Pensionskassen wollen deutlich zulegen

12. August 2010, 15:22
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Zakostelsky: Bis 2020 sollen 80 Prozent der Beschäftigten im Pensionskassensystem sein

Wien - Die österreichischen Pensionskassen wollen deutlich zulegen. Angesichts der demografischen Entwicklung und der angespannten Situation der Staatsfinanzen in Europa werden die zweite und dritte Säule der Pensionsvorsorge, also die betriebliche und die private Pensionsvorsorge, immer wichtiger, ist der Obmann des Fachverbands der Pensionskassen in der Wirtschaftskammer und Chef der Valida-Vorsorge-Holding, Andreas Zakostelsky, überzeugt. Nachholbedarf sieht er vor allem bei Klein- und Mittelbetrieben.

Die erste (staatliche) Säule allein werde die Pensionen nicht tragen können. Auch angesichts des "Schwesterthemas" Pflege, bei der ein Mix aus mehreren Instrumenten ausgebaut werden müsse, könnten mehr betriebliche Pensionen einen Beitrag leisten. Neben einer Ausweitung der Teilnehmer am Pensionskassensystem spiele auch die Höhe der Beitragssätze eine Rolle, die derzeit bei 2 bis 3 Prozent der Bruttolohnsumme liegen. Sinnvoll wäre für den Pensionskassen-Obmann hier in etwa eine Verdopplung auf 4 bis 5 Prozent.

Stärkeres Risikomanagement

Aus der Finanzkrise hätten die Pensionskassen Lehren gezogen und das Risikomanagement verstärkt. Der Aktienteil wurde verringert. Es gelte mehr denn je, dass bei den Pensionen das Bedürfnis nach Sicherheit größer sei als jenes nach mehr Ertrag. Die österreichischen Pensionskassen seien aber immer relativ konservativ aufgestellt gewesen.

Im Pensionskassensystem sind in Österreich derzeit nicht einmal ein Viertel der Beschäftigten. Bis 2020 wäre eine Durchdringung von 80 Prozent wichtig, so Zakostelsky. Derzeit gibt es bei den insgesamt 17 heimischen Pensionskassen 750.000 Begünstigte und 65.000 Pensionsbezieher. Die durchschnittliche Höhe dieser Zusatzpensionen liegt bei rund 470 Euro pro Monat. Wichtig ist für den neuen Fachverbands-Obmann angesichts der Herausforderungen der Zukunft der Dialog mit den Menschen und Verantwortungsträgern, Politik, Unternehmen, Pensionistenvertretern ebenso wie mit Jugendorganisationen und Arbeitnehmervertretern.

Besonders groß sei die Pensionslücke bei der Mittelschicht. Die Erhaltung der Kaufkraft im Pensionsalter sei auch volkswirtschaftlich wichtig. Zudem könnten Firmenpensionen im Rennen um qualifizierte Fachkräfte als Mittel zur Mitarbeiterbindung dienen. Für allem bei Klein- und Mittelbetrieben gebe es Aufholpotenzial. Die Pensionskassen-Beiträge könnten als Betriebsausgaben abgesetzt werden, betont Zakostelsky.

9o Prozent aus staatlicher Pension

Derzeit stammen in Österreich rund 90 Prozent der Pensionszahlungen aus der staatlichen Pension, der so genannten ersten Säule. Die restlichen 10 Prozent teilen sich in etwa zur Hälfte auf betriebliche Pensionen und Eigenvorsorge auf. Als Vision für die nächsten zehn Jahre nennt Zakostelsky die Weichenstellung dafür, dass in zwei bis drei Jahrzehnten nur mehr 50 Prozent der Pensionen aus der ersten Säule und die anderen 50 Prozent aus der zweiten und dritten Säule kommen. Im internationalen Vergleich ist der Anteil der kapitalgedeckten Pensionssysteme relativ niedrig. In Deutschland beispielsweise liegt er bei 15 Prozent, in der Schweiz bei 58 Prozent, in den Niederlanden bei 50 Prozent und in Italien bei 26 Prozent. In Europa wird sich das Verhältnis der Menschen im erwerbsfähigen Alter zu den über 65-jährigen laut EU-Berechnung auf 2:1 reduzieren, derzeit sind es noch 4:1, illustriert Zakostelsky die demografische Entwicklung.

Die Finanzkrise hat die Pensionskassen vorsichtiger gemacht. Das Risikomanagement wurde verstärkt, der Einsatz von computergestützten Trendfolgesystemen erhöht. Nach einem durchschnittlichen Aktienanteil von 40 Prozent im Jahr 2007 sei dieser - "lange vor Lehman" - zurückgefahren worden und sei im Jahresdurchschnitt bei 25 Prozent gelegen. 2009 seien die Aktienpositionen langsam wieder aufgebaut worden und lägen derzeit bei 30 Prozent. Ein Aktienanteil von rund einem Drittel sei ein "vernünftiger Wert", findet Zakostelsky. Erlaubt sind bis zu 70 Prozent, das sei aber nie annähernd erreicht worden.

Reform läuft

Der Veranlagungserfolg der österreichischen Pensionskassen lag im ersten Halbjahr 2010 wie berichtet bei plus 2,4 Prozent. 2008 gab es ein Minus von rund 13 Prozent. 2009 wurde ein Plus von 9 Prozent erwirtschaftet. Die durchschnittliche jährliche Performance seit Beginn bis Ende 2009 lag bei 5,92 Prozent. Von Pensionskürzungen betroffen sind vor allem Verträge mit hohen Rechnungszinssatz. Seit 2004 darf dieser Wert, der zur Prognose für die künftigen Pensionszahlungen dient, nicht höher als 3,5 Prozent sein. In manchen älteren Verträgen sind es bis zu 6,5 Prozent.

Zu den Kosten sagte Zakostelsky, diese bewegten sich im "tiefen einstelligen Prozentbereich". Zur geplanten Reform des Pensionskassensystems seien die Gespräche bisher gut gelaufen. (APA)

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