Karriere-Hemmer: Doppelbelastung

12. August 2010, 13:08
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Jede zweite Frau ändert ihre beruflichen Karrierewünsche wegen Familie und Beruf oder gibt sie ganz auf - 60 Prozent für Frauenquote in Betrieben

Gütersloh - Die Doppelbelastung von Familie und Beruf stellt für Frauen nach wie vor die entscheidende Karrierebremse dar. Jede Zweite hat aus diesem Grund mindestens einmal ihre Karrierewünsche aufgeben oder ändern müssen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage der Bertelsmann Stiftung hervor, für die das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid 1.029 Frauen und Männer befragt hat. Mangelnde Förderung am Arbeitsplatz oder unzureichende berufliche Qualifikation nannte hingegen nur jede vierte Frau als Karrierehindernis. 60 Prozent von ihnen halten eine Frauenquote in den Betrieben für sinnvoll.

Schlecht bestellt um Chancengleichheit

Zwei Drittel der Befragten sind überzeugt davon, dass es um die berufliche Chancengleichheit von Frau und Mann schlecht bestellt ist. Fast 90 Prozent von ihnen sehen Frauen an erster Stelle durch Familie und Beruf benachteiligt. Mehr als zwei Drittel (71 Prozent) glauben zudem, dass männliche Führungskräfte Frauen ausgrenzen. Die oft behauptete mangelnde Durchsetzungsfähigkeit von Frauen im Job scheint dagegen kein Thema zu sein. 80 Prozent der Befragten halten sie für genauso durchsetzungsstark und 60 Prozent sogar für gleichermaßen machtbewusst wie Männer.

Differenzen der Generationen

Bei der Beurteilung der beruflichen Chancen von Frauen gibt es große Unterschiede zwischen den Generationen. Während drei Viertel der 50- bis 60-Jährigen nicht glauben, dass in Deutschland Frauen und Männer die gleichen Chancen haben, Karriere zu machen, sehen dies junge Menschen deutlich optimistischer: Für fast die Hälfte der 16- bis 29-Jährigen sind die beruflichen Möglichkeiten zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt.

Plädoyer an die Quote

Um Frauen in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern, ist mehr Unterstützung der Gesellschaft für die Vereinbarkeit von Beruf und Familien notwendig. Darüber waren sich nahezu alle Befragten einig. Weitere Teilzeitangebote in Betrieben, flexiblere Arbeitszeiten oder finanzielle staatliche Unterstützung helfen Frauen nach Ansicht der Menschen in Deutschland hingegen nicht weiter, wenn sie Karriere machen wollen. Nahezu 80 Prozent halten die gezielte Förderung durch Vorgesetzte für geeignet, um sie gezielt in ihrer beruflichen Entwicklung voranzubringen. Rund 60 Prozent setzen auf eine bessere Ausbildung und Qualifizierung. Auf die Motivation und tatkräftige Unterstützung durch den Partner baut jede zweite Frau. Für eine Frauenquote in Unternehmen und Organisationen plädieren 60 Prozent der Frauen und 41 Prozent der Männer.

Liz Mohn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung: „Viele Unternehmen erkennen angesichts des demographischen Wandels und der Globalisierung, wie wichtig es ist, die Fähigkeiten vieler exzellent ausgebildeten Frauen im Beruf zu nutzen. Das kann aber nur dann gelingen, wenn es keine Karrierebremsen für Frauen gibt und die Gesellschaft auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch viel mehr Wert legt als bisher." (red)

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    Zu Karriere(ab)brüchen für Frauen führen, laut der Bertelsmann-Stiftung-Umfrage, Familie und Beruf.

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