Andrea Heigl

Wunsch und Wiener Wirklichkeit

11. August 2010 18:51

Die Grünen könnten in der Bundeshauptstadt an sich selbst scheitern

Wie unterschiedlich das hehre Ideal der Basisdemokratie ausgelegt werden kann, das führen die Grünen derzeit in den Wiener Bezirken Josefstadt und Mariahilf vor. Im Achten gibt es mit Heribert Rahdjian einen grünen Bezirksvorsteher, der von vielen in der Stadt geschätzt wird - nur nicht von einigen Leuten in seiner Bezirkspartei. Die Landes-Grünen sahen erste Reihe fußfrei dabei zu, wie Rahdjian abmontiert wurde, nun tritt er mit einer eigenen Liste an. Die Bezirks-Schwarzen und -Roten können sich schon einmal die Hände reiben. Fast ein Drittel aller Stimmen in der bürgerlichen Josefstadt erhielten die Grünen 2005; auf eine historische Bezirkseroberung folgt nun grünes Stimmen-Splitting.

Ganz und gar nicht untätig war die Landespartei in Mariahilf. Susanne Jerusalem wurde dort auf Wunsch der Rathausgrünen als Bezirksvorsteher-kandidatin eingesetzt, gegen den Willen eines Teils der Bezirkspartei. Wie das in einem basisdemokratischen System geht? Indem man sich eine Delegiertenliste zusammenzimmert, mit der die präferierte Kandidatin garantiert eine Mehrheit bekommt. Das Ergebnis ist dasselbe wie in der Josefstadt: Grün kandidiert gegen "Echt Grün" , den Bezirksvorsteher wird wohl keine der beiden Fraktionen stellen. Vor einigen Monaten durften sich die Stadt-Ökos noch berechtigte Hoffnungen machen, die Gegend zwischen Gürtel und Ring grün einzufärben. Bleiben wird ihnen nun nur der siebente Bezirk. Ausgerechnet dort, wo für grüne Verhältnisse astronomische Stimmenanteile möglich schienen, zerfällt die Bewegung.

Willkommen in der politischen Realität: In Wien und anderswo konkurrieren die Grünen mit Parteien, in denen bei Personalentscheidungen hierarchisch durchgegriffen wird. Solche intransparenten Prozesse kann man goutieren oder nicht. Jedenfalls weiß man als Bürger, woran man ist. Die Grünen versuchen hingegen, das Bild von den netten Basisdemokraten aufrechtzuerhalten, bei denen jeder mitreden darf.

Gleichzeitig verlangen gewisse Positionen gewisse Figuren, die einzusetzen die Parteiführung nicht befugt ist. Das Ergebnis sind seltsame Listenerstellungsprozesse. Und dann gibt sich die Parteispitze verblüfft davon, dass die Ergebnisse dieser Wahlen nicht alle glücklich machen. Die Grünen müssen ja nicht gleich sämtliche internen Wahlen abschaffen. Mehr Mut zur Führung brauchen sie auf jeden Fall; allerdings wird eher die Hölle zufrieren, als dass ein grüner Parteichef sich traut, die allumfassende Basisdemokratie infrage zu stellen.

Virulent wird dieses Problem in Wien spätestens bei möglichen Koalitionsverhandlungen. Sollte die SPÖ am 10. Oktober ihre absolute Mehrheit verlieren, wird sie sich davor hüten, mit den Grünen zu koalieren. Da kann Parteichefin Maria Vassilakou noch so sehr mit einem Regierungssessel liebäugeln: Bis über jeden Satz in einem Koalitionsübereinkommen bis in die hintersten Winkel der diskursfreudigen Stadtpartei abgestimmt wurde, hat die ebenfalls zusammenarbeitswillige ÖVP wohl schon längst ein Papier mit der SPÖ unterzeichnet. Ganz abgesehen davon, dass die Grünen derzeit alles andere als das Bild eines stabilen Regierungspartners abgeben.

Es ist ein schwieriger Spagat zwischen grünem Wunsch und parteipolitischer Wirklichkeit. Solange er nicht gelingt, dürfen die Grünen von den (Wiener) Wählern nicht erwarten, dass sie ihnen das Regieren zutrauen. (Andrea Heigl, DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2010)

Kommentar posten
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bin zuHause
12.08.2010 22:10
Wärst du doch in Düssel..

nein - Griechenland geblieben.

Colonel Grande
12.08.2010 18:56
Sollte man nicht sagen

Die Grünen konnten in der Bundeshauptstadt an sich selbst scheitern.

Asy
12.08.2010 17:49
Sie können nicht nur......

...... sie werden auch scheitern.

Und das ist gut so !!!!!

Was für eine dreckige Stadt!
12.08.2010 18:28

Interessant - Dein Posting.

yomellamo
12.08.2010 15:48
... das ist bei den Gruenen so wie bei allen parteien halt...

