Maria Callas

Mit leerem Teller im Schlaraffenland

Julia Schilly, 11. August 2010, 16:51

"Maria Callas - La divina in cucina", ein Buch über die Lieblingsrezepte der Operngöttin - Selbst hat sie sich die Delikatessen nur selten gegönnt

Maria Callas. Oder einfach nur: Die Callas. Bei dem Namen fallen Bühnenpräsenz, einzigartige Stimme, glamoröse Auftritte in der High Society ein, mit denen sie zur Stilikone einer Generation wurde. Als Gourmet galt die magere Opernsängerin (1923-1977) freilich nicht. Zu Beginn ihrer Karriere wurde sie wegen ihrer "walkürenhaften" Figur noch verspottet, bis der Leidensdruck zu groß wurde und sie sich 1953/54 innerhalb eines Jahres 40 Kilo herunterhungerte.

Die Mittel dazu sollen dubios gewesen sein, es wird gemunkelt, dass die Callas auch nicht davor zurück schreckte einen Bandwurm zu schlucken und Hormone einzunehmen, die ihren Stoffwechsel stark beschleunigten. Ein gespaltener Charakter: Denn gleichzeitig war sie besessen von guter Küche. Das beweist ein Koffer voller Rezepte, der erst unlängst wiederentdeckt wurde. In dem Buch "Maria Callas - La divina in cucina" wird eine Auswahl ihrer Lieblingsspeisen vorgestellt, die sie sich selbst freilich verwehrte. Sie hielt bis zu ihrem Tod strenge Diät.

Um ihre Lust auf Essen zu sublimieren, sammelte sie Rezepte von Restaurants, schnitt sie aus Zeitungen aus, notierte sie selbst oder lies sie von ihrem Butler aufschreiben. Die Speisen stammten großteils aus der Nachkriegskultur und erscheinen verglichen mit heutigen Gourmet-Kunstwerken relativ einfach und bodenständig. Bewunderer von Maria Callas kommen jedoch voll auf ihre Rechnung. Tausende Bücher sind über die Legende bereits erschienen, doch die Erinnerungen des Herausgebers Bruno Tosi, ihrer Lebensbegleiter und Kolleginnen zeigen sie von einer neuen Seite, nahbarer und mit weniger Starallüren - als liebenswerte Privatperson, die sich für ihre Gäste auch gerne einmal in die Küche stellte und kochte.

"Wie eine Ziege"

Bruno Tosi malt ein einfühlsames Bild der disziplinierten Asketin, die selbst in gefeierten Gourmettempeln vor leerem Teller saß. "Sie nahm nur gegrilltes Fleisch zu sich und rohes Gemüse ohne Zutaten, weder Öl noch Salz, wie eine Ziege. Niemals trank sie Alkohol", werden die Erinnerungen ihres Ex-Mannes Giovanni Battista Meneghini im Buch wiedergegeben. Dadurch gelang es ihr, ihr Gewicht von 108 Kilogramm auf einen Taillienumfang von 59 Zentimetern zu reduzieren und zu halten.

Für ihr Publikum verwandelte sie sich in die Bühnengöttin und verzichtete auf die eigenen Wünsche und Gelüste. Sie war bekannt dafür, nur kleine Häppchen von den Tellern jener zu stehlen, die mit ihr speisten. Wenn ihr etwas besonders gut schmeckte, sammelte sie lieber. "Die Diäten, denen sich die Signora unterzog, waren erbarmungslos streng, und nur ganz selten gestattete sie sich eine Ausnahme", sagte ihre langjährige Haushälterin Elena Pozzan. Wenn sie sich doch etwas gönnte, aß sie mit einer unstillbaren Gier. In "Maria Callas, mia moglie" (Meine Frau Maria Callas) beschreibt Meneghini, der 29 Jahre ältere Geschäftsmann: "Sie war geradezu verrückt nach blutigem Fleisch: Die aß sie aus der Hand und riss mit den Zähnen das Fleisch vom Knochen wie eine Raubkatze."

Rezepte

Die Rezepte sind kurz, gut verständlich und verlieren sich nicht in Details. Spezialitäten der veronesischen, venezianischen, mailändischen und klassischen italienischen Küche stehen neben amerikanischen und griechischen Speisen. Das Spektrum der Kulinarik spiegelt die Reisen der vielbeschäftigen Künstlerin wider. Die beigefügte 70-minütige CD mit von der Callas gesungenen Arien und die zahlreichen Abbildungen privater Fotos der Diva machen das Nachkochen zu einem besonderen Erlebnis.

