Auf der Suche nach Fachkräften

10. August 2010 17:45

In 39 Branchen besteht laut AMS Fachkräftemangel

Es gibt bereits zahlreiche Branchen, in denen es mehr offene Stellen als Arbeitslose gibt. Experten gehen davon aus, dass es in den nächsten Jahren noch schwieriger wird, gute Leute zu finden.

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Wien - Schauspieler und Geschichtswissenschafter haben es nicht leicht. Zumindest am Arbeitsmarkt. Statistisch gesehen haben sie die schlechtesten Chancen, einen Job zu finden. Derzeit sind beim Arbeitsmarktservice (AMS) nämlich 338 Schauspieler und 108 Geschichtswissenschafter als arbeitslos gemeldet. Die Zahl der offenen Stellen in beiden Fällen: null.

Insgesamt ist die Lage am Arbeitsmarkt aber längst nicht mehr so trist. Wie berichtet ist die Zahl der Jobsuchenden in den letzten Monaten zurückgegangen. Bei genauerer Analyse der AMS-Daten zeigt sich auch: Es gibt bereits wieder zahlreiche Branchen, in denen es mehr offene Stellen als Arbeitslose gibt (siehe Grafik). Gesucht werden beispielsweise Dachdecker, Bauspengler, Betonbauer, Zimmerer, aber auch diplomierte Krankenpfleger oder Installateure. Insgesamt gibt es 39 Branchen, in denen es laut AMS einen Fachkräftemangel gibt. Wobei Mangel in der Statistik etwas großzügiger definiert ist. Es wird nämlich auch dann von einem Mangel gesprochen, wenn es höchstens 1,5 mal mehr Jobsuchende als offene Stellen gibt. Der Hintergrund dafür: Nicht jeder Arbeitslose kann auf jede Stelle vermittelt werden.

Dennoch wird in Wirtschaftskreisen bereits wieder der Ruf nach einer verstärkten Hereinnahme ausländischer Arbeitskräfte laut. "Fachkräfte werden gesucht wie die Stecknadel im Heuhaufen", sagt Martin Gleitsmann, Sozialexperte der Wirtschaftskammer. Seit Wochen drängt die Kammer darauf, die im Regierungsprogramm vorgesehene Rot-Weiß-Rot-Card einzuführen. Mit dieser Karte soll eine Arbeitsmarkt-gesteuerte Zuwanderung ermöglicht werden. Im Wesentlichen geht es um den Nicht-EU-Raum, da - mit den Ausnahmen Rumänien und Bulgarien - ab Mai 2011 ohnehin für alle EU-Länder der Arbeitsmarkt geöffnet wird.

Weniger Lehrlinge

Wie groß der Fachkräfte-Mangel in den nächsten Jahren sein wird, lässt sich derzeit noch schwer sagen. Eine aktuelle AMS-Studie geht davon aus, dass die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze für Fachkräfte von 587.320 im Jahr 2009 auf 616.530 im Jahr 2014 steigen wird. Als Fachkraft wird bezeichnet, wer mindestens einen Lehrabschluss aufweist. Gleichzeitig wird prognostiziert, dass die Zahl der Lehrlinge bis 2014 sinkt. Von fast 130.000 auf knapp 122.000.

Bei der Lehrlingsausbildung hakt auch die Arbeiterkammer ein. Diese zu forcieren sei wichtiger als Zuwanderung, erklärt Josef Wallner, Arbeitsmarkt-Experte von der AK-Wien. Auch Länder wie die Schweiz und die nordischen Staaten würden auf die eigene Ausbildung setzen. Die Industrie habe in den letzten Jahrzehnten aber bei der Lehrlingsausbildung nachgelassen. Außerdem werde zu wenig in die Fortbildung der Mitarbeiter investiert. Wallners Kritik: Die Wirtschaft starte alle paar Jahre eine neue Kampagne für mehr Zuwanderung. In Wahrheit wolle man aber nur die Löhne senken. (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.8.2010)

Kommentar posten
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whose ass to kick?
13.08.2010 21:44
HÄNDERINGEND.

was für ein dramatisierter blödsinn! die hocken händereibend beinand und lachen sich in's fäustchen.

