Prügelstrafe ist gang und gäbe

10. August 2010, 15:43
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US-Studie zeichnet tristes Bild mittelalterlicher Erziehungsmethoden: 80 Prozent der Kinder im Vorschulalter werden körperlich gezüchtigt

Chapel Hill/Wien - Drei Studien zum Thema Prügelstrafe bei Kindern haben Forscher des Injury Prevention Center an der University of North Carolina in Chapel Hill (UNC) nun veröffentlicht. Trotz eines solchen Verbots in 24 Staaten ist diese Art der Kindererziehung weltweit immer noch gang und gäbe. In den USA hat die Zahl der prügelnden Eltern zwar abgenommen, dennoch werden immer noch fast 80 Prozent der Kinder im Vorschulalter körperlich gezüchtigt.

"Die Forschungsergebnisse sprechen für sich. Brutales Vorgehen gegen Kinder zieht sich wie eine Epidemie durch alle Gesellschaftsschichten in allen untersuchten Ländern", so Studienleitautor Desmond Runyan, Professor für Sozialmedizin an der UNC. Demnach lagen die Raten von tatsächlich angewandter physischer Gewalt gegen Kinder überall höher als in offiziellen Statistiken. Eltern mit schlechterer Erziehung neigen eher dazu, ihre Kinder zu züchtigen. Einen Hinweis darauf, dass Kinder in ärmeren Ländern häufiger geschlagen werden als in reicheren, gibt es allerdings nicht.

Erziehungsmaßnahmen kaum verändert

Eine zweite UNC-Studie von Adam Zolotor, Professor für Familienmedizin, hat gezeigt, dass die Zahl der geschlagenen Kinder in Pflege in North und South Carolina zwischen 1975 und 2002 um 18 Prozent zurückgegangen ist. Zolotor sieht darin bestätigt, dass es keine Veränderung in den Erziehungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren gegeben hat. "Das betrifft jedoch nicht nur die USA, sondern auch andere Länder", schreibt der Experte. Einzig positiv zu bemerken sei die Tatsache, dass schwerere Formen physischer Gewalt leicht abgenommen haben.

In 24 Ländern ist körperliche Gewalt unter Strafe

In einer weiteren Untersuchung von Zolotor im Fachmagazin Child Abuse Review stellt der Autor fest, dass nur 24 Staaten von 193 - davon 19 in Europa - die UN-Konvention über die Rechte der Kinder ratifiziert haben. Darin wird jegliche körperliche Gewalt gegen Kinder unter Strafe gestellt. "Das zeigt ganz deutlich, dass mehr als 30 Jahre nach der Verurteilung der körperlichen Gewalt in der Konvention nur eine minimale Zahl der Staaten darauf reagiert hat", erklärt der Forscher.

Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung

Erst im Vorjahr haben Forscher der University of New Hampshire darüber berichtet, dass prügelnde Eltern die geistige Entwicklung ihrer Kinder schädigen. Je öfter Kinder geschlagen werden, desto langsamer verläuft ihre geistige Entwicklung.

"Gewaltanwendung oder Misshandlung bringen Unsicherheit oder Desorganisation in diese Beziehung und führen zu einem Stress, der Lernprozesse hemmt", meint die Wiener Gesundheitspsychologin Claudia Rupp. "Schädlich ist Gewalt in der Erziehung nicht nur dort, wo sie körperliche Verletzungen hinterlässt. Allein die Tatsache, dass ein im Vergleich riesiger, älterer und mächtiger Mensch, der noch dazu als Elternteil wichtigste Quelle für Sicherheit und Geborgenheit ist, zuschlägt, ist für ein Kind schrecklich." (pte)

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    Nur 24 Staaten von 193 - davon 19 in Europa - haben UN-Konvention über die Rechte der Kinder ratifiziert, die  jegliche körperliche Gewalt gegen Kinder unter Strafe stellt.

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