Palfinger zieht es nach Russland

11. August 2010, 14:06
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Der Kranhersteller kehrt vorsichtig optimistisch zurück in die Gewinnzone und will in Russland zukaufen

Wien - Der börsenotierte Salzburger Kranhersteller Palfinger hat nach der "dramatischen Zeit 2008/2009" im ersten Halbjahr 2010 wieder schwarze Zahlen geschrieben, ist aber vor allem in seinen Kernbereichen noch weit weg vom Vorkrisenniveau. Für die Zukunft bleibt Unternehmenschef Herbert Ortner trotz steigender Nachfrage und optimistischer Grundstimmung vorsichtig, wie er bei der Halbjahrespressekonferenz sagte. Für heuer erwartet Palfinger ein organisches Umsatzwachstum von 15 Prozent. Schwerpunkt bleibt die Expansion ins Ausland. Nach Zukäufen in den USA und in den Niederlanden sollen es nun in den Osten gehen. In Russland will Palfinger möglichst bald ein mittelgroßes Unternehmen schlucken.

Im ersten Halbjahr 2010 hat Palfinger seinen Umsatz um 10,5 Prozent auf 297,4 Mio. Euro gesteigert. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sieg von 5,1 auf 23,9 Mio. Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) drehte auf 13,5 Mio. Euro ins Plus, im ersten Halbjahr 2009 hatte Palfinger noch einen Verlust von 5,9 Mio. Euro geschrieben. Das sei insbesondere auf die Kostensenkung zurückzuführen. "Wir haben das Fixkostenniveau um über 30 Millionen gesenkt", sagte Ortner. Das Ergebnis vor Ertragssteuern belief sich auf 11,9 (-8,5) Mio. Euro, das Konzernergebnis auf 7,3 (-8,0) Mio. Euro. Die Ebit-Marge war mit 4,5 Prozent wieder positiv (1. HJ 2009: -2,2 Prozent), jedoch noch weit unter jener des ersten Halbjahres 2008 (14,0 Prozent). Die Investitionen in Sachanlagen bewegen sich mit 3,9 (3,8) Mio. Euro noch auf einem "relativ moderaten Niveau", sagte Finanzchef Christoph Kaml.

Im - aufgrund der vielen Arbeitstage traditionell starken - zweiten Quartal stieg der Umsatz um 29,8 Prozent auf 168,0 Mio. Euro, das Ebit hat sich auf 10,1 Mio. Euro fast verdreifacht. Die Ebit-Marge verbesserte sich von 2,7 Prozent im ersten Quartal 2010 auf 6,0 Prozent.

Nord- und Südamerika sorgen für mehr Umsatz

Zur Umsatzsteigerung im ersten Halbjahr trugen vor allem die Region Nord- und insbesondere Südamerika bei. Geholfen hat Palfinger auch die Stärkung der brasilianischen Währung Real gegenüber dem Euro, wie es im Halbjahresfinanzbericht heißt. In den europäischen Märkten hat sich zwar das Krangeschäft erholt, in den Bereichen Hubarbeitsbühnen und Hakengeräte gab es aber deutlich Rückgänge. Die gute Entwicklung des zweiten Quartals ist unter anderem auf die erstmalige Einbeziehung des US-amerikanischen Lkw-Hubarbeitsbühnenherstellers ETI zurückzuführen, bei dem Palfinger Anfang des Jahres zu 80 Prozent eingestiegen ist.

Das Segement "European Units" ist im ersten Halbjahr nur leicht auf 225,4 (222,1) Mio. Euro gewachsen, das Segmentsergebnis verbesserte wegen der besseren Kranauslastung von 2,8 auf 24,5 Mio. Euro. "Sehr gut" sei die Situation in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten sowie Skandinavien. Spanien, Irland, Großbritannien, Griechenland sowie einige osteuropäische Länder allerdings seien "Märkte, die am Boden liegen".

Im Bereich "Area Units" wurde zwar der Segmentsverlust auf -6,5 (-5,5) Mio. Euro ausgeweitet, der Umsatz ist allerdings um 52,8 Prozent auf 72,0 Mio. Euro hochgeschnellt, wodurch sich der Anteil der Regionen außerhalb Europas am Konzernumsatz von 17,5 Prozent im ersten Halbjahr 2009 auf aktuell 24,2 Prozent erhöhte. Im zweiten Quartal hat sich der Verlust dann auf -2,7 Mio. Euro verringert. "Wir sind zuversichtlich, dass wie den Break Even im vierten Quartal erreichen werden", meinte Ortner.

Das Segment "Ventures", das "strategische Zukunftsprojekte" bis zur operativen Reife beinhaltet, brachte "nur Kosten und kaum Umsatz", so Ortner. Der Segmentsverlust hat sich von 1,5 Mio. auf 3,4 Mio. Euro vergrößert.

Keine Euphorie

Für die Zukunft ist Kaml zwar optimistisch, will aber "keine große Euphorie aufkommen lassen". Die Märkte seien noch sehr volatil, die Aufträge kämen immer kurzfristiger herein, so Ortner. Für das Gesamtjahr rechnet er mit einer Umsatzsteigerung auf rund 600 Mio. (2009: 505 Mio.) Euro. Das dritte Quartal werde wegen des dreiwöchigen Betriebsurlaubs im August "sicher schlechter werden". Für das vierte Quartal hofft Ortner, "dass wir in die Region des zweiten Quartals kommen".

Momentan ist Palfinger gerade dabei, das niederländische Marinekranunternehmen Ned-Deck Marine B.V., bei dem Palfinger im Juli zu 75 Prozent eingestiegen ist, zu integrieren und ein Werk in Indien aufzubauen, in dem noch heuer die ersten Krane montiert werden sollen. Beim Bereich Marinekrane der Palfinger Systems Gmbh im Eigentum der Familie Palfinger, dessen Zukauf das Unternehmen Mitte Juli angekündigt hatte, sei man gerade in der Due-Dilligence-Prüfung. Beide Akquisitionen im Marinekranbereich wollen die Salzburger aus dem Free Cash Flow finanzieren, der sich im ersten Halbjahr 2010 auf 4,3 (1. HJ 2009: 14,7) Mio. Euro belief.

Die Diversifizierung sei zwar im Großen und Ganzen vorbei, expandieren will Palfinger trotzdem, sagte Ortner. Die Salzburger zieht es vor allem nach Russland, China und Indien. In Russland ist Palfinger schon länger "auf der Suche nach einer geeigneten Investition", was sich allerdings schwierig gestaltet, da es dort "weit weniger Transparenz" bei den Eigentümerstrukturen gebe. Vier bis fünf "interessante Kandidaten" im Kernbereich Knickarmkrane habe man schon am Radar. Wann es zur Akquisition kommen wird, ist noch unklar. "Das dauert sicher 12 bis 18 Monate", schätzt Kaml. Generell hat Palfinger Unternehmen mit einem Umsatz von 20 bis 50 Mio. Euro im Visier.

Die mit Ende März 2010 um ein weiteres Halbjahr verlängerte Kurzarbeit an den österreichischen Standorten soll per Ende August vorzeitig beendet werden, kündigte Ortner an. Im ersten Halbjahr beschäftigte das Unternehmen im Schnitt 4.400 Personen, in der Vergleichsperiode des Vorjahres waren es noch 4.658 gewesen. Nach den Worten Kamls sollen keine weiteren Jobs wegfallen. "Der Mitarbeiterabbau ist großteils Ende 2008 abgeschlossen worden", so der Finanzchef. (APA)

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    In den Kernbereichen ist der Kranhersteller noch weit weg vom Vorkrisenniveau.

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