Eine geordnete Welt gerät ins Wanken

13. August 2010, 14:54
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    Setzt ein Tauschgeschäft mit ungeahnten Konsequenzen in Gang: die unergründliche Julianne Moore als Catherine in Atom Egoyans zwiespältigem Eifersuchtsdrama "Chloe"

Regisseur Atom Egoyan lässt die Hollywood-Stars Julianne Moore, Amanda Seyfried und Liam Neeson in seinem hintergründigen Beziehungsdrama "Chloe" gefährlich miteinander spielen

Wien - Die Welt, in der sich Catherine (Julianne Moore) bewegt, ist wohlgeordnet. Die Gynäkologin hat einen fast erwachsenen Sohn, ihre Ehe mit einem Literaturwissenschafter scheint harmonisch. Und trotzdem wirkt Catherine nicht nur hinter der Glasfront ihrer modernen Villa ein wenig abgetrennt vom Leben.

Catherine und die Irritationen, die an ihr nagen, stehen im Zentrum von "Chloe". Das jüngste Werk von Regisseur Atom Egoyan ist das kanadische Remake des französischen Thrillers "Nathalie" von Anne Fontaine aus dem Jahr 2003. Damals wurde zwischen Emmanuelle Béart, Fanny Ardant und Gérard Depardieu ein nur vermeintlich durchschaubares Beziehungsdreieck ausgelegt. Nun besetzen Hollywood-Jungstar Amanda Seyfried, Julianne Moore und Liam Neeson deren Positionen. Letztere spielen das gut situierte Akademikerpaar.

Deal mit Folgen

Nach einer missglückten Überraschungsparty verdächtigt Catherine ihren Ehemann des Betrugs und engagiert aus einem Impuls heraus ein Callgirl: Chloe (Seyfried) soll sich mit David (Neeson) bekanntmachen und Catherine anschließend darüber Bericht erstatten, wie weit ihr Mann sich daraufhin vorwagt.

Sehr schnell ist nicht mehr klar, wer hier wen verführt und aus welcher Motivation handelt. Die Pragmatikerin Catherine erklärt einmal einer verunsicherten Patientin, ein Orgasmus sei nur eine Muskelkontraktion - in den Begegnungen mit Chloe, der Profigeschichtenerzählerin, zeigt sich aber bald, welche unmittelbare Verbindung zwischen Worten, Vorstellungen und konkreten körperlichen Vorgängen besteht.

Das ist ein Zusammenhang, von dem nicht zuletzt die Geschichtenfabrik Kino profitiert. Dass solche Reflexionen durchschimmern, ist nicht das geringste Verdienst von Regisseur Egoyan. Der hat sich schließlich seit den 80er-Jahren vor allem als Spezialist für eigenwillige, doppelbödige Arbeiten einen Namen gemacht. Mit dem dicht gesponnenen Trauerbewältigungsdrama "Das süße Jenseits" gewann er 1997 den Großen Preis der Jury in Cannes.

Egoyans späteren Filmen fehlte es dann aber immer wieder an Kantigkeit und Biss, das Spiel mit Halbweltschauplätzen und -figuren geriet nicht selten zur Stilübung. Auch "Chloe" kippt leider immer wieder ins Klischee eines handelsüblichen, überspannten Erotikthrillers. Das kann das konzentriert agierende Ensemble nicht verhindern, und daran ist wohl auch die perfekte Ausstattung schuld: Die Kleider und Räume entfalten sinnliche Präsenz, allerdings in einem Ausmaß, das alles zu erdrücken droht. Das mag man als Bild für Catherines Problem interpretieren. Letztlich reduziert es "Chloe" auf modernes Ausstattungskino. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.8.2010)


Der Österreich-Kinostart von "Chloe" wurde gestrichen. Der Film erscheint Anfang Oktober auf DVD.

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17 Postings
marius sulla
11
12.8.2010, 14:30

Habe beide Versionen gesehen US-Version und das französische Original und wie so oft ist das Original um Welten besser. Wer kommt schon auch an Emmanuelle Beart und Fanny Ardant heran? :-)

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
12.8.2010, 13:52
Wann läuft/lief der Film und wo?