TheVox
11.08.2010 17:20

Vor ein paar Wochen stand im Spiegel ein Artikel, dass in Ostdeutschland mittlerweile die Löhne so gering sind, dass immer mehr nach Polen gehen um zu arbeiten, denn dort sind die Löhne höher.
Ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis es bei uns auch soweit ist.

Wolfgang56
11.08.2010 13:35
Es gibt noch eine andere Möglichkeit um an Fachkräfte zu kommen!

Man könnte ja, da oder dort, einen qualifizierten Arbeitnehmer auch abwerben. Natürlich kostet die qualifizierte, tüchtige Fachkraft halt ein bisserl was.
Ich weiß eh, eine österr. qualifizierte Fachkraft, soll viel können und leisten aber nichts kosten.
Diesen Wunsch wird das AMS nicht erfüllen können.
Allerdings sind die billigen Ausländer auch nicht ganz deppert, "wenn so viel leisten wie Österreicher, dann auch soviel bekommen wie Österreicher"!

TheVox
11.08.2010 16:55

Ja das erschiene logisch.
Der langjährige Trend zeigt leider was anderes

neeed
11.08.2010 13:17
DER WICHTIGSTE TEIL des artikels:

Die Industrie habe in den letzten Jahrzehnten aber bei der Lehrlingsausbildung nachgelassen. Außerdem werde zu wenig in die Fortbildung der Mitarbeiter investiert. Wallners Kritik: Die Wirtschaft starte alle paar Jahre eine neue Kampagne für mehr Zuwanderung. In Wahrheit wolle man aber nur die Löhne senken.

unbequem
11.08.2010 12:57
Unsinn vom AMS...

wenn dem so wäre gäb es dort auch keine Arbeitslosen zumindest nicht so viele....
AMS ist eine ineffektiove Geldvernichtungsmaschine die nurr die Leute pflanzt aber selbst null löeistet!

cygnusxone
12.08.2010 08:21

dem kann ich nur zustimmen.

erst kürzlich bei einem beratungsgespräch gewesen.

Die nette Dame hat mir gesagt.
Ach wenn Sie sowieso die Zeitungen nach Stellenangeboten durchforsten, dann brauchen sie sich nicht bei uns eintragen lassen, bei uns sind die Angebote meistens erst 2-3 Tage später im System.

Ich mein ja nur. Danke für die ehrliche Auskunft.
Aber. Ha was ist los? gehts noch oder was?

unbequem
12.08.2010 09:19

Diese Ehrlichkeit hat Seltenheitswert, öfters sind klagen über das herablassende und inkompetente verhalten der "zugeteilten" Referenten zu hören! Die meist gute Ratschläge ohne Sinn haben aber selbst am System scheitern.

James Hinterfrager
11.08.2010 12:38
AMS - Beamte

Beobachte das AMS nun schon seit einiger Zeit. Soviel Inkomptenz und Beamtentum muss man erst finden: Für eine Fachkraft aus dem Ausland muss man tausende Hürden überspringen: Das ist alles so kompliziert, ich bin nicht zuständig, suche Sie doch den Rechtsweg,...

Alpha Centaurus
11.08.2010 12:38

Den Deutschen geht's nicht besser. Auch die suchen jetzt schon h ä n d e r i n g e n d Fachkräfte.

Ein Bericht auf einem deutschen Sender war besonders amüsant. Während über den Fachkräftemangel als Wirtschaftsbremse diskutiert wurde, zeigte man einen Fließbandarbeiter und einen Staplerfahrer.

So schaut in Wirklichkeit der "Fachkräfte"-Mangel aus. Billig, billiger, am Billigsten - darum geht's in Wirklichkeit. Und gesucht wird "außerhalb" der EU!!! Ich stell mir grad einen Installateur aus Kasachstan oder so vor...

Nachtigall, ik hör dir trapsen...

Veridad
11.08.2010 12:55
Einen mangel gibts nur dort wo man nichts bezahlt.

hab mich auch bei einer Firma beworben - mit meinen Gehaltsvorstellungen als Fachmann - die stelle ist bis heute ausgeschrieben.
Die Betriebe brauchen sich nicht wundern.

Alpha Centaurus
11.08.2010 17:47

... und wahrscheinlich sind Sie schon über 30 und wollen mehr als 1000 € netto verdienen. So wird das natürlich nix.

