Superbakterien durch Schönheits-OP-Tourismus eingeschleppt

11. August 2010, 16:49
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NDM-1 macht Keime gegen die wichtigsten Antibiotika resistent - Wissenschafter fordert Überwachung

London - Wissenschafter warnen vor aus Indien stammenden neuen "Superbakterien", die resistent gegen die wichtigsten Antibiotika sind. Enterobakterien mit dem Resistenz-Gen "New Delhi metallo-β-lactamase 1" (NDM-1) bergen große Gefahr, "zu einem weltweiten Gesundheitsproblem zu werden", stellten Forscher der britischen Universität Cardiff in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung in der Fachzeitschrift "The Lancet" fest. Ursache der neuen Verbreitung ist der Tourismus in Sachen Schönheitsoperationen: Weil mehr und mehr Europäer und Amerikaner zu Schönheits-OPs nach Indien reisten, sei es wahrscheinlich, dass sich die Bakterien weiter ausbreiten.

Solcherart ausgestattete Bakterien seien resistent gegen praktisch alle Arten von Antibiotika, sagte der Wissenschafter Timothy Walsh dem britischen Sender BBC. Selbst sogenannte Carbapeneme, die als "Notnagel" eingesetzt werden, wenn sich eine Entzündung mit den herkömmlichen Antibiotika nicht eindämmen lässt, kämen nicht gegen die Keime an. "Wir haben die Antibiotika fast ausgeschöpft, nur zwei sind noch wirksam." Neue Antibiotika, die gegen die Superbakterien wirken könnten, werde es frühestens in zehn Jahren geben. "Können sich diese Entzündungen ohne geeignete Behandlung weiter ausbreiten, wird es sicherlich Todesfälle geben." Ein weltweiter Überwachungsmechanismus sei daher "unbedingt erforderlich".

Walsh hatte NDM-1 erstmals vergangenes Jahr in Bakterienproben entdeckt, die von einem schwedischen Patienten stammten, der zu einer Schönheitsoperation in Indien war. Seitdem wurden 70 weitere Fälle in zwei indischen Bundesstaaten sowie in Bangladesch und Pakistan gemeldet. Wie es im Leitartikel der Fachzeitschrift "Lancet" hieß, wurden solche Bakterien bisher bei Patienten in den Niederlanden, den Vereinigten Staaten, Kanada und Australien festgestellt, die sich in Indien hatten behandeln lassen. (APA/red)

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