Zur Steinigung verurteilte Iranerin gesteht nach Folter

12. August 2010, 17:06
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Hinrichtung soll demnächst vollstreckt werden - Kinder fordern internationale Kommission

Teheran - Mit zittriger Stimme und fast völlig verhülltem Gesicht gestand Sakineh Ashtiani, ihren Mann betrogen und anschließend geholfen zu haben, ihn zu ermorden. Übertragen wurde das Geständnis live im iranischen Staatsfernsehen. Damit droht Ashtiani eine sofortige Hinrichtung - schon wieder.

Bereits vor einigen Wochen hatte das oberste Gericht in Teheran ein Urteil bestätigt, dem zufolge Ashtiani wegen Ehebruchs gesteinigt werden solle. Nach internationalen Protesten hatte das iranische Regime die Vollstreckung vorerst ausgesetzt. Nach dem Geständnis droht ihr nun der Tod durch den Strang.

Ashtiani sei zwei Tage lang gefoltert worden, das Geständnis sei erzwungen, sagte ihr Anwalt Houtan Kian dem Guardian. Ashtianis früherer Anwalt Mohammad Mostafai war erst vor zwei Wochen aus dem Iran in die Türkei und anschließend nach Norwegen geflohen, er wird im Iran polizeilich gesucht.

"Wir sind trotz Protesten da, wir können Menschen umbringen"

Das öffentliche Geständnis kam nun ausgerechnet einen Tag nachdem US-Außenministerin Hillary Clinton Teheran aufgefordert hatte, sich an internationale Abkommen zu halten und Exekutionen auszusetzen. "Die Hinrichtung ist eine politische Entscheidung, das Regime möchte zeigen: Wir sind trotz Protesten da, wir können Menschen umbringen", sagt Mina Ahadi, Präsidentin des Komitees gegen Steinigungen im Iran, zum Standard. "Laut iranischem Recht entscheiden die Angehörigen eines Mordopfers, ob der/die MörderIn hingerichtet wird oder nicht. Ashtianis Kinder kämpfen beide gegen das Urteil, das Regime hält sich nicht einmal an seine eigenen Gesetze" , sagt Ahadi. Die Kinder fordern nun, dass die Uno und der internationale Gerichtshof eine unabhängige Kommission in den Iran entsenden, die das Urteil und den Prozess gegen ihre Mutter überprüfen.

In dem TV-Geständnis hatte Ashtiani westliche Medien beschuldigt, sich in ihr Leben einzumischen. Vergangene Woche noch hatte sie in einem Interview mit dem Guardian die iranischen Behörden beschuldigt, Anschuldigungen gegen sie erfunden zu haben. Im Iran wurden laut Menschenrechtsgruppen vergangenes Jahr 409 Menschen hingerichtet, die zweithöchste Zahl weltweit nach China. (tob, DER STANDARD, Printausgabe 13.8.2010)

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