Edita Gruberova in "Norma" - eine Sängerin vom Olymp

10. August 2010, 17:50
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Konzertante Aufführung im Großen Festspielhaus

Salzburg - Die Bühnenpräsenz von Edita Gruberova ist ebenso überwältigend wie ihre Stimmbeherrschung, ihr Piano ohne Beispiel. Die zweite Strophe der berühmten Casta Diva-Arie war bei der konzertanten Norma-Aufführung im Großen Festspielhaus ein berührendes Gebet um Frieden: im feinsten und doch geradlinigsten Pianissimo, das man sich von einer Diva nur wünschen kann.

Die dramatischen Ausbrüche der Gruberova sind nicht weniger überwältigend. Wenn sie in der Tiefe ihres Brustregisters zusätzliche Resonanzräume für mächtig orgelnde Töne zu öffnen scheint, dann fürchtet sich nicht nur ein römischer Prokonsul. Da die Gruberova sich solche Aus- und Register-Brüche nur auf wenigen Tönen gestattet, wirken sie nie manieriert. Das gilt auch für ihre zu feinen Glissandi verschliffenen Koloraturen, die wie silbrige Pfeile glitzern. Das Berührendste aber ist ihr Piano, das das Festspielhaus wie ein Glanz erfüllt.

Ihr zur Seite stand mit Joyce DiDonato eine hochkarätige und technisch wie klanglich ebenbürtige Hilfspriesterin Adalgisa. Das Duett Mira, o Norma war ein Höhepunkt. Marcello Giordano, als römischer Prokonsul in Gallien, übersteuerte zunächst seinen Pollione mit unnötigem Kraftaufwand, alsbald aber rundete sich der Klang zu warmem tenoralem Schmelz. Mit Ferruccio Furlanetto als oberstem Druiden Oroveso betrat ein weiterer Charismatiker den imaginären Hain und verbreitete Festspielglanz. Wer von den jungen "gehypten" Stars von heute wird in Jahrzehnten noch inmitten solcher Karrieren stehen?

Ein Orchester hat auch gespielt. Friedrich Haider hat vor der Camerata Salzburg dirigiert, ohne Schwung und Impulse. Immer wieder unpräzise waren einzelne Einsätze. Auch wenn Belcanto nicht zur Kernkompetenz der Camerata gehören mag, wurde das Orchester hier weit unter seinem gewohnten Niveau verkauft. Auch die Konzertvereinigung Wiener Staatsopernchor schien als gallisches Volk kollektiv unter eingeschlafenen Füßen zu leiden. Das fiel zwar auf, störte aber das beeindruckende Sängerfest nicht. (Heidemarie Klabacher//DER STANDARD, Printausgabe, 11. 8. 2010)

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