Ohne einen Tropfen Wasser durch 50 Grad Sommerhitze

11. August 2010, 18:39
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Der islamische Fastenmonat fällt heuer in den August - Rechtsgelehrte gewähren daher Ausnahmen, etwa für Fußballer

Kairo/Mekka/Bagdad - Mit einem bunten Feuerwerk und einer Parade von Segelbooten beginnt in Kairo ein ganz besonderes Ramadan-Spektakel. Auf einer Hightech-Bühne auf dem Nil tanzen Derwische und spielen traditionelle Folklore-Gruppen im Schein von farbigen Laserstrahlen. Der Ramadan in diesem Jahr ist anders. Er fällt in die heißeste Zeit und mitten in die lukrative Touristensaison. Mit der Show auf dem Nil sollen vor allem die spendablen Gäste aus den Golfstaaten bewogen werden, ihren Urlaub nicht vorzeitig abzubrechen.

Auch die Ägypter sind schon wieder zurück von der Nordküste, wo die große Mehrheit ihre Ferien verbringt. In diesem Jahr sind sie viel früher gefahren und viel weniger lang geblieben, denn der Ramadan ist eine festliche Zeit, die man traditionell zu Hause und im Kreise der Familie verbringt. Gefastet wird vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang. In dieser Zeit sind Essen, Trinken, Rauchen und Sex verboten.

Für die erste Woche des Ramadan versprechen die Meteorologen überdurchschnittlich heiße Tage und viel Feuchtigkeit. Im August klettert das Thermometer in Ägypten regelmäßig über die 40- Grad-Marke, in den Golfländern sind es 45 Grad und in Bagdad immer wieder 50 Grad. Da der Ramadan dem Mondkalender folgt, rückt der Beginn jedes Jahr um elf Tage nach vorn. Einen islamischen Fastenmonat im Zenit der Sommerhitze gab es deshalb letztmals vor über 30 Jahren.

"Ich kann mich noch erinnern, ich war damals noch ein Kind, und wir haben sogar in Luxor, wo es noch heißer ist, auf den Feldern gearbeitet. Das schlimmste werden die Verkehrsstaus am Nachmittag sein, wenn man da Stunden im brütend heißen Auto sitzt", sagt Ahmed, der sich den Auftakt des Fawanees-Festivals am Nil ansieht. "Es wird einige Tage dauern, bis der Durst erträglich wird. Zum Glück ist noch keine Schule. Ich werde viel schlafen", sagt Radwa voraus. Schon im letzten Jahr seien einige fastende Schüler zusammengebrochen, bemerkt eine Lehrerin.

Doppelt so viel Essen

Ärzte geben Tipps, wie man am besten durch den Tag kommt. Viel trinken in den dunklen Stunden, vor allem Wasser, und nur leicht essen. Ob sich das die Ägypter und Ägypterinnen in diesem Jahr zu Herzen nehmen? Im Fastenmonat verdoppelt sich der Konsum von Nahrungsmitteln regelmäßig. Zum Iftar, dem Mahl zum Fastenbrechen, und zum Sohour, dem Frühstück vor Sonnenaufgang, wird der Verzicht vom Tag mehr als nachgeholt.

Rechtsgelehrte in den Golfländern haben bereits verfügt, dass Arbeiter im Freien das Fasten abbrechen dürfen, wenn sie extremen Temperaturen ausgesetzt sind. Sie müssen es aber jeden Tag wieder versuchen. Auch Fußballspieler können eine Ausnahme machen, wenn ihre Leistung das erfordert.

Zum Ramadan in Ägypten gehören die bunten Laternen, die Fawanees sowie farbige Leuchtketten an Bäumen oder in Schaufenstern. In diesem Jahr haben die Behörden die Bevölkerung aufgerufen, die Ramadanlichter möglichst nicht einzuschalten. Es herrscht Stromknappheit. Die Rekordhitze hat einen Rekordverbrauch an Elektrizität nach sich gezogen, immer mehr Klimaanlagen laufen immer länger. Nach den Abendgebeten, bei denen im Koran gelesen wird - in diesem Jahr wahrscheinlich vor allem in klimatisierten Moscheen - sitzt die Familie gewöhnlich vor dem Fernseher. Die Freude an speziellen Ramadan-Serien könnte in den nächsten vier Wochen allerdings durch häufige Stromausfälle getrübt werden. (Astrid Frefel, DER STANDARD-Printausgabe, 12.08.2010)

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    Ein Mann geht an einem Berg "Mawa Toast" vorbei, den es in Südindien vergünstigt vor dem Ramadan gibt.

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