Zweiklassengesellschaft

11. August 2010, 16:10
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Nach den überwundenen Schocks durch Finanzkrise und Rezession bietet Osteuropa neue Chancen. Für Anleger gilt es, die erheblichen länderspezifischen Unterschiede zu beachten

Um satte sechs Prozent ist die Konjunktur in den mittel-, ost- und südosteuropäischen Staaten im vergangenen Jahr eingebrochen. „Im Aufholprozess zum EU-Durchschnitt haben die Länder fast ein Jahrzehnt verloren", sagt Vasily Astrov, Osteuropa-Experte beim Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW). Doch allmählich erholen sich die Volkswirtschaften östlich und südöstlich unserer Grenzen von ihrem Schock. Eine aktuelle Studie des WIIW sagt für dieses Jahr einen Aufschwung von einem Prozent vorher. 2011 soll es mit der Konjunkturleistung um 2,5 Prozent nach oben gehen. Haupttriebfeder ist der Export ins „alte" Europa.
Für Anleger steht die Ampel für Osteuropa-Investments damit eigentlich auf grün. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn zwischen den einzelnen Ländern gibt es erhebliche Unterschiede.

Die südöstlich gelegenen Staaten wie Bulgarien und Rumänien leiden massiv unter der Nähe zum krisengeschüttelten Griechenland. Dementsprechend hat sich der SETX-Index, der Aktien aus fünf Ländern dieser Region vereint, zuletzt deutlich schlechter entwickelt als der CECE, der polnische, ungarische und tschechische Papiere beinhaltet (siehe Chart Seite 1). Aber auch hier ist Vorsicht angebracht: Ungarn hat sich durch den Abbruch der Kreditgespräche mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) ins Abseits manövriert. Ausländische Investoren haben zeitweise massiv Gelder aus dem Land abgezogen.
Da ungarische Aktien im CECE aber nur mit 10,4 Prozent gewichtet sind, können Anleger ein Engagement in dem bekanntesten Index für Osteuropa durchaus in Betracht ziehen. Einen interessanten Tracker (ISIN AT0000340500) hierzu hat die Raiffeisen Centrobank (RCB) im Angebot: Weil er vor dem 1. März 2004 emittiert und die Emission rechtzeitig geschlossen wurde, können die Wiener das Papier KESt-frei anbieten. Das bedeutet: Wenn Sie hier investieren und das Zertifikat länger als zwölf Monate halten, sind eventuelle Kursgewinne für Sie somit sogar komplett steuerfrei.

Auf unsere zweite Empfehlung trifft das leider nicht zu. Dennoch hat das Zertifikat auf den CECE Fundamental von der UniCredit Bank (ISIN DE000HV5CD61) das Zeug, den klassischen CECE langfristig zu schlagen. Grundsätzlich enthält das Auswahlbarometer die gleichen Titel wie der CECE, jedoch verfolgt das Gewichtungsverfahren einen analytischen Ansatz anhand der Kennzahlen Gesamtkapitalrendite, Bruttodividendenrendite sowie Kurs-Buchwert-Verhältnis. Ein vergleichbares Produkt auf den ATX Fundamental haben wir im Musterdepot (siehe Seite 7 und Ausgabe 04.2010).
Die Nase vorn haben nach Ansicht des WIIW Staaten mit einem hohen Industrieanteil und einem flexiblen Wechselkurs sowie große Länder - Eigenschaften, welche Polen allesamt mitbringt. Als einziges Land der EU hat die polnische Wirtschaft 2009 ohne Rezession überstanden. Im Gegenteil: Das Bruttoinlandsprodukt legte sogar um 1,7 Prozent zu. Für dieses Jahr sagen Experten ein Wachstum von 2,7 Prozent voraus. Polen profitiert stark von der Abwertung des Zloty. Dadurch wurden die Ausfuhren in die Eurozone billiger. Exportlastige Firmen wie der Bergbaukonzern KGHM und das Mineralöl- und Tankstellenunternehmen PKN Orlen gelten als Hauptprofiteure.

Einzeln sind polnische Aktien nur schwer zu bekommen. Zudem ist das Risiko ungleich höher als bei einem breit gestreuten Investment über eine Vielzahl von Einzeltiteln. Daher empfehlen wir Ihnen den Einstieg in das Land mittels eines Trackers auf den Polish Traded Index (PTX). Aktuell bietet die Commerzbank (ISIN DE0001369007) gemessen an der Geld-Brief-Spanne von 0,2 Prozent die günstigsten Konditionen. (Christian Scheid)

 

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