Avalancha
11.08.2010 12:00
Wichtigste Branche

Regierung und Parlament

GevatterTod
11.08.2010 11:59
Im 16 Jhdt gab es in Oberitalien eine Hungersnot

die wurde dadurch hervorgerufen, daß Bettler in den Städten mehr verdienten und besser leben konnten, als die Bäuerlichen Arbeitskräfte.

Soviel zu Facharbeitskräften!

Wer Facherbeitskräfte will, soll sie sich ausbilden -
leider muss er dazu so einiges an Schulbildung den Kandidaten auch beibringen!

Gobi Todic
11.08.2010 12:54
dann sagen wir gemeinsam

laut und deutlich: danke frau gehrer, danke övp.

Wolfram der Weise
11.08.2010 11:21

im qualitätsjournalismus?

angelvoices
11.08.2010 11:19
Herr Wallner hat 100% recht

und man sollte der Industrie um keinen Milimeter nachgeben!!!
gibt es nicht genug arbeitslose Jugendliche?
gibt es im EU-Osten nicht genug gut Ausgebildete, die gerne kömmen würden, deren Mentalität ähnlich ist und ihre Übersiedlung keinen "Kulturschock" verursacht?

Hefeweizerlbier
11.08.2010 12:47
Bei Jugendlichen gibt es eine recht hohe Sockelarbeitslosigkeit

Wenn die Kinder nach 9 Schuljahren nicht Lesen und Schreiben können, ist das nicht die Schuld der "Industrie".

bladerunner
11.08.2010 13:20

Aber auch nicht die Schuld der Kinder...

wird nämlich immer mehr Usus, das als ein Versagen der Kinder selbst anzusehen. Das sind KINDER! Die können noch keine Verantwortung für ihr Leben tragen. Sonst können wir sie ja auch schon mit 15 für voll Geschäftsfähig erklären.

natoll
11.08.2010 12:02

industrie. aha. die meisten arbeitsplätze stellt aber nicht die industrie sondern die KMU's.

oder wieviel dachdecker, spengler oder zimmerer-konzerne kennst denn?

Wunder Wuzzi
11.08.2010 11:18
der "freie markt"

regelt die gehälter sicher nicht in die höhe....

abgesehen davon gibt es soetwas wie einen "markt" für krankenpfleger bzw. für medizinisches personal, das in erster linie bei gemeinden und bei den ländern angestellt ist, nicht.

Meoen
 
11.08.2010 12:25

Haben Sie für ihre aufgestellten Behauptungen auch Belege?

Noxventa
11.08.2010 10:53
Fehlende Fachkraft: KOCH

Das wundert mich überhaupt nicht. Ich hab einige gute Freunde die Koch bzw. Köchin sind.

Nettolohn von unter 1300 €, (fast) täglich Teildienst. (09:00-14:00) - (17:30-22:00), Sonntags arbeit, Feiertags arbeit, misserable Arbeitsbedingungen: Pausen werden nicht eingehalten, Vorgesetzte oft überfordet bzw. cholerisch, Dienstpläne werden erst 1 Tag vorher bekannt gegeben.

In der Saison (Salzburger Festspiele) geht das Geschäft bis 24.00 Uhr, teilweise bis 1:00 morgens, kaum Ruhetage während der ganzen Saison.

Viele wollen sich das einfach nicht antun. Eine Freundin meinte dass sie sich jetzt eine Kochstelle in einem Altenheim sucht, sie möchte noch etwas von ihrer Freizeit haben und sich auch mal was mit ihren Freunden ausmachen können.

spitzenkandidat.2.0.
11.08.2010 11:20
genau wie bei einem Freund von mir.

Hatte auch Teildienst bis in die Nacht hinein (arbeitete in einem edlen teuren Lokal) für einen viel zu niedrigen Lohn.

Wechselte nun in eine Betriebskantine; dort kann man das zwar nicht "kochen" nennen wie er immer sagt, dafür verdient er um einiges mehr, hat am Wochenende frei und außerdem kann er jeden Tag ab 14:30 heimgehen.

Noxventa
11.08.2010 11:24

Der Freund mit dem permanenten Teildienst und Nettolohn von unter 1300 (nach einer Gehaltserhöhung!!) arbeitet sogar in einem Haubenlokal... das ist leider in dieser Branche total egal.

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