Blog: Wiener Wahlnotizen

Spalter, Spalter!

Anita Zielina, 12. August 2010, 15:10
  • Artikelbild
    foto: reuters/ho

    Grüne Spaltungstendenzen.

Teile der Wiener Grünen üben sich in Wählervertreibung mittels Ego-Trip in öffentlichen Internet-Foren

Manches ändert sich nie. Jänner 2009: Als Johannes Voggenhuber nicht als grüner Spitzenkandidat in den EU-Wahlkampf ziehen durfte, waren die Grünen wochenlang vor allem mit der Debatte über ihre Streitkultur in den Medien präsent.

Hoppla, Voggenhuber durfte nicht antreten? War es nicht eher so, dass er selber schuld war, weil er zu überheblich agierte? Oder wurde er rausgemobbt? War es korrekt, wie die Parteiführung reagierte? Oder doch zu autoritär? Für die eine und die andere Seite hatten sich überzeugte Redner gefunden, kaum ein Grüner, der nicht seinen Senf dazugab - und ja, natürlich kaum ein Medium das nicht begierig nachfragte. Bis es dann der Parteiführung reichte, und sie die Debatte beendete. Ein derStandard.at-User kommentierte damals grantig: „Das neue Motto der Grünen: Tofu spalten, Goschn halten".

August 2010: Zwei grüne Bezirksgruppen in Wien spalten sich. Und wieder sind große Egos im Spiel, und Leute, die die alleinige Wahrheit für sich reklamieren - auf beiden Seiten, wohlgemerkt. Wieder fühlen sich Leute aus der Partei gemobbt, wieder sprechen ihre Gegenüber von Querulanten. Für Außenstehende ist es so gut wie unmöglich, ein faires Urteil zu fällen, wer „schuld" ist. Und eigentlich ist es auch egal.

Das ist vielleicht das Unglaublichste an den grünen Querelen: Dass keine der beiden Seiten sehen kann oder will, wie ihr öffentlicher Streit auf den potenziellen Wähler wirkt. Dass konstruktive Kräfte wegen der Streithansel in ein schlechtes Licht geraten, andere Parteien sich die Hände reiben, Wähler verunsichert sind? Das muss alles zurückstecken, weil in Kindergartenmanier lieber das beliebte Spiel gespielt wird: „Aber er hat doch angefangen!" Und das Ganze nicht hinter verschlossenen Türen, sondern in öffentlichen Foren, wie etwa hier, hier oder hier. Diskussionskultur ist wichtig und richtig, aber Diskussion ohne Kultur sollte, wenn überhaupt, nur abseits der Öffentlichkeit stattfinden.

Man könnte jetzt natürlich weiter darüber diskutieren, wer schuld ist. Oder man liest einfach in Internetforen, was GrünwählerInnen so meinen - und vergisst mal das eigene Ego. (Anita Zielina, derStandard.at, 12.8.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 266
1 2 3 4 5 6
verdeckte Sensorik
00
17.8.2010, 18:56
Seit des Rückzugs VdBellens ...

ist die Leitfigur abhanden gekommen. Vielen Wählern, wie zB mir, fehlt neben der benannten Leitfigur auch der Inhalt.
Durch den Austausch der Zusatztafeln unter zB Fahrverbotsschildern auf "ausgenommen Radfahrer und Radfahrerinnen", den völligen Verzicht auf die Erwähnung des männlichen Wählers in einem Interview von Frau Glawischnig "die WählerInnen" und die Umbesetzung der männlichen Vertreter in Feminisinnen alleine sehe ich mich wahrlich nicht bemüßigt die Grünen zu wählen (was ich ca. 20 Jahre lang gemacht habe).
Schade eigentlich, denn die wirklich heiklen Themen bleiben dadurch leider unberührt.

leZa
12
17.8.2010, 15:41
Interessant wie deklariert "grün"

eine "objektive" Journalistin sein darf.

Vintageologist
 
02
17.8.2010, 15:08
Aufmerksamkeit. Das wichtigste Gut für jeden Linken.

Wenn man nicht durch Leistung brillieren kann, dann eben durch möglichst aggressive Selbstdarstellung.

myky
41
17.8.2010, 12:03
bei jeder anderen partei würde der anita der schaum vor'm mund stehen

aber bei den fröschen wird sie ganz weinerlich.

das nenne ich "qualitäts"medium ...
ich werde spö wählen.

Vintageologist
 
02
17.8.2010, 15:13
Jede Stimme für...

etwas anderes als Grün ist eine Stimme mehr für Bürgerrechte.
Egal, ob sie jetzt an SPÖ, ÖVP, FPÖ oder BZÖ geht.

Zeu pater Eelios te
01
17.8.2010, 17:39
Genau, bravo!

Die Grünen wollen alles regulieren, verbieten, vorschreiben. Erinnert mich an Zeiten, als Leute regierten, die heute für die Grünen den Inbegriff des Bösen darstellen. Und jetzt wollen sie's genauso machen. Seltsam.

tim leary
12
16.8.2010, 22:08

peinlichst!

dann wähl ich eben kpö
weil wenn schon irgendwas, dann wirklich irgendwas!!

Vintageologist
 
21
17.8.2010, 15:09
KPÖ?

Wow... im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst?

Was heißt im Geschichtsunterricht... schau dich einfach mal um in der Welt, dort wo Kommunisten was zu sagen haben.

Publius C. Pulcher
11
17.8.2010, 09:58

wenn wenigstens ein paar mehr protestwählerInnen so denken würden, und lieberdie KPÖ als die FPö wählen würden ...

