Das neue Ungarn

11. August 2010, 17:08

Es rollt eine beispiellose Umbesetzungswelle auf allen Ebenen an

Zum Abschluss der ersten Sitzungsperiode des neugewählten ungarischen Parlaments prahlte Ministerpräsident Viktor Orbán mit seinem Erfolg: In 56 Tagen habe man mehr getan als die sozialliberalen Regierungen in den letzten acht Jahren. Er hat recht: Mit der Zweidrittelmehrheit hat seine Fidesz-Partei die Weichen für ein völlig neues System gestellt. Die bei der Wende 1989/ 1990 eingebauten verfassungsmäßigen Bremsen der Exekutivmacht wurden laut dem Verfassungsjuristen Gábor Halmai bereits aus dem Weg geräumt.

Der willensstarke Stratege der Macht will schnell und unwiderruflich durch 58 Gesetzes- und Verfassungsänderungen Rahmenbedingungen schaffen, um den Fidesz zum alleinherrschenden Machtfaktor in jenem "zentralen politischen Kraftfeld" zu machen, in dem er für die "kommenden 15 bis 20 Jahre" ungehindert schalten und walten kann. Dieses strategische Ziel hatte sich Orbán bei einer geschlossenen Veranstaltung bereits im Herbst 2009 zum Ziel gesetzt.

Der potenziell wichtigste Parlamentsbeschluss war die Wahl des populären 68-jährigen Fidesz-Politikers und olympischen Medaillengewinners im Fechten, Pal Schmitt, zum Staatspräsidenten. Der einstige Vizesportminister unter dem Kadar-Regime und Fidesz-Listenführer bei der Europawahl ist bekannt als ein Mann des vorauseilenden Gehorsams. Der Staatspräsident nominiert den Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, den Obersten Staatsanwalt und die Ombudsmänner. Er kann - wie es sein Vorgänger László Sólyom es oft getan hatte - gegen Gesetze ein Veto einlegen und sie an das Parlament zurücksenden. Als Begleitmusik der neuen Zeit wurde allerdings praktisch der ganze juristische Stab aus dem Präsidialamt bereits entlassen. Ein neues Gesetz sorgt übrigens auch dafür, dass die Staatsbeamten jederzeit und ohne Begründung mit zweimonatiger Kündigungszeit entlassen werden können. Die Mitglieder des Verfassungsgerichtes werden nunmehr auch von der Regierung nominiert und vom Parlament gewählt. So hat Orbán den Politologen und Ex-Staatsminister István Stumpf ohne jegliche juristische Erfahrung zum Mitglied des Verfassungsgerichts befördert.

Es rollt eine beispiellose Umbesetzungswelle auf allen Ebenen an. Von der Armeespitze bis zum Katastrophenschutz, von der Lotterie zu den Staatsbahnen, vom Pferderennen zum Rechnungshof wurden Fidesz-Parteileute als Leiter eingesetzt. Der wichtigste Schritt ist die angestrebte totale Machtübernahme bei den staatlichen Medien. Eine einzige neue Superbehörde wird die TV- und Radiosender sowie die Nachrichtenagentur MTI finanziell und personell kontrollieren. Eine bekannte Fidesz-Medienexpertin wurde von Orbán soeben zur Chefin für neun Jahre (!) ernannt. Die geplante "Medienverfassung" nimmt wohl auch die privaten Medien ins Visier.

Die total diskreditierten Sozialisten bilden keine schlagkräftige Opposition. Durch die Gesetze über die doppelte Staatsbürgerschaft für die Auslandsungarn und über den Tag des Gedenkens an Trianon, durch den populären Widerstand gegen die internationalen Finanzinstitutionen hat Viktor Orbán der rechtsextremen Jobbik den Wind aus den Segeln genommen. Der Weg zum Ausbau seines "Systems der Nationalen Zusammenarbeit" ist frei. (Paul Lendvai/DER STANDARD, Printausgabe, 12.8.2010)

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Posting 1 bis 25 von 41
1 2
Alexander Patjomkin
21
23.9.2010, 13:44
Was Lendvai über Ungarn schreibt kanns du getrost vergessen.

Das istnicht anderes als eine narzistische Selbsdarstellung, er will sich als unangefochtener
"Ungarnexperte" aufspielen (dramatische Titeln,
Ungarnuntergangstheorien, göttliche Kundgebungen und Vorhersagen, und vor allem falsche Tatsachen)

nick melin
 
02
14.8.2010, 11:25
einer partei eine Zweidrittelmehrheit

zu geben ist pervers.
da kann nichts gutes dabei herauskommen
ich bezweifle das sich ungarns probleme mit sprücheklopfereien lösen lassen
aber die ungarn wollten das so

Käptn'
12
17.8.2010, 15:56

Die Kommunisten (MSZmP) hatten 40 Jahre lang 3/3 Mehrheit.

globetrottel
02
17.8.2010, 20:01

Und ist DABEI etwas Gutes herausgekommen ?

Na eben.

Ibsen
00
19.8.2010, 10:12
:-)

grazing snake
13
12.8.2010, 13:35
Die Sozialdemokraten waren keine.

Sondern Kommunisten die sich umbenannten.
Orbán ist kein Horthy, dafür versteht er zuwenig die Zeit von damals.
Ungarn kann erst eine westliche Demokratie werden wenn die Kommunisten - die gelernt hatten die westliche Demokratie zu hassen - schlicht und einfach in Pension sind.
Bis dahin gibt es leider eine autoritäre Verwaltung.

