Die Al Kaida zahlt besser

11. August 2010, 14:18
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Pro-amerikanische Milizen wechseln wieder auf die Seite der Aufständischen - Der Grund: Die Entlohnung ist besser

Ende des Monats wollen die USA ihre Kampftruppen aus dem Irak abziehen. Das entstehende Machtvakuum nutzt der Al Kaida, die derzeit damit beginnt US-freundlichen Milizen bessere Bezahlung anzubieten. Einzige Bedingung: Sie müssen die Seite wechseln - zur Al Kaida.

Das berichtet die britische Tageszeitung Guardian. Gemeint ist das Awakening Council, auch bekannt unter dem Namen "Sons of Iraq": Ein Zusammenschluss einiger Milizen, die sich gegen die Al Kaida wendeten. Die US-Armee nahm die Gruppe unter ihre Fittiche und bezahlte jedem Mitglied monatlich 300 Dollar für die Unterstützung im Kampf gegen die Al Kaida. Seit Ende 2008 ist die irakische Regierung für die "Sons of Iraq" verantwortlich.

Jetzt scheint die Erfolgsgeschichte erste Risse zu bekommen. Es gibt Beschwerden über verspätete Zahlungen und die Mitglieder waren wiederholt Ziel von Al Kaida Angriffen.

"Einer nach dem anderen abgeschlachtet"

Zwei langjährige Mitglieder des Awakening Council berichten dem Guardian über die Abwerbeversuche der Al Kaida. Der 25-jährige Mohammed al-Jumeili erzählt: "Mein Gehalt ist sehr niedrig, ungefähr 300 Dollar im Monat und manchmal sind sie zwei Monate im Rückstand." Bei einem Besuch in einem Kaffee sei er von zwei Leuten aus seiner Region angesprochen worden. "Sie sagten: Du weißt, das Experiment der "Sons of Iraq" ist gescheitert und sie werden einer nach dem anderen abgeschlachtet werden. Wenn du für uns arbeitest, werden wir dich unterstützen. Wir zahlen ein gutes Gehalt und du kannst an jeder Operation, die du willst, teilnehmen. Für alle Aktionen, die die Amerikaner oder die irakischen Truppen schwächen, wirst du zusätzlich bezahlt." Al-Jumeili sagt, er würde sich das Angebot überlegen. Hauptsächlich weil er Konsequenzen fürchtet, wenn er es nicht tut.

Der für das Awakening Council zuständige Direktor in der nationalen Aussöhnungs-Kommission, Zuheir Chalabi, hält die Befürchtungen für übertrieben. Dem Guardian sagt er: "Ich glaube dieses Thema wird von Leuten, die gegen die Regierung sind, künstlich erzeugt. Wir haben keine Hinweise darauf, das Mitglieder der Sons of Iraq die Fronten wechseln. Laut unseren Zahlen sind von 1000 Mitgliedern nur ungefähr vier übergelaufen." (mka, derStandard.at, 11.8.2010)

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    Kämpfer der Sons of Iraq auf einer Archivaufnahme aus dem Jahr 2008.

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