Blei kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen

11. August 2010, 12:01
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Forscherteam der MedUni Wien beschrieb Wirkung schon geringer Mengen auf Blutgefäßwände

Wien - Das giftige Metall Blei ist ein ernstzunehmender Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen: Ein Forscherteam der MedUni Wien hat herausgefunden, dass schon geringe Bleiwerte im Blutserum, die deutlich unter den geltenden Richtwerten liegen, zu Veränderungen der Blutgefäßwände führen. Die Ärzte sprechen von Vorstufen der Atherosklerose. Die Arbeit wurde im renommierten Fachmagazin ATVB (Arteriosclerosis, Thrombosis, and Vascular Biology) veröffentlicht.

Herzkreislauferkrankungen sind die führende Todesursache weltweit und machen in Österreich mehr als die Hälfte der Sterbefälle aus. Viele potenzielle Verursacher sind beschrieben, aber schätzungsweise bis zu einem Viertel aller Herzkreislauferkrankungen können durch die bekannten Risikofaktoren nicht erklärt werden.

Risikofaktor Blei

Eine Arbeitsgruppe um David Bernhard sucht seit mehreren Jahren an der Universitätsklinik für Chirurgie (Chirurgische Forschungslaboratorien, Abteilung Herzchirurgie) nach bisher unbekannten Auslösern. Die Medizinerin Iris Zeller hat nun in einer Humanstudie mit jungen Probanden Blei als einen solchen Risikofaktor identifiziert.

Nachdem Blei in die Blutbahn gelangt ist und von Endothelzellen (erste, dem Blutstrom zugewandte Zellschicht) aufgenommen wurde, aktiviert es den Transkriptionsfaktor Nrf2. Das führt zur Synthese von Interleukin-8 (IL-8), das von Endothelzellen freigesetzt wird. IL-8 stimuliert wiederum die Wanderung von glatten Muskelzellen aus einer tiefer liegenden Schicht der Blutgefäßwand in die erste Schicht. Dort führt es zur Verdickung und bewirkt einen Umbau. Dieser Vorgang ist laut den Forschern der erste Schritt zur Entstehung der Atherosklerose.

Das Schwermetall nimmt Rang zwei unter den gefährlichsten Substanzen ein. Trotzdem findet sich Blei nach wie vor in Industrieabgasen durch Kohleverbrennung, in Wasserleitungsrohren älterer Gebäude, in Lacken, Farben usw.

Angesichts der weiten Verbreitung betonte Studienautor Bernhard die Wichtigkeit der Ergebnisse: "Basierend auf dieser Studie sollte die Exposition mit Blei als Risikofaktor für Herzkreislauferkrankungen auch bei geringen Konzentrationen des Metalls neu bewertet werden." (APA)

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