Erst wenn Menschen politisch aktiv sind diemmunismus nicht mehr kennen, sondern nur die Europäische Union, fängt die Demokratie in Ungarn an.

Der Kommunismus war Gift für alle, und Ungarn waren offensichtliche sensibler als Polen.

Käptn'
44
12.8.2010, 13:17
Lendvai "der Objektive" meldet sich wieder...

Hat eine Genosse aus Ungarn weinend angerufen?

Taji Soron
01
12.8.2010, 16:03
Schon mal bedacht,

dass ein Kommentar nie objektiv sein kann/will (da er die Meinung des Schreibers wiedergibt)? Ganz egal, ob einem das, was da geschrieben wird jetzt passt oder nicht.

Shylock
30
12.8.2010, 14:57
wenn dir der Autor nicht passt,....

...dann brauchst du den Artikel ja auch nicht zu lesen.
Und schon gar nicht zu kommentieren.

Käptn'
22
12.8.2010, 13:16
"beispiellose Umbesetzungswelle"

Das Selbe haben wir schon gesehen, als Horn (nach Antal) kam. Die Kommunisten von Horn haben sogar die TV-Moderatoren ausgewechselt...

Hotcoolt
20
29.8.2010, 10:29
zu Käpn'

Richtig, und wenn man bedenkt, wer u.a. Gyula Horn war, und alle bis Liba Gordon ! Pinocio Gyurcsany , der Büro Solotänzer , auch wegen seinen Lügen bekannt ,ob MSZP oder SZDSZ , alle waren im SB-Laden Parlament tätig ! Von 0 zum Millionär oder gar Milliardär , das haben fast alle geschafft ! Und Frau Lendvai (MSZP bis 1990 noch MSZMP ) Illdiko , führte den Dirigentenstab für die Pressearbeit ! Und was kommt jetzt , .....?

Fritz Wunderlich
00
11.10.2010, 13:39

was hat diese lendvai mit unserem genau zu tun??

selbst, wenn sie verwandt wären, hat das nichts zu sagen, oder sind sie noch in der sippenhaft tätig?
da sollten sie dann zuerst in der eigenen familie nachschau halten, hehe

zinn glaeckl
00
ja, und nur der orban-clan ist verarmt . . .

ein bisserl einäugig!

andreasmax
00
12.8.2010, 13:03
Wird uns auch blühen

wenn unsere Regierung sich nicht endlich zusammenreisst.

Karl Heiden
00
12.8.2010, 18:21
HC Strache

wird dann überall lauter geklonte HC's hinsetzen ...

Ava Tar
02
12.8.2010, 11:48
klingt bissl nach Schüssel 2000

die armen Ungarn

opti
22
12.8.2010, 11:11
ungarn, eine hoffnung für österreich

der rechte aufmarsch ist bei uns gerade noch aufgehalten worden, weil es und noch zu gut geht und das wahlvolk daher denk- und wählfaul ist. aber die rechten recken werden auch bei uns keine ruhe geben, nachdem schüssel sie angefüttert hat.

vielleicht geschieht in ungarn ja noch einiges abschreckendes vor unseren wahlen - ein kleine hoffnung

thefan
23
12.8.2010, 13:01

dort geschieht bereits genug Erschreckendes - allerdings berichtet bei uns keiner drüber. Aber es gibt zB Exekutionskommandos, die ganz gezielt Roma-Siedlungen überfallen.

Sandor Kocsis
02
13.8.2010, 10:06

Die Exekutionskommandos waren eines, und die Täter sitzen hinter Schloss und Riegel.

Das eine Kommando war eines zu viel, aber es gleich mit Übertreibungen die Situation noch schlimmer zu machen als sie schon ist, ist Boulevard.

FrostY Iceberg
01
12.8.2010, 09:52

Manche Ungarn streiten sich bei den Mistplätzen in Ostösterreicher um den Mist den die Österreicher wegschmeissen. Ich hab den Eindruck die Osteuropäer werden im Stich gelassen, vielleicht haben sie sich zu billig an den Westen verkauft?

Acht 1
 
18
11.8.2010, 20:41
"System.."

"System der nationalen Zusammenarbeit" die Horthy Zeit läßt grüßen.

worry1
511
11.8.2010, 18:41
Leider sind die Sozialisten in Ungarn genauso

dämlich und verbrecherisch wie bei uns.
Damit hat weder hier noch dort die Klasse der Arbeiter, Angestellten und Arbeitslosen eine Vertretung im Parlament.

-_-
50
12.8.2010, 08:14
selten haben ich

so einen Blödsinn gelesen, lernen Sie bitte österr. Geschichte, speziell von 1933-1945

omar chamra
19
11.8.2010, 19:55
Soll das bedeuten, dass Sie die Abschaffung einer liberalen Demokratie mit Gewaltenteilung rechtfertigen?

Fidesz ist ein völkische Partei, deren Chef es mit antikapitalistischer Rhetorik eine 2/3 Mehrheit im Parlament geschafft hat. Doch nach den Lokalwahlen werden wir wissen in welche Richtung Orban sein Land anführt, ob er und seine Berater es fertig bringen irgendein Wirtschaftsprogramm zu finden, oder ob sie das Land vollkommen ruinieren.

Drago+
00
11.8.2010, 23:58

Das meinte er/sie wahrscheinlich gar nicht, sondern dass die heutigen de-jure-Sozialdemokraten mitverantwortlich sind, das solche Leute letztendlich gewählt werden.

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