grüne Landesspitze: Astrid Rössler.

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