Keine Angst vor Geld: Es macht nicht krank

15. August 2010, 18:21
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Banknoten und Münzen kein gutes Milieu für Mikroben - je reicher ein Land, desto sauberer seine Scheine

Wageningen - Für Aufsehen sorgten in den vergangenen Jahren einige Studien, in denen festgestellt wurde, wie erstaunlich verbreitet mit Kokainspuren kontaminierte Geldscheine in den westlichen Ländern sind. Aber wie sieht es mit Krankheitserregern aus? Forscher der niederländischen Universität Wageningen haben dazu eine internationale Vergleichsstudie durchgeführt. Die darin festgestellten Tendenzen enthalten kaum Überraschungen, aber immerhin eine positive Erkenntnis: Krankmacher ist Papiergeld in aller Regel keiner.

Einfacher Zusammenhang

Die Forscher verglichen 1.280 Banknoten aus Australien, Burkina Faso, China, Irland, Mexiko, den Niederlanden, Neuseeland, Nigeria, Großbritannien und den USA. Ergebnis: Die gefundene Anzahl von Mikroorganismen pro Quadratzentimeter stimmte mit der Reihung des Landes im Index of Economic Freedom überein.Kurz gesagt: Je reicher ein Land ist, desto hygienischer sind auch seine Geldscheine. Der simple Hauptgrund dafür liegt in der Häufigkeit, mit der ältere Scheine in den einzelnen Ländern aus dem Verker gezogen werden.

"Jene Länder, die weiter hinten gelistet waren, hatten in der Regel ältere Geldscheine im Umlauf als jene an den vorderen Plätzen", erklärt Studienleiter Rijkelt Beumer. Ältere Geldscheine hatten in der Regel mehr Keime, da sich in den Papierfalten Schmutz und damit auch Krankheitserreger befanden. "Etwa in den Niederlanden werden Geldscheine nach sechs bis sieben Zirkulationen wieder ausgetauscht, da sie sonst allmählich untauglich für Geldautomaten werden."

Materialfrage

Auch das Material, aus dem Banknoten gemacht werden, spielt eine Rolle. Als erstes Land führte Australien 1988 Polymer-Geldscheine aus BOPP ein, die von der University of Melbourne gemeinsam mit der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) entwickelt wurden. Sie sollten vor allem die Haltbarkeit erhöhen und Geldfälschern die Arbeit erschweren. "Die Polymer-Scheine weisen jedoch auch deutlich niedrigere Mengen von Mikroorganismen auf als solche auf Baumwoll-Papierbasis wie etwa der Euro oder der US-Dollar", so der Mikrobiologe.

Anfang der 1980er Jahre startete auch Tyvek/DuPont mit der Produktion der ersten Kunststoffscheine aus Polyethylen-Fasern für die American Bank Note Company. Sie hielten den hohen Anforderungen jedoch nicht Stand, weshalb die Produktion eingestellt wurde. Nun treten die BOPP-Polymer-Scheine einen langsamen Siegeszug an.

Keine Gesundheitsgefahr

Alarmierend waren die Mikroorganismen-Konzentrationen allerdings auf keinem der untersuchten Geldscheine. "Selbst in den ärmsten Ländern konnten wir keine gefährlichen Keime auf den Banknoten ausmachen", erklärt Beumer. Die meisten der Keime sind gram-negativ und brauchen feuchtes Milieu. Selbst wenn ein Geldschein auf einem Markt solche Keime an seiner Oberfläche hat, sterben diese spätestens dann, wenn die Banknoten wieder trocken sind.

Die niederländischen Forscher haben auch Münzen untersucht und fanden dort noch weniger Mikroorganismen. "Das hat zwei Gründe. Die glatte Oberfläche lässt Keime nicht haften. Der andere Grund ist, dass viele Münzen Kupfer enthalten und Kupferionen die Membrane von Mikrorganismen zerstören", so der niederländische Forscher. (pte/red)

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