Polizisten fürchten um DNA

12. August 2010, 17:22
98 Postings

Bei "unbekannten Tätern" in Datenbanken könnte es sich in tausenden Fällen aber um Polizisten handeln, die ihre Spuren am Tatort hinterlassen haben

Wien - "Kommissar DNA" ermittelt oft im Kreis - das zeigte nicht zuletzt der Fall der langgesuchten "Phantom-Mörderin". Fast zwei Jahre lang jagten deutsche und heimische Polizisten aufgrund von Tatortspuren einer unbekannten Frau hinterher, bis sich im Frühling 2009 herausstellte, dass die DNA von verunreinigten Wattestäbchen stammte - und zwar von einer Mitarbeiterin der Firma, die die Stäbchen herstellt.

"Police Elimination"

Bei den vielen "unbekannten Tätern", deren DNA-Profile in den Datenbanken der Exekutive schlummern, könnte es sich in tausenden Fällen aber auch einfach um Polizisten handeln, die ihre Spuren am Tatort hinterlassen haben. Das will das Bundeskriminalamt (BK) in Zukunft verhindern: Eine "Police Elimination Datenbank" wie in der Schweiz oder in England soll die DNA-Daten jener bis zu 20.000 Beamten enthalten, die regelmäßig an Tatorten ermitteln. Die gefundenen Spuren könnten mit dieser Datenbank verglichen werden, unnötigen Ermittlungsaufwand könnte man sich sparen.

Was so logisch klingt, ist für die Personalvertreter der Polizei keine ausgemachte Sache. Sie verhandeln derzeit mit dem Bundeskriminalamt über den genauen Inhalt einer Weisung, mit der bestimmte Beamten ab Herbst zum Speicheltest verpflichtet werden sollen. Am Donnerstag gingen die Gewerkschafter medial in die Offensive. So argumentierte der Sprecher der niederösterreichischen Polizeigewerkschaft, Reinhard Zimmermann, in einem ORF-Bericht mit den Kosten: Bei 30 Euro pro Analyse könnten immerhin bis zu 600.000 Euro für die Aktion zusammenkommen. Sein Vorarlberger Kollege Eugen Lampert sah Daten- und Persönlichkeitsschutz gefährdet.

Argumente, die der Leiter des Zentralen Erkennungsdiensts im BK, Reinhard Schmid, im Gespräch mit dem Standard nicht nachvollziehen kann: Mit dem Datenschutz gebe es viel eher ein Problem in der anderen Richtung, wenn nämlich die DNA-Profile von Beamten ungewollt in internationalen Datenbanken landen. Dass die Aktion sinnvoll sei, habe sich in einem Pilotprojekt herausgestellt: Von 200 freiwillig beteiligten Polizisten war ein Viertel als "unbekannte Täter" gesucht. (Markus Peherstorfer, DER STANDARD - Printausgabe, 13. August 2010)

Share if you care.