General Motors kommt wieder in Fahrt

12. August 2010, 12:17
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Deutlicher Gewinnzuwachs für das zweite Quartal erwartet - Konzern will noch heuer zurück an die Börse

New York/Detroit - Der verstaatlichte US-Autobauer General Motors (GM) kommt langsam wieder in Fahrt: Nach Angaben aus Kreisen wird die Opel-Mutter am Donnerstag für das zweite Quartal einen deutlichen Gewinnzuwachs gegenüber dem ersten Vierteljahr ausweisen. GM wolle den Geschäftsbericht dazu nutzen, um bei Investoren für eine rasche Rückkehr an den Kapitalmarkt zu werben, sagten zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Zudem solle der Politik signalisiert werden, dass das Unternehmen seine Schulden beim Steuerzahler begleichen werde. Eine Sprecherin des Konzerns lehnte eine Stellungnahme ab.

Schon in der vergangenen Woche hatte GM-Chef Ed Whitacre angekündigt, dass der Geschäftsbericht für das zweite Quartal die Investoren überraschen werde: "Es wird beeindruckend!" Im ersten Vierteljahr hatte GM einen Gewinn von 865 Mio. Dollar (659 Mio. Euro) eingefahren. Es war der erste Quartalsgewinn seit 2007. Im laufenden Quartal dürfte auch GM davon profitiert haben, dass die US-Absatzzahlen im Vergleich zum Vorquartal um 27 Prozent angezogen waren.

Seit einer milliardenschweren Rettungsaktion durch die US-Regierung befindet sich General Motors zu 61 Prozent in staatlicher Hand. Im vergangenen Sommer durchlief GM unter staatlicher Lenkung ein Insolvenzverfahren. Nach Angaben aus Kreisen will die Konzernführung nun aber noch in diesem Jahr zurück an den Kapitalmarkt. Ein erfolgreicher Börsengang von GM wäre ein bedeutender Sieg für US-Präsident Barack Obama, der von der Opposition für die staatliche Rettung des Traditionsunternehmens kritisiert worden war.

Hürde genommen

 

Für die Rückkehr an den Kapitalmarkt nahm der einst weltgrößte Autohersteller am Mittwochabend eine wichtige Hürde: GM einigte sich mit Großbanken auf eine Kreditlinie über fünf Mrd. Dollar (3,84 Mrd. Euro). Damit soll den Investoren an der Wall Street Sicherheit über die Finanzlage des Konzerns gegeben werden. Bereits am Freitag wolle GM nun die Unterlagen für den eventuell bis zu 20 Mrd. Dollar schweren Börsengang bei den Aufsichtsbehörden einreichen.

Wenn dem Traditionskonzern die Rückkehr auf den Kurszettel gelingt, wäre dies einer der größten Börsengänge aller Zeiten. Mit dem Schritt wird die US-Regierung vom Groß- zum Minderheitsaktionär. Die USA hatten den Konzern 2009 mit rund 50 Mrd. Dollar vor dem Aus gerettet. Seither hält der Staat knapp 61 Prozent. Ein Jahr nach der erfolgreich überstandenen Insolvenz hat GM sein Händlernetz um ein Viertel zusammengestrichen. Zudem wurde die Zahl der US-Marken halbiert - nur Chevrolet, GMC, Buick und Cadillac blieben. In Europa blieb nach monatelanger Hängepartie auch Opel bei GM. Dank der Rosskur, die mit Fabrikschließungen und dem Abbau Tausender Arbeitsplätze verbunden war, gelang dem Konzern die Rückkehr in die Gewinnzone. Kreisen zufolge war auch das zweite Quartal profitabel - die Zahlen wurden am Nachmittag erwartet.

GM wäre der zweite Mega-Börsengang in diesem Jahr, nachdem in der Finanzkrise praktisch kein Unternehmen einen solchen Schritt gewagt hatte. Vor Kurzem hat die chinesische AgBank bei ihrem IPO bereits rund 20 Mrd. Dollar eingenommen. In China steht schon der nächste Kandidat in den Startlöchern: Der US-Versicherer AIG will mit der Platzierung seines Asien-Geschäfts AIA in Hongkong im vierten Quartal rund 15 Mrd. Dollar erlösen. (APA/Reuters)

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