Das Kreuz mit dem Kaczynski-Kreuz

12. August 2010, 19:40
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Konservative Katholiken kritisieren Kundgebung gegen umstrittene Gedenkstätte vor dem Präsidentenpalast

Die Auseinandersetzungen um das umstrittene hölzerne Gedenkkreuz für den bei einem Flugzeugsabsturz ums Leben gekommenen polnischen Ex-Präsidenten Lech Kaczynski lassen nicht nach. Nachdem in der Nacht auf Dienstag tausende Jugendliche für die Entfernung des Kreuzes vor dem Präsidentenpalast in Warschau demonstriert hatten, erschien am Abend Kaczynskis Zwillingsbruder Jaroslaw an der improvisierten Gedenkstätte, um Blumen niederzulegen.

Jaroslaw Kaczynski, Parteichef der oppositionellen PiS ("Recht und Gerechtigkeit") und Verlierer der Präsidentenwahl, hatte sich in den vergangenen Monaten betont gemäßigt gegeben und so mit 47 Prozent der Stimmen einen Achtungserfolg erzielt. Nun tritt er aber wieder gewohnt kämpferisch auf: Er sagte, der Wahlsieg seines Gegners Bronislaw Komorowski sei "auf ein Missverständnis" zurückzuführen, und die Angelobung des neuen Präsidenten boykottierte er.

Kirche gespalten

Während die Pfadfindergruppe, die das Gedenkkreuz vor dem Palast aufgestellt hatte, und Vertreter der Diözese Warschau sich dafür ausgesprochen haben, das Holzkreuz in der naheliegenden St.-Anna-Kirche aufzustellen, mobilisiert Pater Tadeusz Rydzyks ultrakonservatives "Radio Maryja": Es sei jetzt Zeit, nach Warschau zu reisen, um das Kreuz zu verteidigen. Moderatere Kirchenkreise haben den Missbrauch religiöser Symbole für politische Zwecke verurteilt. Auch die Meinungsforscher haben mit dem Kreuz ihre Probleme: eine aktuelle Umfrage stellte 71 Prozent Zustimmung zum Abtransport fest, eine andere 57 Prozent Ablehnung.

Mittlerweile klagen Polizisten bereits über die zahlreichen Überstunden, die sie wegen der Kreuzaffäre leisten müssen. Allein in der Nacht auf Dienstag waren 700 Beamte im Einsatz, um Kreuzgegner- und -befürworter auseinanderzuhalten. Vor allem das Warschauer Derby Legia gegen Polonia am Freitag bereitet den Einsatzleitern Sorgen: Falls es dort zu Ausschreitungen kommt und gleichzeitig eine Demonstration stattfindet, hoffe man, dass "die Sicherheitslage in der Hauptstadt dadurch nicht beeinträchtigt werde", sagte Polizeisprecher Maciej Karczynski.

Teddybär gekreuzigt

In der polnischen Info-Illustrierten "Super Express" schimpft derweil Fernsehmoderator Jan Pospiech über die Anti-Kreuz-Aktivisten: Er habe auf der Demo gesehen, wie Betrunkene eine Plüschente in Fetzen gerissen hätten. Der Name "Kaczynski" leitet sich von "Kaczka" - polnisch für "Ente" - ab. Außerdem habe er zusehen müssen, wie ein Teddybär gekreuzigt wurde, und viele Demonstranten hätten "Lech"-Bierdosen in die Kameras gehalten. (bed/derStandard.at)

 

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    Plüschente auf der Demo gegen das Holzkreuz: ob es genau dieses Stofftier ist, das später zerfetzt wurde, ist nicht bekannt.

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    Noch eine Plüschente

  • "Vorsicht! Kreuzverteidiger"
    foto: epa/radek pietruszka

    "Vorsicht! Kreuzverteidiger"

  • Jaroslaw Kaczynski an der Gedenkstätte. Auf dem Schild steht "Polen, erwache!!!"
    foto: epa/jacek turcyk

    Jaroslaw Kaczynski an der Gedenkstätte. Auf dem Schild steht "Polen, erwache!!!"

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