Wäre nett, wenn der Standard das schreiben könnte. Sonst muss man immer fragen.

Falls es jemand weiß, vielen Dank für die Antwort im Voraus!

Zarathustra
02
12.8.2010, 13:23

50 und noch immer scharf...

hed
20
12.8.2010, 14:35
na ja.

eigentlich seit eh udn je ein ziemliches klappergestell. aber ich kann den reiz der roten haare nachvollziehen ;-)))

Ausgeflippter Lodenfreak
02
12.8.2010, 13:17

Julianne Moore: auf der einen Seite The Hours, The Shipping News, A Single Man, The Big Lebowski, Boogie Nights, usw. und auf der anderen Nine Months, Hannibal und nicht zu vergessen Evolution ;-)))

an kog
00
12.8.2010, 15:22

Also Evolution ist wirklich gut. Vor allem ihre Rolle. Niemand kann so schön hinfallen:-)

Death 'n' Roll
00
12.8.2010, 12:25
Es gibt wohl nichts langweiligeres als "Beziehungsdramen".

qwert zuiop
00
12.8.2010, 10:46

Ah, jetzt hab ich es. Maude Lebowski!

Julian Bashir
00
12.8.2010, 11:06
Und Nancy Donovan in 30 Rock! <3

standardabweichung
00
12.8.2010, 09:59

wär doch cool ferry radax sonne halt als hollywood remake

regen bringt segen
08
12.8.2010, 09:25
sorry, aber...

... ein film mit julianne moore KANN nicht so schlecht sein!

muhme
00
12.8.2010, 10:46
ich mag die auch so gern,

eine tolle Schauspielerin und meistens sucht sie ihre rollen auch mit viel Gespür für Qualität aus!

die Resi-Tant Evil
00
12.8.2010, 08:13

"... Klischee eines handelsüblichen, überspannten Erotikthrillers. ..."

Fürwahr, der Film erinnert sehr an die Shannon Tweed Dutzendware oder könnte "Poison Ivy VIII" heißen, nur mit größerem Budget. Die ersten zwei Drittel wären sogar ansehbar, dann allerdings folgt ein traditionell tumbes Schmonzettenfinale.

franz liszt
22
11.8.2010, 18:57
das kann nicht...

...gut gehen. Jetzt das austauschbare Püppchen Seyfried und damals eine Emmanuelle Béart. Alleine schon daran muss es scheitern...

queenofsoup
00
16.8.2010, 12:42

ich muss widersprechen: amanda seyfried, die ich bisher für langweilig und seelenlos gehalten hab, ist hier ganz, ganz wunderbar, und nicht nur, weil sie nackt einfach sensationell schön ist. das problem des films ist vielmehr, dass er versucht, auf den eh schon nicht meisterlichen "nathalie"-originalthriller ein fürchterlich kitschig-übertriebenes finale draufzusetzen, das alldas ausspielt, was vorher nur angedeutet wurde. und das wirkt irgendwie sehr billig, eben nach spätabend-erotikthriller-massenwahre. schad um die superen schauspieler. man könnt natürlich einfach früher aus dem kino rausgehn...

Neuer Nick neues Glück
14
11.8.2010, 22:48

Es sollte sowieso verboten werden, französische Filme neu zu verfilmen.

das poppende lottchen
11
12.8.2010, 02:50
ach, es ist doch immer wieder lustig, wenn us-produzenten

viel geld zahlen, um europäische filme noch einmal, nur meistens deutlich schlechter zu drehen.
man könnte das für us-amerikanische borniertheit halten - aber das ist falsch. es gibt dort genügend filmfans, die europäische filme kennen und lieben. was sich etwa in hervorragenden dvds von criterion und anderen labels äußert. mit teils grandiosen extras, für die leider die franzosen zu borniert sind (deren dvds in der regel keine mehrsprachigen untertitel oder gar extras kennen). nur: der mainstream hält halt das multiplex-blockbuster-us-kino und deren macher oder stars für das einzig relevante. traurig.
übrigens: das original von anne fontaine fand ich nicht berauschend, sondern ziemlich schwach. béart mit versteinerter botox-miene! brrrr!

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