Fed kauft Staatsanleihen

10. August 2010, 21:37
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Zinsen nicht angetastet: Leitzins bleibt auf Rekordtief von 0,0 bis 0,25 Prozent

Die Federal Reserve ist von der Wirtschaftsentwicklung in den USA wenig angetan. Sie will weiter Geld in die Wirtschaft pumpen - durch Kauf von Anleihen. Die Börse reagierte positiv.

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Wien/New York - Die US-Notenbank Fed reagiert auf die jüngste Verlangsamung der Wirtschaftserholung in den Vereinigten Staaten und stoppt bis auf weiteres den Plan, den Umfang der bisherigen Unterstützung zurückzufahren. Geld aus abreifenden Wertpapieren soll wieder investiert werden, teilte die Federal Reserve (Fed) am Dienstagabend nach einer Sitzung ihres Offenmarktausschusses in Washington mit.

Im Klartext heißt das, dass auslaufende hypothekenbesicherte Anleihen, die zur Stützung des taumelnden Häusermarktes in den vergangenen Jahren erworben wurden, Zug um Zug durch Staatspapiere ersetzt werden. Dieser Schritt kam für manche Analysten überraschend, zumal viele erwartet hatten, die Fed werde ihr Engagement in hypothekenbesicherten Anlagen ausdehnen.

Den Leitzins beließen die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke wie erwartet bei 0 bis 0,25 Prozent. Der Offenmarktausschuss unter Leitung von Fed-Chef Fred Bernanke bekräftigte in einem Statement am Ende der Sitzung, dass der Zinssatz "noch für einen längeren Zeitraum extrem niedrig" bleiben wird.

Die US-Börsen haben mit steigenden Kursen auf die Ankündigung des US-Notenbank reagiert, die Unterstützung der Konjunktur wieder auszuweiten. Der Dow-Jones-Index drehte kurzzeitig ins Plus, nachdem er vor der Fed-Erklärung noch rund ein Prozent im Minus gelegen hatte.

Wirtschaft eingetrübt

Als Reaktion auf die schwere Wirtschaftskrise hatte die Fed diesen Zielkorridor im Dezember 2008 in einer beispiellosen Entscheidung festgelegt. Seither sind die Zinsen auf historischem Tiefstand. Die Märkte rechnen erst im kommenden Jahr mit einer Anhebung des Leitzinses, möglicherweise auch erst 2012.

Im Begleitkommentar zum Zinsbeschluss heißt es, die Erholung der Wirtschaft habe sich in jüngster Zeit stärker als erwartet eingetrübt. Probleme gibt es nach wie vor am Arbeitsmarkt. Im zweiten Quartal war die US-Wirtschaft deutlich schwächer gewachsen als noch zu Jahresbeginn.

Die Konjunktur in den USA ist in den vorigen Monaten stärker ins Stocken geraten, als von Notenbank und Finanzministerium vorausgesagt. Jüngste Zahlen aus dem Handel zeigen, dass sich die Wirtschaftsaktivität in den USA abkühlt. Großhandelsumsätze sind im Juni gefallen, um 0,7 Prozent. Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent gerechnet. Auch die Umsätze im Mai wurden herunter revidiert. Am stärksten ist der Verkauf von Benzin zurückgegangen. Auch die Lagerbestände bei den Großhändlern sind nur leicht gestiegen.

Neben dem schwächelnden Konsum war im zweiten Quartal die Produktivität ein Hemmschuh für das US-Wachstum. Erstmals seit Ende 2008 ist sie nicht mehr gestiegen, sondern um 0,9 Prozent gefallen, zeigen Daten des US-Arbeitsministeriums. Zudem sind seit Jahresbeginn bereits 109 US-Banken pleitegegangen.

Als die Fed letztes Mal im Juni tagte, war die Erholung der Wirtschaft "auf dem Weg." Von dieser Einschätzung hat man nun etwas Abstand genommen. (Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2010)

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