Österreichische Konzerne leiden unter Moskauer-Smog

10. August 2010, 14:58
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Mitarbeitern werden flexiblere Arbeitszeiten gegeben - RZB: Schwangere müssen nicht ins Büro - Bei EVN und OMV nur mehr unersetzliche Mitarbeiter in Moskau

Die österreichischen Konzerne mit Sitz in Russland stellen Angesichts der Smogbelastung in Moskau ihren Arbeitsrhythmus um. Viele haben ihren Angestellten freigegeben, Familien wurden nach Hause geschickt, Urlaube vorgezogen und die Arbeit auf das Notwendigste beschränkt, ergab ein Rundruf der APA bei heimischen Firmen, die in Russland tätig sind.

In der RZB müssen Schwangere nicht mehr ins Büro. Das Unternehmen stellt Atemmasken zur Verfügung und hat den ärztlichen Bereitschaftsdienst verstärkt, teilte Sprecher Michael Palzer mit. Fünf Prozent "Absenzen" gebe es, "allerdings erachten auch viele Mitarbeiter das Raumklima im Büro besser als zu Hause" hält er fest - die Belüftung in den Büros sei angepasst worden.

Familien von Mitarbeitern des Bauunternehmens Strabag befinden sich gar nicht mehr in Moskau, sagte Gerhard Gritzner, Strabag-Vorstand in Russland: "Sie kommen erst nach der endgültigen Bereinigung der Situation" wieder nach Moskau zurück. Voestalpine hat bereits am vergangenen Montag die Büropflicht aufgehoben, am darauffolgenden Donnerstag die Arbeitspflicht, so Karl Almhofer, Generalvertreter in der Russischen Föderation. Mitarbeitern wurde die Möglichkeit geboten, von daheim zu arbeiten, oder sich freizunehmen, bis sich die Situation am Arbeitsplatz verbessert hat. Almhofer hält mit einigen Mitarbeitern im Alpine Standort in Kiev die Stellung, um den Betrieb aufrecht zu erhalten.

Mitarbeiter zurückbeordert

Die EVN und die OMV haben bereits Ende der vergangenen Woche die meisten Mitarbeiter zurückbeordert. Nur wenige Experten blieben zurück, um die Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Müllverbrennungsanlagen und das bereits bestehende Kraftwerk in Gang zu halten. "Wir werden die Stadt Moskau in dieser schwierigen Lage sicher nicht im Stich lassen," sagte EVN-Sprecher Stefan Zach. Allerdings werden Bauarbeiten am neuen Blockheizkraftwerk weitgehend eingestellt - die russischen Behörden raten aufgrund des hohen Schadstoffgehalts der Luft von schwerer körperlicher Arbeit ab. Bei der OMV befinden sich laut Unternehmenssprecherin Michaela Huber keine Mitarbeiter mehr in Moskau - die Manager der Geschäftsbereiche Exploration and Production sowie Gas und Power nehmen derzeit die Russland Agenden vom Headoffice in Österreich aus wahr.

Der Handel leidet unter schwerwiegenden logistischen Problemen. Aufträge aus Russland entfallen aufgrund des Flugchaos, was wahrscheinlich zu einer Auftragsverringerung führen werde, so Dietmar Fellner, Handelsdelegierter der Wirtschaftskammer in Moskau. Dennoch rechnen die Firmen nicht mit langwierigen wirtschaftlichen Folgen. "Wir hoffen alle auf baldigen Regen mit vernünftigen Temperaturen, damit die Luft gereinigt und vor allem die Torfbrände eingedämmt werden," sagte Gritzner. "Ich persönlich erlebe diese Situation bereits zum dritten Mal, jedoch noch nie in dieser extremen Stärke."

Wer noch in Moskau bleiben muss, leidet: "Die Luft zu atmen kann man mit drei bis vier Zigarettenpackeln rauchen vergleichen," berichtet Fellner im Gespräch mit der APA. "Ich bin am Sonntag extra in die Innenstadt gefahren, ich habe die Straßen noch nie so leer gesehen. Es gab kaum Autoverkehr oder Fußgänger." Im Büro der Wirtschaftskammer hatte es 36 Grad, es wurde vielen Mitarbeitern flexiblere Arbeitszeiten gewährt, wer kann, verlässt die Stadt, fügt Fellner hinzu. (APA)

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