Mit der Gondel mitten durch Graz

10. August 2010, 19:43
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Eine City-Gondelbahn als alternatives Verkehrsmittel zu errichten: Diese Idee stößt im Rathaus auf breite Zustimmung

Graz - Die Idee geistert schon lange in der Stadt herum. So wirklich ernst hat sie aber niemand genommen. Bis jetzt der neu bestellte Chef der Holding Graz - die städtische Infrastrukturgesellschaft -, Wolfgang Malik, eine Machbarkeitsstudie auf den Tisch legte. Und die besagt im Kern: Ein Gondelverkehr mitten durch die Landeshauptstadt entlang der Mur wäre machbar und könnte 2013 in Betrieb gehen.

Vom Norden der Stadt bis in den Süden, zum Flughafen und Freizeitpark in der Umlandgemeinde Unterpremstätten, würde die 18 Kilometer lange Citygondel-Trasse gezogen werden. Die Brücken könnten als Andockstationen für die Öffis dienen. Die Gondelbahn - rund 250 Kabinen - würde auch den Einpendlerverkehr wesentlich entlasten und in die geplante Staustufe Graz im Süden, die neben Energie auch neue Freizeitoasen schaffen soll, integriert werden. sagt Malik.

Im Herbst will der Holding-Chef erste Detailplanungen vorlegen und dann die Stadtregierung, den Eigentümer, damit beschäftigen. Malik: "Alles hängt dann davon ab, ob die Politik hinter so einem Projekt stehen würde." Denn es werde "ohne Zweifel auch eine ökologische Herausforderung sein, zumal für die Liftstützen auch Rodungen im Uferbereich vorgenommen werde müssen".

Zustimmung im Rathaus

Von der Politik kommt überraschenderweise aber bereits jetzt - bis auf die KPÖ, die die Sache für einen "Irrsinn" hält - breite Zustimmung. Bürgermeister Siegfried Nagl (VP) schwört, es sei sicher "keine Schnapsidee", und selbst die grünen Regierungspartner signalisieren Zustimmung. Ebenso die SP, sonst auf prinzipiellem Kontrakurs, will mit sich reden lassen. Kulturstadtrat und Parteichef Karlheinz Herper spricht von einem "interessanten und spektakulären" Projekt. Aber wie die Grünen, die Blauen und das BZÖ will auch Herper zu allererst die Kostenfrage geklärt wissen. Die Finanzierung des rund 60 Millionen Euro teuren Projekts müsse gesichert sein.

Die Finanzierung "ist machbar, das Projekt rentabel", sagte Malik am Dienstag im Standard-Gespräch: "Wenn wir durch die Anbindung an den Flughafen und das Freizeitzentrum Mitfinanziers auch in den Umlandgemeinden bekommen, ist es machbar."

Kunsthaus von oben sehen

Neben einer Entlastung des öffentlichen Verkehrs, der in Stoßzeiten längst an die Grenze der Kapazitäten stößt, sei vor allem der touristische Mehrwert beachtlich. Graz würde weltweit über eine der ganz wenigen City-Liftanlagen verfügen. Ähnliche städtische Hochbahnen existieren derzeit etwa in Hannover, Portland oder Wuppertal (Schwebebahn).

Die Grazer Tourismus-Stadträtin Sonja Grabner (VP) ist jedenfalls enthusiasmiert: "Für den Tourismusstandort Graz wäre die geplante Mur-Seilbahn ein großer Gewinn. Eine solche neue Attraktion würde am internationalen Tourismusmarkt für Furore sorgen. Besonders interessant wären eigene Sightseeing-Gondeln, da die angedachte Route ja auch an wesentlichen Sehenswürdigkeiten wie Schlossberg, Murinsel oder Kunsthaus vorbeiführen würde." "Natürlich", schwärmt auch Holdingchef Malik, "wäre ein Gondelsystem auch eine architektonische Herausforderung für Graz als Designcity." Er werde dafür die Kooperation mit den Industrial-Design-Experten des FH Johanneum suchen. (Walter Müller/DER STANDARD, Printausgabe, 11. August 2010)

  • Vision Graz 2013: Wenn schon nicht die Skyline, könnte zumindest die City-Gondelbahn bis dahin Realität sein
    foto: credit: fh joanneum

    Vision Graz 2013: Wenn schon nicht die Skyline, könnte zumindest die City-Gondelbahn bis dahin Realität sein

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