Vermutetes Massengrab bleibt geschlossen

12. August 2010, 10:02
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An der falschen Stelle gegraben? - Angeblich auch keine Leichen in Stausee an Grenze zu Bosnien entdeckt

Belgrad - Ein bei der südserbischen Stadt Raska (250 Kilometer südlich von Belgrad) vermutetes Massengrab bleibt trotz monatelanger Untersuchung geschlossen. "Sie haben an der falschen Stelle gegraben", berichtete die serbische Zeitung "Danas" am Donnerstag. Es handle sich möglicherweise um eine "Behinderung" der seit Mai laufenden Ermittlungen, schrieb das Blatt.

Die EU-Rechtsstaatsmission im benachbarten Kosovo (EULEX) hatte die serbischen Behörden nach der Vernehmung von Augenzeugen auf das Grab hingewiesen. In ihm sollen rund 250 Kosovo-Albaner liegen, die von serbischem Militär und Paramilitär in den Jahren 1998/99 im Zuge des Kosovo-Krieges getötet worden sein sollen. Es soll sich um ein sogenanntes Sekundärgrab handeln, in dem Teile ursprünglich im Kosovo begrabener Leichen verscharrt worden sein sollen. Damit wurde versucht, Spuren zu verwischen.

Auch im Fall von Leichen im Stausee von Perucac am Drina-Fluss an der Grenze zwischen Serbien und Bosnien sei die Lage unklar, berichteten die Medien am Donnerstag in Belgrad und Sarajevo. Die bosnischen Ermittler haben nach eigenen Angaben rund 20 Leichen in der Talsperre gefunden, deren Wasser wegen Reparaturarbeiten an der Staumauer abgelassen worden war. Es soll sich um Leichen von Muslimen handeln, die von Serben am Beginn des Bosnien-Krieges (1992-95) hier versenkt wurden.

Demgegenüber erklärten die serbischen Ermittler, auf ihrer Seite des Stausees trotz zweitägiger Suche keine menschlichen Überreste entdeckt zu haben. Allerdings sagte der Untersuchungsleiter Gvozden Gagic den Medien: "Das war mehr eine visuelle Untersuchung, weil wir nicht über eine moderne technische Ausrüstung verfügen, mit der wir entdecken könnten, was sich im Schlamm verbirgt." Im Jahr 2001 war vom Boden dieser Talsperre ein Kühlwagen an die Wasseroberfläche gespült worden, in dem nach Angaben der serbischen Regierung 50 bis 60 Leichen von Albanern entdeckt wurden. (APA)

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