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"Am Land ist man weniger ängstlich"

12. August 2010, 17:27
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In der Stadt gehört die Kriminalität zum Alltag, sagt Alexander Marakovits vom Bundeskriminalamt. Am Land ist man da unsensibler, weil weniger passiert. Aber deshalb sichern in urbanen Regionen die Menschen ihr Eigentum weniger

„In absoluten Zahlen ist die Kriminalitätsrate in der Stadt höher als in urbanen Regionen“, sagt Alexander Marakovits, Sprecher des Bundeskriminalamts, und begründet das mit der „Anonymität in der Stadt, die den Tätern in die Hand spielt, weil sie leichter untertauchen können. Am Land sind die Anrainer sensibler, wenn ein fremdes Auto unterwegs ist. Das kommt auch der Polizei zugute, denn Täter handeln meist nicht spontan. Sie spähen zuerst aus, schauen, ob ein Objekt bewohnt ist, kundschaften aus, wann ein guter Zeitpunkt ist, um einzubrechen. Am Land fällt so ein Verhalten eher auf. Außerdem ist das ,Angebot‘ in der Stadt größer. Wo mehr Wohnungen stehen, wird auch eher eingebrochen.“

Im ersten Halbjahr 2010 gingen, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2009, österreichweit die Wohnungseinbrüche um über 19, Einbrüche in Einfamilienhäuser um über 40 Prozent zurück. Während Einfamilien-Häuser in Wien eher alarmgesichert sind, „ist man am Land erfahrungsgemäß weniger ängstlich. Das Verhalten bei der Wohnungssicherung ist dort anders. Die Menschen reagieren nach ihren individuellen Erfahrungen. Wenn in einem Dorf nie eingebrochen wurde, gibt es für viele auch keinen Grund eine Alarmanlage anzuschaffen“, erklärt Marakovits, „Das ist aber kein typisch österreichisches Problem, das ist in anderen Ländern genau gleich.“ Und das Gerücht, dass man am Land auch gerne einmal die Tür nicht abschließt, wenn man kurz weggeht, kennt er auch.

SoKo Ost und Operation Java

„Im Herbst 2008 sind wir vor eine besondere Herausforderung gestellt worden. Damals stiegen die Wohnungseinbrüche bis ins erste Halbjahr 2009 stark an. Dank vieler Maßnahmen, wie dem Masterplan gegen Einbruchskriminalität, ist deren Anzahl dann wieder rasch gesunken. Ein Erfolg war die Operation Java, bei der eine georgische Tätergruppe zerschlagen werden konnte, die für rund 30 Prozent der Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser in Österreich verantwortlich war.“ In Zusammenarbeit mit der SoKo Ost wurden bei der europaweite Fahndung "bis Ende Juni 281 Tatverdächtige auf frischer Tat, zum Beispiel bei der Begehung von Einbrüchen oder Fahrzeugdiebstählen festgenommen. Wegen illegaler Migration wurden 735, und aus verwaltungspolizeilichen Gründen 19 Personen festgenommen." Trotzdem rät Marakovits zur Wachsamkeit: „Man weiß nie, ob nicht eine neue Tätergruppe neue modi operandi wählt.“

Auch bei Kraftfahrzeug-Delikten sind die Zahlen am Land niedriger als in der Stadt. Insgesamt gingen im ersten Halbjahr die Auto-Einbrüche um 23 Prozent zurück. „Auch da ist es für die Täter leichter, in der Stadt zuzuschlagen. Etwa um 3:00 Uhr in der Früh, in einer Straße, wo gerade niemand ist. Dazu kommt, dass etwas Lärm in der Stadt nicht auffällt, und in der Stadt stehen mehr Autos auf der Straße. Am Land hört man es, wenn jemand ein Kraftfahrzeug aufbricht. Da gehen die Täter auch anders vor. Sie brechen ins Haus ein, stehlen Schlüssel und Papiere und bringen das Kfz dann weg. Die steigenden Kfz-Diebstähle im letzten Jahr sind das Aufgabengebiet der SoKo Kfz, und wir haben da eine gute Kooperation mit dem Ausland. Zudem haben wir bemerkt, dass Österreich für Tätergruppen nicht mehr sehr interessant ist. Doch in einzelnen Regionen treten sie dann doch auf, wie eben im Burgenland eine Gruppe, die sich sehr für Luxusautos interessiert. Aber inzwischen verzeichnen wir einen deutlichen Rückgang bei den Delikten, was auch auf unsere Kontrollen auf den Hauptverbindungen und Transitrouten zurückzuführen ist. Denn die gestohlenen Autos gehen zum überwiegenden Teil ins Ausland. Es ist auch schon vorgekommen, dass wir den Besitzer eines Kraftfahrzeuges informieren konnten, wo er sein Auto abholen kann, bevor er noch bemerkt hat, dass es überhaupt weg ist.“

