Diskonter haben Plafond fast erreicht

11. August 2010, 12:37
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Hofer, Lidl und Penny legten 2009 "nur" noch um drei Prozent zu, zweistellige Zuwachsraten sind Geschichte

Wien - Die Zeiten, in denen Lebensmitteldiskonter Wachstumsraten zwischen neun und elf Prozent erzielten, sind vorbei. 2009 haben Hofer, Lidl und Penny "nur" noch um drei Prozent zugelegt, die übrigen Lebensmittelhändler sind im vergangenen Jahr um 1,1 Prozent gewachsen. Michael Oberweger, Consulting-Leiter von RegioPlan, sieht den Plafond nahezu erreicht, zumal die Diskonter hierzulande bereits auf einen Marktanteil von knapp über 28 Prozent kommen. "In westeuropäischen Märkten erzielen Diskonter insgesamt Marktanteile von maximal 30 bis 35 Prozent", so Oberweger.

"Jeder Marktanteilspunkt wird für die Händler immer teurer", meinte Handelsverband-Präsident Stephan Mayer-Heinisch. In Deutschland sei es noch viel ärger, dort stockt das Wachstum, die Sättigung ist erreicht. Die deutschen Lebensmitteldiskonter haben heuer bereits sieben Rabattwellen hinter sich gebracht. "Aktionen sind die Waffe der Diskonter", so Mayer-Heinisch. Starke Konkurrenz bekommen sie von den klassischen Supermärkten, die ihrerseits mit Aktionen und preiswerten Eigenmarken wie clever (Billa) oder S-Budget (Spar) locken.

Senioren-Tag bei Zielpunkt

Zielpunkt hat den Mittwoch zum Senioren-Tag erkoren und gewährt jedem, der vor 1950 geboren ist, einen Preisnachlass von 10 Prozent auf den gesamten Einkauf. Auch Merkur belebt die eher schwache Wochenmitte mit 25 Prozent Rabatt auf bestimmte Warengruppen und bietet Aktionen für "Friends of Merkur"-Kunden an. Billa wechselt 14-tägig die Angebote, hat rund 300 dauerhaft preisgesenkte Artikel für Vorteils-Club-Mitglieder in petto und bietet ebenfalls tageweise minus 10 Prozent auf alle Einkäufe. Spar ändert laufend seine Gutscheinhefte und lockt mit Spar-Tagen, an denen ausgewählte Produkte günstiger sind.

Der Anteil der Produkte, der zu Aktionspreisen verkauft wird, liegt im Lebensmittelhandel bereits bei knapp einem Drittel. Eine übertriebene "Aktionitis" bemerkt Mayer-Heinisch aber nicht. "Werden Aktionen richtig gemacht, sind sie kaufmotivierend. Preisnachlässe können ein Geschäft unglaublich beleben, können aber auch zu einer Droge werden, von der man nicht mehr runterkommt", so der Handelsverband-Präsident. Gewöhnt sich ein Kunde einmal an Aktionen, verärgert man ihn, wenn es sie plötzlich nicht mehr gibt.

Mischkalkulationen im Lebensmittelhandel

Im Lebensmittelhandel sind Mischkalkulationen üblich, das heißt, bestimmte Produkte werden mit etwas mehr, andere mit etwas weniger Spanne angeboten. Generell ist die Gewinn-Marge aber gering und liegt im niedrigen einstelligen Prozentbereich. 2009 haben Österreichs Lebensmitteleinzelhändler 17,2 Mrd. Euro umgesetzt, um 1,6 Prozent mehr als im Jahr davor. "Der Handel hat das Krisenjahr 2009 vernünftig über die Bühne gebracht", meinte Mayer-Heinisch. 2008 hat das Wachstum inflationsbedingt noch 4,1 Prozent betragen. Für heuer wird ein Zuwachs von 1,8 Prozent erwartet.

Nach expansiven Jahren ist die Verkaufsfläche im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen (-0,4 Prozent). Mit 2,98 Millionen Quadratmeter ist die gesamte Fläche im heimischen Lebensmitteleinzelhandel knapp größer als die Fläche des 1. Bezirks in Wien. Der Abbau unprofitabler Standorte wurde bereits 2008 begonnen, einerseits im Zuge der Adeg-Übernahme durch Rewe und der Restrukturierung im Hause Zielpunkt/Plus, anderseits durch vereinzelte Optimierungen auch bei anderen Handelsunternehmen. Da eine Flächenexpansion kaum noch möglich ist, bedürfe es großer Anstrengungen, einen natürlichen Zuwachs zu erzielen, so Oberweger von RegioPlan.

Preissteigerungen oder Geplänkel

Die in wenigen Wochen startenden Verhandlungsrunden zwischen den Lebensmittelerzeugern und dem Handel werden mit Spannung erwartet. Für Konsumenten könnte der Einkauf nämlich bald teurer werden. Die Bäcker haben bereits um bis zu 7 Prozent teurere Backwaren ab Herbst angekündigt. Auch an einer Preiserhöhung bei Mehl und Mischfutter führt kein Weg vorbei, Experten rechnen bei Mehl mit Verteuerungen um 25 Prozent oder gar noch mehr. Seitens des Handels hält man sich hinsichtlich Preiserhöhungen bedeckt, laut Spar-Sprecherin Nicole Berkmann gehören die Gerüchte über baldige Preissteigerungen im Lebensmittelhandel zum "üblichen Geplänkel" um diese Jahreszeit, wie sie gestern, Dienstag, gegenüber der Tageszeitung "Österreich" betonte.

Über die anstehenden Lohnverhandlungen gebe es derzeit noch keine Signale von der Gewerkschaft, sagte Mayer-Heinisch. Eine "Hurrastimmung" wie vor zwei Jahren werde es aber wohl nicht geben, vermutet er.(APA)

 

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