"Anderswo fährt der Zug weiter"

15. August 2010, 18:24
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Die FH-Geschäftsführer sind sauer - Sie brauchen mehr Studienplätze, bekommen aber kein Geld

"Das ist fatal" - diesen Satz hat derStandard.at bei seinem Rundruf an einigen österreichischen Fachhochschulen zum Ausbaustopp oft gehört. Die Geschäftsführer sind von der Ankündigung von Wissenschaftsministerin Beatrix Karl nicht überrascht. Dies mindert ihren Ärger aber kaum.

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"Karl hat immer betont, den FH-Sektor ausbauen zu wollen. Jetzt lässt sie dieses Ziel für die nächsten drei Jahre fallen. Es geht hier um die Studierenden. Ihnen wird vermittelt, dass sie nicht willkommen sind. An der Uni bekommen sie eine schlechte Betreuung und an den Fachhochschulen gibt es zu wenige Plätze. Das ist sehr negativ", stellt der Geschäftsführer der FH des Berufsförderungsinstituts (bfi) in Wien, Helmut Holzinger, fest.

"Wir sind gehandicapt"

Auch an der FH Salzburg ist man von dem Ausbaustopp betroffen. "In den Entwicklungen neuer Angebote sind wir jetzt gehandicapt. Im Tourismusbereich und den Sozialwissenschaften hat das Ministerium bereits zugesagte Studienplätze wieder zurückgezogen. Auch beim Schwerpunkt Holz müssen wir unsere Vorhaben jetzt auf die lange Bank schieben", so der Geschäftsführer Reimund Ribitsch zu derStandard.at. Ihm sei die angespannte Budgetlage bewusst, aber die Bundesregierung würde durch die Einsparungen im Bildungsbereich "die falschen Prioritäten setzen".

"In Bildung muss man antizyklisch investieren"

Der Generalsekretär der Fachhochschulkonferenz (FHK), Kurt Koleznik, sieht das ähnlich. "Man muss in Bildung antizyklisch investieren, wie das zum Beispiel in Deutschland gemacht wird. Es müsste ein Signal gesetzt werden, nicht nur von der Ministerin, sondern von der gesamten Bundesregierung", sagt er und fordert die Ministerin auf, für ein höheres Budget einzutreten.

Kärnten hat bereits jetzt 500 Plätze zu wenig

Die Fachhochschulen in Kärnten sehen sich von dem angekündigten Ausbaustopp doppelt betroffen. "Wir haben jetzt schon 500 Studienplätze weniger, als uns der Bevölkerungsanzahl entsprechend zustehen würden", erklärt der stellvertretende Geschäftsführer Herbert Kotschnig. Durch den Stillstand an den FHs könne dieser Nachholbedarf in den nächsten Jahren nicht ausgeglichen werden. "Woanders fährt der Zug aber weiter", verweist Kotschnig auf Hochschulen im Ausland. 

Durch den Budgetstopp kann nicht nur die Nachfrage der vielen Interessenten nicht nachgekommen werden. "Wir können auch dem Ruf der Wirtschaft nach Technikern nicht folgen", erklärt die Sprecherin der FH-Oberösterreich, Susanne Halmerbauer.

Keine Öko-Steuer - Kein Geld für Bildung

Eigentlich hatte Karl im April diesen Jahres hundert Millionen Euro für Universitäten, FHs und den Wissenschaftsfonds (FWF) angekündigt. "Sie hat das damals nicht so klar gesagt, aber das war vorbehaltlich einer Öko-Steuer", sagt Koleznik. Die SPÖ will einer solchen Öko-Steuer aber nicht zustimmen. "Deshalb kann Karl das Geld nun nicht zur Verfügung stellen", erklärt der Generalsekräter die Argumentation der Wissenschaftsministerin.

Für die Referentin für Fachhochschul-Angelegenheiten der ÖH, Karin Schönhofer, gilt diese Argumentation nicht. "Es hat sich schon bei der Ankündigung abgezeichnet, dass es keine Zustimmung für diese Öko-Steuer geben wird. Karl hat Geld versprochen ohne dafür die Sicherheit zu haben", sagt Schönhofer zu derStandard.at.

Nur "Floskeln" im FH-Plan

Die Studierendenvertreterin erwartet sich vom "FH-Plan", der derzeit noch in Begutachtung ist, nur "Floskeln". "Dieser Plan ist nicht verbindlich", sagt sie. Karl will, das hat sich bereits bei der Präsentation der Ergebnisse des Hochschuldialogs angekündigt, einen Schwerpunkt auf die berufsbegleitenden Studien an den FHs setzen. "Wie soll ein Schwerpunkt gesetzt werden, wenn kein Geld da ist?", fragt sich Schönhofer. 

Darin, dass die FHs nicht ausgebaut werden und an den Unis immer mehr Zugänge gesperrt werden, sieht die ÖH-Referentin das Ziel, "dass nicht allen die Möglichkeit gegeben werden soll, zu studieren".

Hoffnung noch nicht aufgegeben

Ganz aufgegeben haben die Fachhochschulen aber noch nicht. "Vielleicht bin ich ein hoffnungsloser Optimist", sagt Rektor Karl Peter Pfeiffer von der FH Joanneum, "ich erwarte mir keine großen Würfe, aber vielleicht wird der Rotstift ja doch nicht bei der Bildung angesetzt". Schließlich gebe es am Bildungssektor kein Einsparungspotenzial, "uns kann man nicht gesund hungern". Auch der Generalsekretär der Fachhochschulkonferenz erhofft sich "eine Wirkung" dadurch, dass sich bereits viele Verantwortliche "aller politischen Couleurs" gegen den Budgetstopp im Bildungsbereich ausgesprochen haben. (Lisa Aigner, derStandard.at, 12.8.2010)

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    Der Andrang der Studierenen auf die Plätze an den FHs ist groß, auch die Wirtschaft ruft nach mehr Absolventen. Wegen dem Ausbaustopp können die Hochschulen die große Nachfrage aber nicht befriedigen.

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