ImPulsTanz bilanziert: "rundum gelungen"

12. August 2010, 13:31
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Auslastung voraussichtlich 98 Prozent

Wien - Die ImPulsTanz-Protagonisten sehen etwas müde aus: Eine spontane Lecture im Schauspielhaus dauerte am Mittwoch bis in die frühen Morgenstunden - nicht das erste Mal im vergangenen Monat. Am Sonntag, den 15. August, geht das Festival nach 95 Vorstellungen, 170 Workshop-Kursen, zahlreichen Vorträgen und jeder Menge Parties zu Ende. "Rundum gelungen", urteilte Festival-Leiter Karl Regensburger bei der Abschlusspressekonferenz am, Donnerstag.

Insgesamt verzeichneten die Veranstaltungen 94.000 Besucher (davon 34.000 bei Veranstaltungen mit freiem Eintritt) und eine voraussichtliche Gesamtauslastung von 98 Prozent. 28 Stücke waren Österreichische Erstaufführungen, unter den 44 Produktionen, die es seit dem 15. Juli zu sehen gab, waren außerdem sieben Uraufführungen. 5.000 Interessierte kamen zu den Eröffnungen ins Museumsquartier und ins Arsenal, 24.000 in die Theater und 5.000 buchten Workshops oder Research-Veranstaltungen.

"Diesmal keine High Heels und keine Federboa"

Letzte Höhepunkte warten mit Alain Platels "Gardenia", das am Donnerstag im Akademietheater Premiere feiert und am Wochenende noch zweimal gezeigt wird. Der belgische Choreograph hat dafür mit der transsexuellen Schauspielerin Vanessa van Durme zusammengearbeitet. Sie habe ein Stück "über Hoffnung und über das Altern in Schönheit" machen wollen, erklärte die 62-Jährige. Neben ihr stehen ehemalige Kollegen aus dem Travestie-Nightlife auf der Bühne, die sich allerdings schon lange anderen Berufen zugewandt haben. "Ich habe ihnen gesagt: Diesmal brauchen wir keine High Heels und keine Federboa", so van Durme über die erste Begegnung ihrer gealterten Mitstreiter mit dem zeitgenössischen Tanz.

Von den vier Buchpräsentationen steht eine, am Freitag, noch aus: "The Swedish Dance History" ist eine Sammlung von Beiträgen und Selbstporträts von mehr als 200 Tänzern und Choreographen, die ohne Inhaltsverzeichnis und ohne jegliche kommerzielle Ausrichtung in einem 1.104 Seiten dicken Band versammelt wurden. "Es ist eine Buch gewordene Choreographie", so Marten Spanberg, der beim Festival selbst multifunktional - als Lehrer, Vortragender und Tänzer - vertreten war, "- sobald es irgendwo auf der Welt zwei Leute gleichzeitig aufschlagen." Statt gekauft, wird der Band verteilt und weitergegeben. Mit Schweden hat "The Swedish Dance History" abgesehen von der Finanzierung durch das schwedische Art Grants Committee übrigens nichts zu tun.

Es ist die Spezialität des Festivals, dass es in vielen verschiedenen Funktionen besucht werden kann. Tänzer unterrichten und nehmen selbst Unterricht, arbeiten im Zuge der Residencies an ihren neuen Kreationen und treten mit eigenen Performances auf. Wie die amerikanische Jung-Choreographin Eleanor Bauer, deren "Big Girls do Big Things" in der Nachwuchs-Schiene auf viel Resonanz gestoßen und am kommenden Samstag noch einmal im Schauspielhaus zu sehen ist. "Ich kann mich nie entscheiden, ob ich Tänzerin oder Entertainerin sein will", erzählte sie. "Deshalb habe ich jetzt beides getrennt behandelt." Das Entertainment-Stück hat die Rosas-Tänzerin gezeigt, das Tanz-Stück während ihrer Residency erarbeitet. (APA)

 

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