Octavian Fenz
02
16.8.2010, 18:07

Otternasen, Otternasen!

chlorophyllmarxist
01
18.8.2010, 08:40

Wolfszitzenchips, greifen Sie zu, solange sie noch heiß sind!

a grünes stricherl
 
01
16.8.2010, 15:46
politischer selbstmord auf raten.

ein trauerspiel.

Vintageologist
 
00
17.8.2010, 15:10
Zum Glück.

Je weniger Grün, desto mehr Bürgerrechte!

Perseus0
 
00
16.8.2010, 13:58

Finde es schade, dass die Grünen in letzter Zeit vermehrt durch interne Streitigkeiten auffallen als durch konstruktive und innovative Politik.

Ich hoffe das ändert sich.

myky
12
17.8.2010, 12:04
ich habe eigentlich nicht viel gegen die grünen,

ausser, dass sie eben NIE linke, konstruktive und innovative politik gemacht haben.

boro boros
 
00
16.8.2010, 21:17

das hoff ich jetzt schon ziemlich lang :/

Perseus0
 
00
17.8.2010, 08:15

Da hast du recht.... aber alles andere wäre auch für die sowieso schon quasi nicht vorhandene Parteienvielfalt in Österreich ein harter Schlag.

boro boros
 
00
17.8.2010, 11:05

ja, nur jetzt beginnen sie sich zu spalten, etc.
d.h. mal für längere zeit wieder gegenseitige schwächung. wär ja toll, wenn es endlich wieder eine vernünftige linke alternative geben würde.

fräulein potmesil nicht mehr gelangweilt
00
16.8.2010, 13:36
die spaltung der grünen ist natürlich

die grünen wissen und wussten nie ganz genau ob sie links oder mitte oder liberal-konservativ sein sollen. aber das sagt noch zu wenig: sie wissen eigentlich nicht WIE sie die WELT GRÜN machen wollen, sollen sie es über das kapitalistische system machen also eben einfach wie bisher nur halt grüner im sinne von windmühlen und solar und hohe benzinpreis und ökosteuer - aber sonst wie bisher, oder einen "linken" weg, der eigentlich ein radikalere systemänderung anstreben müsste! - daher passt für mich die spaltung. ich hatte vor kurzem die idee einer neuen partei - eine grün/rote partei: DIE GROTEN .. naja war nur ein gedanken-experiment

diskdusk
 
01
16.8.2010, 18:11

Ich habe nicht den Eindruck dass hier eine "Spaltung" in diesem Sinne vorliegt, und schon gar nicht wegen inhaltlicher Unterschiede. Hier geht es schlicht und einfach darum, dass ein paar Grüne Politiker, die sich für pragmatisiert hielten, ihre schlechten Ergebnisse bei der Listenerstellung für die Wien-Wahl nicht verkraften konnten und jetzt lieber alle Grünen anpatzen und in Kauf nehmen dass ihre eigenen Anliegen nach der Wahl nicht umgesetzt werden können - dafür dass sie an ihren Nachfolgern Rache nehmen können. Billiger Ego-Trip. Aber immerhin sind diese Leute raus aus der Partei, die ich wählen werde.

Ingrid Goeschl
00
17.8.2010, 11:51

Genauso sehe ich es auch.

marksu
00
16.8.2010, 14:18
DIE LINKE

wäre ganz gut, wenn sich die grünen gänzlich spalten würden. ein teil wird liberal-konservativ und ein teil links.

das wäre viel ehrlicher und würde die internen konflikte minimieren und endlich wieder mehr politik bringen!

M Help
10
15.8.2010, 23:29
Diese Spaltungen sind ein Produkt mangelnder Kompromissfähigkeit

Wer eine Organisation führt, muss in der Lage sein, zwischen den einzelnen Interessen und Tendenzen - die es in jeder großen Organisation - nicht nur bei den Grünen - gibt, auszugleichen.

Diese Professionalität der Führung, die gute Autorität ausmacht, hat sich bei den grünen führenden Damen noch nicht herumgesprochen. Zum Leidwesen der ganzen grünen Partei.

diskdusk
 
01
16.8.2010, 18:15

Was die Kompromissfähigkeit betrifft haben Sie recht. Von der Listenerstellung der Grünen scheinen Sie aber keine Ahnung zu haben. Die wird nämlich nicht von den "grünen führenden Damen" von oben nach unten bestimmt, sondern von den Parteimitgliedern in einem Bezirk gewählt. Dieses Wagnis, nicht wie die anderen Parteien alles von oben nach unten zu regeln, bringt natürlich auch immer wieder ein gewisses chaotisches Element mit ein. Die Gruppendynamik kann dann dazu führen dass sich ein abgewählter Alt-Funktionär in seinem Ego so gekränkt fühlt dass er, ähnlich einem Kindergartenkind das vom Spielen ausgeschlossen wird, lieber alles kaputt machen würde als seine Niederlage einzugestehen und sich zurückzuziehen.

Mr. Roboto
01
15.8.2010, 13:43

die grünen, die jetzt das sagen haben, wirken wie der einst aufmüpfige nachwuchs konservativer eltern, die sich aber inzwischen mit dem system arrangiert haben.

sozial- und gesellschaftspolitisch seh ich da keine großartigen ideen. wenn susi jerusalem im standardinterview als eines der großes wahlversprechen die begrünung ihres neuen lieblingsbezirkes nennt, sagt das auch schon viel aus.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 266
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.