James Franco, Meta-Star

12. August 2010, 12:53
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Über einen Schauspieler, der sein eigenes Stardom selbst kommentiert - bisweilen auch bizarr

Spätestens seit seiner Rolle als Peter Parkers Gegenspieler Harry Osborn in den "Spiderman"-Filmen ist James Franco ein Star und ein Mädchenschwarm. Daneben war er, so weit noch nicht ungewöhnliche Konsolidierung des Ausdrucksspektrums, in eher ins Arthouse-Spektrum gehörenden Filmen wie Gus van Sants "Milk" oder als Allen Ginsberg im diesjährigen Berlinale-Beitrag "Howl" zu sehen. Allerdings beschreiben diese Rollen nur eine der beinahe zahllosen Karrieren, die Franco mit unfassbarem Eifer verfolgt.

Franco ist nämlich nicht einfach ein Star, sondern zugleich ein Meta-Star, der sein eigenes Stardom mal mehr komisch, mal mehr künstlerisch, mal mehr total bizarr immerzu selbst kommentiert. Mehr komisch etwa beim Online-Kanal "Funny or Die" in einer Serie "Acting With James Franco", hier Teil drei, in dem Franco seinem kleinen Bruder Dave ("Davy") die Sache mit dem dem Agieren im leeren Raum vor dem Greenscreen in den "Spiderman"-Filmen erklärt:

Acting with James Franco Episode 2: "Green Screen" from James Franco

 

In gewisser Weise deutlich seltsamer ist die Tatsache, dass Franco in der eigentlich stinknormalen Krankenhaus-Soap "General Hospital" einen Performance-Künstler mit namen Franco (nur Franco, kein Vorname) spielt. Hier ein Ausschnitt, der ihn erst bei der Arbeit zeigt und dann beim Vergnügen:

 

Das ist näher am Leben, als man denkt, denn in der Tat begreift sich James Franco längst als Performance-Künstler. In Kooperation mit einem in der Kunstwelt als Carter bekannten Herrn hat er zum Beispiel einen Film gedreht, in dem er sämtliche seiner bisherigen Rollen in Film und Fernsehen für einen ganz eigenen neuen Film noch einmal spielt (und weitere Rollen dazu). Der folgende Ausschnitt aus dem einstündigen Werk vermittelt immerhin einen Eindruck vom Resultat:

 

Im folgenden Clip trifft er die weltberühmte Performance-Künstlerin Marina Abramovic, die zuletzt mit einer großen Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art endgültig in den Stand der Unsterblichkeit erhoben wurde. Franco stellt sich vor, isst mit ihr und spricht mit ihr über die Kunst:

 

Im Juni diesen Jahres war es dann so weit: James Franco hatte seine erste eigene Kunstausstellung in der sehr angesagten New Yorker Clocktower Gallery (hier ein Bericht im Wall Street Journal) - und spaltet seither die Betrachter aus Medien, Kunst und Filmwelt in Staunende, Zweifler und Spötter. Die traurige Wahrheit für Normalsterbliche allerdings lautet: Das ist noch längst nicht alles, was James Franco versucht und beherrscht. Seit Jahren studiert er etwa mit großem Eifer und Bemüh'n und Erfolg Film, Literatur und Creative Writing an der New York und an der Yale University. Sein erster Band mit Erzählungen - Titel: "Palo Alto" - erscheint im Oktober, manche davon wurden zuvor schon in renommiertesten Literaturzeitschriften veröffentlicht (hier etwa "Just Before the Black" in Esquire; eine Franco-Titelgeschichte gibt es außerdem in dem Magazin, und zwar, dem Gegenstand angemessen, in denkbar unterschiedlichen medialen Formaten).

Und wer jetzt immer noch mehr wissen will, oder gar alles, was man über das auf allen Kanälen funkende Multitalent James Franco überhaupt wissen und denken und in Erfahrung bringen kann, der sei auf den ziemlich brillanten und nachgerade unendlich langen Artikel verwiesen, den Sam Anderson im New York Magazine über ihn verfasst hat. (Ekkehard Knörer, cargo-film.de)

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    Vielseitig: James Franco, hier im Februar 2009 bei der Entgegennahme des Hasty Pudding Theatricals Man of the Year Awards der Harvard University

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