Bollito misto, Risotto mailänder Art oder Bigoli mit Entenragout: Auf den Fotos essen ihre Begleiter meist von reich gedeckten Tischen, Callas sitzt mit dünnen Ärmchen dazwischen und zupft an einem trockenen Toast. Die gesammelten Speisen sind fast durchgehend ziemlich kalorienreich und deftig. Viel Fleisch, Paniertes und geile Nachspeisen fanden sich im Koffer der Callas. Jakobsmuscheln und Austern dürfen im Kochbuch einer Diva natürlich auch nicht fehlen. Das Buch erinnert an Callas Leben: Ein gelungenes Gesamtkunstwerk, das schön anzusehen ist, aber nicht unbedingt zum Nachahmen einlädt. (derStandard.at, 30.08.2010)

Kommentar posten
13 Postings
Kontrahent1
00
31.8.2010, 11:18
Gegen manche 'Schönheitsideale' von heute,

besonders diese 'Supermodels' war Maria Callas fast vollschlank! 'Dünne Ärmchen' hatte sie wohl wirklich nicht, wie man auf den Fotos sehen kann und ihre Beine waren auch später recht kompakt.

jumpingjack flash
03
31.8.2010, 09:31
bitte

kochbücher von frauen die den anschein erwecken lustvoll zu essen.
also: mei liabste kuchl von jazz gitti, in den topf geschaut bei marianne sägebrecht oder geniessen mit tini kainrath

Hrundi V Bakshi
01
31.8.2010, 19:20

nicht zu vergessen: richtig kotzen mit stephanie werger

Misko
 
00
31.8.2010, 08:12
Also neu erschienen

ist dieses Buch definitiv nicht.
Ich hab's mir vor ca. zwei Jahren gekauft.

Abgesehen davon:
Sehr informativ, und die Rezepte durchaus nachkochbar.

Sepp Mösenlechner
00
31.8.2010, 11:54
ach sie sind der, der das buch gekauft hat!?

flattop
00
30.8.2010, 19:27
was bitte sind "geile Nachspeisen"?

Süffisant
01
31.8.2010, 16:31

für frauen: ein mohr im hemd!

Der Große von Gegenüber
01
31.8.2010, 12:22

a Schokohaserl vielleicht?

ignazius rummsfeld
00
31.8.2010, 11:18
"geil"

ist in diesem Fall ein etwas antiquierter Begriff für "fettig".

kiwi99
22
30.8.2010, 18:58
Warum sollte ich mir ein Kochbuch kaufen

... von einer Frau, die weder gerne gegessen, noch gerne gekocht hat? Hat man an ihr noch nicht genug verdient?

Serafina Pekkala
00
31.8.2010, 09:41
Warum nicht?

naja.. gekocht hat sie ja gerne, wie ich einer Doku entnehmen durfte.
Und jo mei...haben sie noch niemals Dinge von einem toten Künstler gekauft? Musik, Bücher, DVDs, etc.?
Ich schon, weil ich die Dinge eben haben wollte, mir war es einfach egal, wer daran verdient..

kiwi99
02
31.8.2010, 12:43

Ich bin eigentlich durch die Stimme der Callas auf die Oper aufmerksam geworden, besser gesagt durch ihre "Norma". Schöner und ergreifender gings nicht. Ich halte sie für das Beste, was die Opernbühne je erlebt hat. Für mich ist es auf der anderen Seite ein Zeichen, dass ein Star an der Grenze der Vermarktbarkeit steht, wenn dann ein Kochbuch erscheint, das macht mich auch ein wenig traurig, denn offensichtlich sind all ihre interessanten Facetten bereits veröffentlicht worden....

andreas lamers
 
26
30.8.2010, 17:37
was dabei gerne vergessen wird

callas eine leben in der willkuehr eines mannes der nur freude daran gehabt hat sie leiden zu sehen. und sie hat ihn umso mehr geliebt dafuer.
die frage ist hat sie das so stark gemacht oder hat ihre staerke sie dorthin getrieben.

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