Schwache US-Daten erhöhen Rezessionsgefahr

10. August 2010, 19:50
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Experten sehen Politikwechsel der Notenbank wegen schwachen Arbeitsmarkts

Wien - Die Konjunktur in den USA ist in den vergangenen Monaten stärker ins Stocken geraten, als von Notenbank und Finanzministerium vorausgesagt. Jüngste Zahlen aus dem Handel zeigen, dass sich die Wirtschaftsaktivität in den USA abkühlt. Großhandelsumsätze sind im Juni überraschend gefallen, um 0,7 Prozent. Ökonomen hatten mit einem Zuwachs von 0,5 Prozent gerechnet. Auch die Umsätze im Mai wurden herunter revidiert. Am stärksten ist der Verkauf von Benzin zurückgegangen. Auch die Lagerbestände bei den Großhändlern sind nur leicht gestiegen.

Neben dem schwächelnden Konsum war im zweiten Quartal die Produktivität ein Hemmschuh für das US-Wachstum. Erstmals seit Ende 2008 ist sie nicht mehr gestiegen, sondern um 0,9 Prozent gefallen, zeigen Daten des US-Arbeitsministeriums. Zudem sind seit Jahresbeginn bereits 109 US-Banken pleitegegangen.

Diese Entwicklungen könnten auch für den Rest des Jahres zu niedrigerem Wachstum führen, glauben Ökonomen. Laut einer Reuters-Umfrage unter 250 Ökonomen haben zwei Drittel der Experten ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft gesenkt. Die Gefahr einer weiteren Rezession ist damit gestiegen.

Die negativen Aussichten verstärken den Druck auf die US-Notenbank Fed, der Wirtschaft mit weiteren expansiven Maßnahmen unter die Arme zu greifen. Experten wie Goldman-Sachs-Ökonom Jan Hatzius erwarten, dass die Fed wieder mehr Geld in die Wirtschaft pumpen wird. Besonders die schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt würden die Notenbank beunruhigen, glaubt er. Doch die Ankündigung eines Politikwechsels wird nicht von allen Ökonomen prognostiziert, hingegen nur eine Änderung der Rhetorik. Denn beim Treffen der Notenbanker im Sommermonat August werden nur selten geldpolitische Änderungen angekündigt.

Japans Notenbank steht still

Indes hat die japanische Notenbank am Dienstag ihre zweitägige Zinssitzung ohne eine Politikänderung beendet. Die Zentralbanker sehen weiterhin eine schwache, aber positive Wirtschaftsentwicklung. Private Ökonomen, etwa von der Bank Nomura, warnen hingegen, dass die starke Währung der japanischen Exportwirtschaft zusetzen könnte. Der Yen notiert gegen den US-Dollar in der Nähe des 15-Jahres-Höchststand, und auch gegen den Euro hat die japanische Währung im vergangenen Jahr 16,9 Prozent aufgewertet. Die japanischen Notenbanker haben allerdings keine Maßnahmen angekündigt, um den Kurs der Währung zu drücken. Notenbankchef Masaaki Shirakawa meinte zwar, dass bei der Zinssitzung lange darüber diskutiert wurde, Experten rechnen aber damit, dass die Japaner die Entscheidung der Fed abwarten.

Bei der europäischen Zentralbank zeichnet sich keine Politikänderung ab. Die Stützungsmaßnahmen für den Bankensektor sollen zumindest bis Jahresende aufrecht bleiben. Jedoch deuteten europäische Notenbanker an, dass es Anfang September eine Revision der Wachstumsprognose geben könnte - im Gegensatz zu den USA aber nach oben.  (Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.8.2010)

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