Nur im Burgenland steigt die Zahl der angezeigten Kriminalfälle an

Die Kriminalstatistik zeigt im Bundesländer-Vergleich, dass in Wien mit Abstand die meisten Fälle angezeigt werden – 105.238 waren es von Jänner bis Juni 2010. Das ist ein Rückgang von 9,7 Prozent. Im Vergleich dazu gab es im Burgenland nur 3988 angezeigte Fälle – der kleinste Wert Österreichs. Dafür stieg dieser im Burgenland als einziges Bundesland, wenn auch nur um 1,2 Prozent. „Die 48 Fälle im Burgenland, die wir heuer bis zum Juni verzeichnen mussten, liegen in der Schwankungsbreite“, meint Marakovits, „Das würde ich nicht überinterpretieren. Das kann am Jahresende wieder ganz anders aussehen.“ Betrachtet man den Vergleichszeitraum 2009 ging österreichweit die Anzahl der angezeigten Fälle um 10 Prozent zurück – am stärksten in Niederösterreich mit 16,8 Prozent, gefolgt von Oberösterreich mit 15,1 Prozent und Salzburg mit 14,2 Prozent.

Österreichweit nahm die Anzahl der geklärten Fälle mit einem Minus von 10,6 Prozent fast im gleichen Ausmaß ab, wie die Anzahl der angezeigten Fälle. Damit sank die Aufklärungsquote bundesweit nur leicht, um 0,2 Prozent von 39,83 Prozent im ersten Halbjahr 2009 auf 29,58 Prozent im Vergleichszeitraum 2010. Am stärksten nahm sie mit einem Minus von 1,8 Prozent in Oberösterreich ab, am vorletzten Platz liegt Wien mit minus 0,2 Prozent. Mit 3,3 Prozent ist sie in der Steiermark am stärksten gestiegen.

Präventions-Tipps gegen Kriminalität auch in urbanen Regionen hält die Homepage des Bundeskriminalamts bereit. „Es hilft, die Augen offen zu halten und sein Eigentum zu sichern. Wenn fünf ähnliche Häuser nebeneinander stehen, wird am ehesten in das eingebrochen, das am schlechtesten gesichert ist, bei dem die Leiter im Hof steht, die Fenster gekippt sind, obwohl niemand zuhause ist, oder bei dem der ungemähte Rasen darauf schließen lässt, dass niemand zuhause ist.“

Internet-Kriminalität kennt keine Stadtgrenzen

Keinen Unterschied zwischen Stadt und Land gibt es laut Marakovits bei der Internet-Kriminalität. „Da sitzen fast alle Täter im Ausland, und die Opfer sind bundesweit zu finden. Dabei geht es um die Klassiker von der versprochenen Erbschaft bis hin zu einem Gewinn, wo Menschen in Österreich schon mehrere 100.000 Euro verloren haben. Die Opfer wenden sich meist erst viel zu spät an die Polizei, wenn sie schon Unsummen verloren haben. Doch auch wenn wir durch internationale Zusammenarbeit die Täter fassen, ist die Chance, dass jemand sein Geld wiederbekommt, sehr gering.“

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    Österreichweit gingen die Einbrüche in Wohnungen um 19, in Einfamilienhäuser um über 40 Prozent zurück. Trotzdem gilt es wachsam zu sein, denn "man weiß nie, ob nicht eine neue Tätergruppe neue modi operandi wählt", sagt Alexander Marakovits vom Bundeskriminalamt.

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