Mitsche-Rücktritt "nachvollziehbar"

10. August 2010, 14:57
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Kulovits-Rupp hält Amon für "sehr qualifiziert"

Wien - Die Vorsitzende des ORF-Stiftungsrates, Brigitte Kulovits-Rupp, hält den Rücktritt von Radiodirektor Willy Mitsche in die zweite Reihe für "sehr nachvollziehbar", wie sie am Dienstag im Gespräch mit der APA sagte. Sie betonte, dass er "sehr lange journalistische als auch Managementerfahrung" habe und damit sehr qualifiziert sei, künftig Projekte wie die ORF-Akademie oder die Qualitätssicherung voranzutreiben.

TV-Chefredakteur Karl Amon, der als angeblicher SP-Wunschkandidat für die Nachfolge Mitsches gilt, hält Kulovits-Rupp für "sehr qualifiziert", wie sie sagte. Politische Begehrlichkeiten seien an sie aber nicht herangetragen worden, betonte die dem SPÖ-"Freundeskreis" angehörende Stiftungsrätin.

Für eine Neuausschreibung

Sie sprach sich für eine Neuausschreibung des Radiodirektors aus. Eine Zusammenlegung mit der Onlinedirektion, was als eines der kolportierten Szenarien für die Zeit nach einem etwaigen Rücktritt Mitsches galt, hielte sie in der derzeitigen Konstellation für einen "Schnellschuss", wobei natürlich die Möglichkeit bestehe, dass sich Onlinedirektor Thomas Prantner für den Job bewirbt, wie sie betonte.

Eine Neustrukturierung des Direktoriums, das ab 2012 nur mehr vier statt sechs Mitglieder haben darf, müsse jedenfalls Teil eines Gesamtkonzepts sein, so Kulovits. Für gut befände sie in dem Zusammenhang eine Fusion von Informations- und Programmdirektion zu einer Fernsehdirektion, erklärte die Stiftungsratsvorsitzende.

Die Chancen von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz auf eine Wiederwahl für die Jahre nach 2012 wollte Kulovits-Rupp nicht beurteilen. Wenn er sich bewerbe, sei er jedoch "sicher ein ernstzunehmender Kandidat", sagte die Stiftungsratsvorsitzende. Wrabetz habe in den vergangenen vier Jahren mit einer schwierigen politischen Konstellation zu kämpfen gehabt und auch das ORF-Gesetz sei "keine leichte Aufgabe gewesen", so Kulovits-Rupp. "Es stand an der Kippe, dass dieses Unternehmen filetiert wird."

Bilanz des ersten Halbjahres 2010

Im nächsten Stiftungsrat am 9. September wird neben der Bestellung des Mitsche-Nachfolgers unter anderem auch die Bilanz des ersten Halbjahres 2010 behandelt werden, "die 16 Millionen über dem Finanzplan liegt", wie sie betonte. Kulovits-Rupp sieht dies darin begründet, dass die Werbeeinnahmen über Plan lägen, und die Senkung der Personalkosten und die Einsparungen das ihre zum Ergebnis beigetragen hätten. Die Umstrukturierung des Unternehmens sei auf einem guten Weg.

Bis zum Jahresende könnte sich das Ergebnis allerdings noch etwas verschieben, warnte sie. Dies liege vor allem daran, dass immer mehr Teilnehmer sich von den Fernsehgebühren befreien lassen würden, weil sie TV nicht mehr auf herkömmlichen Wege empfangen würden. Wer etwa nur über Internet ORF sieht, muss keine Fernsehgebühr zahlen. Pro Monat kämen so etwa 1.000 Gebührenzahler abhanden, so Kulovits-Rupp, die eine Haushaltsabgabe nach deutschem Vorbild für "eine sehr vernünftige und zielführende Lösung" hielte. (APA)

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