Baukonzern Vegrad insolvent

12. August 2010, 16:07
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Firmenchefin will Konkurs noch abwenden - 500 Millionen Schulden, unter anderem bei slowenischer Hypo-Tochter

Ljubljana - Die Hiobsbotschaften aus der slowenischen Wirtschaft reißen nicht ab. Zwei Wochen nach dem Autozulieferer Prevent hat sich am heutigen Donnerstag auch der Baukonzern Vegrad für zahlungsunfähig erklärt. Inoffiziellen Angaben zufolge steht das Unternehmen, das 1.700 Mitarbeiter beschäftigt, mit einer halben Milliarde Euro in der Kreide, meldete die Nachrichtenagentur STA. Die Konten des Unternehmens, auch bei der slowenischen Tochter der Hypo Alpe Adria, sind schon seit Februar blockiert.

Erst vergangene Woche hatte das slowenische Arbeitsinspektorat ein Verfahren gegen das im nordslowenischen Velenje ansässige Unternehmen eingeleitet, weil die Vegrad-Mitarbeiter schon seit drei Monaten keinen Lohn mehr erhalten haben. Das Unternehmen machte auch Schlagzeilen, weil es sogar Geld einbehalten haben soll, das Kollegen für zwei bei Arbeitsunfällen ums Leben gekommene Vegrad-Mitarbeiter gesammelt hatten.

Zuversicht bei Firmenchefs

Firmenchefin Hilda Tovsak ist dennoch zuversichtlich, einen Konkurs noch abwenden zu können. Sie wies darauf hin, dass ein Projekt mit mehreren hundert Wohnungen im Laibacher Stadtteil Siska kurz vor dem Abschluss stehe. Am Mittwoch sei die technische Abnahme erfolgt, sodass die Mieter schon im September einziehen können. Vegrad braucht die Erlöse aus diesem Bauprojekt dringend, war es doch auf Pump finanziert worden. Tovsak kündigte an, dass sie dem Aufsichtsrat am Montag einen finanziellen Restrukturierungsplan präsentieren werde, unter anderem mit einer Kapitalerhöhung um 15 Mio. Euro. Vegrad steht im Mehrheitsbesitz seiner Manager und Mitarbeiter, 29 Prozent gehören einem halbstaatlichen Investmentfonds.

Vegrad wurde die Immobilienkrise in Slowenien zum Verhängnis. In Zeiten des Immobilienbooms nahm das Unternehmen Bankkredite auf, um in Bauprojekte zu investieren. Wegen des Platzens der Immobilienblase blieb Vegrad aber auf den Liegenschaften sitzen. Einer Berechnung der Tageszeitung "Dnevnik" zufolge schulden die slowenischen Bauunternehmen den Banken mehr als 3 Mrd. Euro, dazu kommen noch 2 Mrd. Euro an Garantien.(APA)

 

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