... da gibts jene die fuer die partei arbeiten, irgendwo zettel verteilen, mit den buergern reden, die versuchen probleme im bezirk zu loesen. Und rechtzeitig vor der wahl werden die dann abgesaegt um ein paar freunderl von denen weiter oben bis in den gemeinderat zu hieven.

KomaPoster
12.08.2010 15:30
Die Grünen sind McPartei und waren noch nie eine demokratische Bewegung.

Sie waren - und werden es wohl ewig bleiben - ein Sammelbecken egozentrischer Besserwisser. Das Ergebnis: Sesselklebende Parteifunktionäre und überalterndende McProtestler in den Mittfünfzigern.

CrangerMan
12.08.2010 15:26

Meiner Meinung nach wird dieses Parteispaltungs-Problem viel zu sehr hochgespielt. Natürlich ist es nicht gerade gut, aber: eine Bezirksvertretungswahl in Wien ist nicht wie eine Bürgermeisterwahl in den anderen Bundesländern eine reine Personenwahl. Den Eindruck habe ich zumindest. Daher glaube ich nicht, dass das nun so einen großen Schaden anrichtet. Ich hoffe, dass es in Wien endlich einmal Rot-Grün gibt, würde der politischen Landschaft gut tun. Wenn diese Option durch solche Kleinigkeiten gestört wird, wäre das sehr bedauerlich.

YellRain
12.08.2010 19:15
ich hatte eine antwort

aber ich verstehe nicht, wieso man beim die/derstandard eine solche angst vor meinungsfreiheit hat, mit der man an sich nur sich selbst blamiert, wenn sie naiv ist.

wenn es so weiter geht, so wird man bald seine meinung nur auf ausländischen servern posten können.

wenn das keine positive zukunft für alle ist, die hoffen, dass die bedauernswerten "kleinigkeiten" nicht dabei stören, dass es nur noch indirekte meinung irgendwo geben soll?

detaillierter kann man heutzutage nicht werden (jeder soll selber denken), da es menschen auf verschiedenen posten gibt, die glauben, dass man damit etwas unerhörtes sagt.

frage: wieviel ist eine veröffentlichte diskussion wert, von der man nicht weiss, wieviel nicht veröffentlicht wurde?

YellRain
12.08.2010 17:45
lieber nicht

also mein eindruck ist, dass derzeit rot-grün für sehr lange zeit auf die ersatzbank gehört um sich zu regenerieren.

schau dir doch die strukturen der grünen an: im ex-ostblock hat es auch ähnlich funktioniert.
einige parteibossinnen, welche die welt begriffen haben schaffen sich ein gender-umerziehungsystem und wollen einen "neuen menschen" nach dem vorbild des staates errichten. d.h. die bevölkerung ist nur dazu da, um das ideologische weltbild dieser obergenossinnen zu erfüllen.

und diese bevormundung sollen die menschen auch noch mit den eigenen steuermitteln bezahlen.

na wenn das kein perfides system sein soll, in dem demokratische rechte scheibchenweise durch ideologische vorschriften ersetzt werden sollen ...

so nicht.

Ernst Hirschmugl
 
01.09.2010 20:45

In dem Punkt wäre dann die Hainisch-Hosek auch eine Grüne, passte dort gut in die Emanzenriege.
Den Menschen nicht die freie Wahl lassen, sondern in die ihr gefällige Lenensart pressen.
In Wien allein können die (rot-grün) nicht viel anrichten, aber nie und nimmer wähle ich grün für den NR. Und wenn die Hosek bestimmend wäre, dann rot auch nicht mehr.

YellRain
03.09.2010 13:25
bossek

"Und wenn die Hosek bestimmend wäre, dann rot auch nicht mehr"

sie muss nicht "bestimmend" sein. es reicht, wenn sie ihr ressort hat und dort ihre politik umsetzt - und die anderen schauen zu, da es derzeit als "fortschritt" gilt, wenn sich frauen selbstverwirklichen - auch wenn als unfähige quotenfrauen in ministerien.

ihre politik beinhaltet eine umerziehung der gesellschaft nach der totalitären gender-mainstreaming ideologie.

schau dir den folgenden link an (sitaution in DE 2007):
http://www.cicero.de/97.php?it... &ress_id=7

dann siehst du, was einige personen in schlüsselpositionen anrichten können. die he-ho, bures, glawischnig & co stellen bereits eine reelle gefahr für die freie demokratie dar (zwangsumerziehung).

Ernst Hirschmugl
 
03.09.2010 19:14

Gegen gleiche Chancen - wenn eine Frau will - habe ich absolut nichts.
Aber wenn eine Frau anders will als diese Hosek & Co, dann hat sie der Staat gleich zu fördern.
Meine Mutter, Kriegerswitwe und daher alleinerziehend, hatte bei der Post Prüfungen bestanden die für einen höherwertigen Posten erforderlich waren, und dann sich um diese Einstellung beworben. Antwort (habe ich noch in Schriftform): Solange nicht der letzte sich bewerbende Mann für solche Posten eingestellt wird wird ihr Antrag abgewiesen (mein Kommentar: erst wenn der blödeste Mann eingestellt wurde kommt sie mit Abschluß sehr gut dran). Ungeheuerlich !!! Was aber jetzt das Gender Mainstreaming betreibt, ist die genaue Umkehrung um nichts weniger verwerflich.

