Gutachter kritisierte Mahnwesen

11. August 2010, 15:45
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Fritz Kleiner: "Für mich kein Vier-Augen-Prinzip erkennbar" - Kritik an Vermittlung

Graz - Im Prozess um die Leasing-Affäre der Hypo-Steiermark hat Gutachter Fritz Kleiner am Mittwoch das Mahnwesen der Bank kritisiert. Die Landeshypothekenbank hatte für die Leasing-Geschäfte ursprünglich 225 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. "Für so etwas braucht man ein Risiko-Kontroll-System und einen Risk-Manager", so Kleiner. Dann ging er auch auf die oft vom angeklagten Ex-Geschäftsführer zitierte lockere Umgangsweise der Kroaten mit den Rückzahlungen ein. "Mag sein, dass die Zahlungsmoral im Osten nicht unseren Vorstellungen entspricht. Man muss auf diesem Markt dann vorsichtiger agieren", erklärte der Sachverständige.

Seiner Meinung nach haben die Leasing-Gesellschaften mit einem "schlechten Mahnprogramm" gearbeitet, denn sonst hätte vieles über den Computer automatisch laufen müssen. Doch jahrelang war nichts passiert, im Gegenteil, die Geschäfte wurden immer weiter ausgedehnt. Der ehemalige Geschäftsführer hatte immer wieder versucht, die Verluste als nur vorrübergehend und nicht so gravierend hinzustellen. Der Sachverständige war anderer Ansicht: "Die Verluste aus dem Leasing wurden nicht verkraftet. Sonst wären wir nicht da." Außerdem erklärte Kleiner, "für mich war kein Vier-Augen-Prinzip erkennbar und keine Kontrollgleichheit zwischen dem Geschäftsführer und dem Prokuristen."

Ex-Prokurist fällt aus

Kleiner hat nach eigenen Angaben seit 2006 am Gutachten gearbeitet. Verteidiger Harald Christandl interessierte die Honorarnote: "Ich will nur wissen, ob es über eine Million gekostet hat". Darauf Kleiner: "Leider nein".

Dem 23. Verhandlungstag drohte zunächst in der Früh ein rasches Ende, weil der angeklagte Ex-Prokurist wegen Krankheit nicht erschienen war. Richter Helmut Wlasak schied aber nach einigen Überlegungen das Verfahren gegen den Zweitbeschuldigten vorrübergehend aus, um nicht den ganzen Tag zu verlieren.

In dem Verfahren Im Grazer Straflandesgericht müssen sich zwei frühere Manager sich wegen Untreue vor einem Schöffensenat (Vorsitz: Helmut Wlasak) verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, riskante Leasing-Geschäfte betrieben und einen Schaden von 53,6 Mio. Euro verursacht zu haben.

Kleiner: Kritik an Vermittlung

Im Zuge seiner Gutachtenerörterung kritisierte der Sachverständige Fritz Kleiner auch Art und Weise, wie die sogenannten "Vermittler" eingesetzt wurden. Diese brachten nicht nur die Leasing-Kunden, sondern waren auch für das Eintreiben der Raten zuständig, was zuletzt immer schlechtere Ergebnisse brachte. Diese Doppelfunktion bezeichnete Kleiner als "unvereinbar".

Spätestens 2003 hätte mit den Vermittlern überhaupt Schluss sein müssen, meinte der Sachverständige. Tatsächlich aber wurde diese Praxis noch jahrelang weiter betrieben. Bisher ist erst einer dieser Vermittler als Zeuge erschienen, die anderen haben sich entschuldigt und sollen erneut geladen.

Kleiner kam immer wieder auf das mangelhafte Mahnwesen zu sprechen, so habe seiner Meinung nach eine automatische Überwachung der Rückstände gefehlt. Außerdem schilderte er, dass sich auf den Leasingverträgen handschriftliche Anmerkungen des Ex-Geschäftsführers gefunden hätten. Obwohl bereits zahlreiche Raten nicht bezahlt waren, stand da beispielsweise "laufen lassen". Seit der Innenrevision 2001 gab es laut Kleiner Hinweise darauf, dass in manchen Bereichen ein Handlungsbedarf gewesen wäre. Tatsächlich passiert ist aber erst Ende 2004 mit der Installierung eines zweiten Geschäftsführers etwas.

Der Gutachter zeigte auch anhand von einigen Beispielen, dass er im Zuge seiner Arbeit auf seltsame Rechnungen und Verträge gestoßen war. So gab es beispielsweise Rechnungen mit ähnlichem Schriftzug, manche Geschäftsberichte waren fast völlig ident, Firmennamen wie "Cincilla" oder "Yeti" erschienen ihm zumindest fragwürdig. Wie auch die Tatsache, dass laut einem der Verträge die Firma Volvo direkt ein Auto nach Kroatien verkauft haben soll, quasi ab Werk ohne jeden Zwischenhändler.

Bei all diesen Leasinggeschäften kam es letztlich zu rund 200 Mio. Euro Rückständen, die die Muttergesellschaft, die Landes-Hypothekenbank Steiermark, gefährdeten, so Kleiner. (APA)

 

 

 

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