GM schafft Wende, Chef gibt Steuer ab

12. August 2010, 22:02
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Amerikas größter Autobauer fährt wieder fette Gewinne ein, Ed Whitacre sieht seinen Job damit erledigt und geht

Der Texaner war nur ein halbes Jahr an der Konzernspitze. Neuer starker Mann wird Daniel Akerson.

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Genf - Big Ed schmeißt es hin. Der Chef des US-Autobauers General Motors, Ed Whitacre, präsentierte am Donnerstag noch einen Milliardengewinn. Dann kündigte der Texaner nach nur einem halben Jahr am Steuer den Rücktritt an. Es sei die richtige Zeit, um zu gehen, ließ er wissen. Er werde seinen Vorstandssitz mit September an Daniel Akerson übergeben, der Mitglied des Verwaltungsrats und Chef des internationalen Finanzinvestors Carlyle Group ist. Whitacre gilt als harter Sanierer, und sein Abgang überrascht. Aus einer interimistischen Lösung sollte eine dauerhafte werden, sagt er erst kürzlich. Nun will der 69-Jährige lediglich Chef des Verwaltungsrates bleiben, zumindest bis Jahresende, und von dort aus die Konzerngeschicke überwachen.

Whitacre übernahm nach dem Rückzug von Fritz Henderson Anfang Dezember 2009 die Führung der Opel-Mutter. Henderson und er waren sich wegen Opel übers Kreuz gekommen. Denn Henderson wollte den Verkauf der Tochter, Whitacre hielt vehement dagegen und setzte sich nach monatelangen Machtkämpfen durch.

General Motors schien mit ihm die Kurve zu kratzen: Der Texaner brachte den Autobauer innerhalb weniger Monate auf Kurs, unter anderem tauschte er radikal große Teile der Führungsriege aus. Persönliche Beziehungen zu den Leuten hatte er keine, Seilschaften der Detroiter Autowelt waren im weitgehend fremd. Als neuen Finanzchef holte er sich mit Chris Liddell einen früheren Microsoft-Manager. Er selbst werde so lange bleiben, wie es nötig sei, ließ er noch im Jänner wissen und sprach von zwei, vielleicht auch drei Jahren.

Whitacre galt als einer der bestbezahlten Manager der Welt. Heuer sollte er als GM-Chef neun Millionen Dollar beziehen, rund sieben Millionen davon in Form von Aktien. Brauchen dürfte er das Geld nicht. Er baute zuvor den US-Telefonmarkt um und AT&T zu einem Konzernriesen aus. Zum Abschied soll er dafür knapp 160 Millionen Dollar erhalten haben.

"Ich denke, wir haben erreicht, was wir uns vorgenommen hatten" , sagte Whitacre am Donnerstag. Sein Nachfolger Akerson sei in den Umbau von GM stets eingebunden gewesen und die richtige Wahl. Der neue starke Mann an der Spitze von Amerikas größtem Autobauer beschäftigt sich freilich erst seit einem Jahr beruflich mit Autos. Davor war er in der Finanzwelt unterwegs. Dort soll er unablässig Unternehmen gekauft und verkauft haben. Ums Tagesgeschäft werde er sich bei General Motors nicht groß kümmern müssen, glauben Experten. Die Autos verkauften sich in den USA und Asien mittlerweile fast von selbst.

Der früher chronisch defizitäre Konzern schreibt fette Gewinne. 2,2 Mrd. Dollar waren es im ersten Halbjahr. Von einer Rückkehr an die Wall Street ist die Rede, und es dürfte einer der größten Börsengänge der Geschichte werden.

Nur wenige Stunden vor der Rücktrittsankündigung veröffentlichte GM das jüngste Quartalsergebnis: Von April bis Ende Juni gab es gut 1,33 Milliarden Dollar Gewinn und 865 Millionen Euro Überschuss. Es war der höchste Quartalsgewinn seit 2004. In den USA und Asien komme man mit dem Produzieren kaum hinterher.

Rückkehr an die Börse

Die US-Regierung rettete den Autokonzern im vergangenen Jahr mit rund 52 Milliarden Dollar aus der Insolvenz. Davon flossen 43,3 Milliarden Dollar in Unternehmensanteile. GM gehört zu 61 Prozent dem Staat. Die Regierung will das Unternehmen nun frühestens im Herbst an die Börse bringen, um sich einen Teil des Geldes zurückzuholen. 6,7 Milliarden Dollar bekam sie bereits. Es liegt nun an Akerson, für den Staat weitere 16 Milliarden einzusammeln. Patzer kann sich da keiner leisten.

Sorgenkind bleibt Europa: Das Geschäft mit Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall bringt weiter Verluste. Nach dem Auslaufen der staatlichen Absatzhilfen sinken die Verkaufszahlen, die Marktanteile fallen. Immerhin konnte GM Europe seinen Verlust auf operativ 160 Millionen Dollar eindämmen. 477 Millionen waren es noch zum Jahresauftakt.

Europachef Nick Reilly versichert, Opel 2011 aus der Verlustzone zu führen und 2012 Geld zu verdienen. Bisher hätten Restrukturierungskosten den Turnaround verhindert. Die Unsicherheit sei vorbei, nun gehöre das Image der Marke verbessert. (APA, vk/DER STANDARD, Printausgabe, 13.8.2010)

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    "Big Ed" Whitacre zieht sich mit September überraschend in den Verwaltungsrat zurück. Der Sanierer hat den chronisch defizitären Autobauer GM in die Gewinnzone geführt. Im Spätherbst will der US-Konzern zurück an die Börse.

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