Der kleine Lord
12.08.2010 15:06
Das Problem der Grünen ist

dass ihre hehren Demokratieideale für unser korrumpiertes System einfach zu gut sind.

Was für eine dreckige Stadt!
12.08.2010 16:14

Unser korrumpiertes System?
Die können ihre Ideale ja nicht mal nach innen leben, insofern stellt sich die Frage nach dem Umgang mit dem System "außen" schon mal gar nicht, weil unglaubwürdig.

benjohnson1988
12.08.2010 17:24

die Leben ihre Ideal so sehr nach Innen dass sie sich die beteiligten lieber selbst Schaden als gegen ihre Prinzipien zu verstoßen. Mir ist das Lieber als Partein die ihren Mandataren ein Sparbuch geben um sie von der Kandidatur abzuhalten.

Was für eine dreckige Stadt!
12.08.2010 17:28

Nach "Innen"? Da war jetzt aber ein Freud'scher im Spiel :)
Prinzipien sind gut, und die der Grünen sowieso (zumindest aus meiner Sicht).

Das ändert aber nichts daran, dass es naiv wäre zu glauben, die Macht ginge - bei Listenerstellungen bzw der Wahl von Delegierten - von der "Basis" aus.

Je höher man den moralischen Anspruch definiert, desto negativer das öffentliche Echo, wenn genau diese Moral gebrochen wird.

exilkaerntner
12.08.2010 14:56
echt!

dann sind die spaltereien einer rechtsradikalen partei in deutschland auch demokratie??
mit solchen aktionen macht sich die grüne partei keinen gefallen.
man kann es natürlich schönreden wie sei es tun!

trollvottel
12.08.2010 16:34

Die Spaltereien von Rechtsextremen gibts hier doch auch (Haiderputsch gegen Steger; Abspaltung der Pseudoliberalen; Abspaltung der Bienenzuzler; usw usw)

exilkaerntner
12.08.2010 17:41
schon klar!!

hät eigentlich zu wolframs post gehört.
aber der vergleich hat sich nur aus aktuellem anlass aufgedrängt!
ich finds schlecht, wenn sich die grünen selbst fertig machen. das hat nix mit demokratie zutun. sondern ist einfach nur dummheit und taktisches unvermögen! övp und spö wirds auf alle fälle freuen!

Erwin Wolfram
12.08.2010 13:56

PS Rund um die Gruenen findet Demokratie statt. Das ist eine Gefahr fuer Oesterreich, weil sie sich SPALTEN (ich finde so eine Interpretation strafbar).

Chris_SM
12.08.2010 13:31
Des grünen Pudels Kern

Ich finde, dass dieser Kommentar ein wenig am Kern des Problems vorbei geht.
Wie hier beschrieben, wurde in Mariahilf Fr. Jerusalem von der Parteispitze installiert(weiß wer warum???) während in der Josefstadt der Bezirksvorsteher von Vassilakou und Co fallen gelassen wurde.
Das ist weniger ein Problem der sicherlich problematischen "Basisdemokratie" sondern Resultat der weltfremden Parteiführung, wo die gendermaingestreamten politisch korrekten Binnen-I-Benutzer beiderlei Geschlechts das Sagen haben, und alle die nicht in ihr Schema passen, und viell. einmal ein Binnen I vergessen, abgesägt werden. Mit diesen linken Traumtänzern kann man keine Wahlen gewinnen!

Ingrid Goeschl1
12.08.2010 18:23

In der Josefstadt ist aber der (demokratisch gewählte!) neue Spitzenkandidat ein Mann, also kann es nicht an irgendwelchen "Gendergründen" liegen.

Ist es wirklich so schwierig zu verstehen, dass die Grünen ihre KandidatInnen demokratisch wählen und das auch nicht ändern werden, nur weil irgendjemand tut als sei die Welt zusammengebrochen, nur weil er eine Wahl nicht gewonnen hat?

legal eagle
17.08.2010 11:24

als einer, der die ereignisse im achten interessiert beobachtet hat: ja, das ist schwer zu glauben.

da ging es nicht um demokratie, sondern um politische fraktionierung um der faktionierung willen. dass die "aufständischen" die geschäftsordnung besser beherrschen macht sie nicht klüger oder moralischer.

morpho
12.08.2010 17:18
bledsinn

stimmt nicht, denn in der josefstadt folgte auf einen mann ein mann - hat also nichts mit feminismus o.ä. zu tun.
dass dennoch viel schiefgelaufen ist, ist eine andere sache.....

gwfak
12.08.2010 15:55
Des/der grünen PudelIn Kern

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