60 "Enzos" im MQ stehen zum Liegen bereit

10. August 2010, 13:46
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"Enzi"-Nachfolger kosten laut Waldner 1.500 Euro pro Stück - Designerduo: Herstellungskompetenz in Italien höher als hier

Der Generationenwechsel ist vollzogen: Rund 60 fabrikneue "Enzos" stehen seit dem heutigen Dienstag im Wiener Museumsquartier zum Liegen bereit. Die Stadtmöbel lösen damit die beliebten "Enzis" ab, die zum Großteil im vergangenen Winter einem Feuer zum Opfer fiel. Das neue und dank Hohlräumen viel graziler wirkende Modell sei billiger, robuster, feuerfester - und mit Wasser befüllbar, freute sich MQ-Direktor Wolfgang Waldner im APA-Gespräch.

Damit die Enzos trotz ihres geringeren Gewichts dort bleiben, wo sie hingehören, kann Wasser in das Innere der Stücke geleitet werden. Rund 1.500 Euro pro Stück - und damit laut Waldner deutlich weniger als die bisherigen Liegen - kostet ein Exemplar der bunten Designobjekte. Am frühen Vormittag wurde das noch gestapelte Interieur angeliefert und dann schrittweise in den Höfen des Museumsareals verteilt. Die zweite, rund 20 Enzos umfassende Tranche kommt erst in einigen Wochen. Doch mit den noch in der alten Version nachbestellten Enzis befänden sich schon jetzt mehr als 100 urbane Kojen im MQ.

Die Entwicklung des Produkts sei äußerst komplex gewesen, berichtete das Designerduo Ludwig Slezak und Margarita Navarro, das in Zusammenarbeit mit den Enzi-Erfindern, dem Architektenteam PPAG, die aktuelle Version erarbeitete. Die Liege dank Hohlräume leicht wirken zu lassen und gleichzeitig stabiler zu machen, habe etwa viel Rechenarbeit erfordert.

Praktische Gründe

Die konischen Höhlen haben aber nicht nur ästhetische, sondern auch profan-praktische Gründe: "Eine Vorgabe war, dass die Dinger mit dem Gabelstapler aufgeladen werden können", so Slezak zur APA. Momentan sind die Enzos in Magenta, Erdbeerrot, Grasgrün und Elfenbein gefärbt. Bei der künftigen Kolorierung stehe eine Palette von rund 100 Farben zur Verfügung. Hergestellt werden die Objekte in Italien, weil "Österreich bei Design vor allem hinsichtlich der umsetzenden Firmen noch ein Entwicklungsland ist". Im südlichen Nachbarland sei die Herstellungskompetenz viel höher.

Verweilmöbel spielten eine wesentliche Rolle dafür, dass das Museumsquartier als Ort funktioniere, zeigte sich Waldner überzeugt. So sei der mit historischen Bauten und moderner Architektur ausgestattete Kulturkomplex die erste Zeit nach der Eröffnung fast leergeblieben - mit Ausnahme jener Menschen, die in die Ausstellungen pilgerten. Das ist seit Einzug der Enzis im Jahr 2002 anders: Scharen vorwiegend junger Leute bevölkern an lauen Sommerabenden den Haupthof. Das bringt laut Direktor pro Jahr rund zwei Mio. zusätzliche Gäste.

Dabei fließt nicht selten selbst mitgebrachter Alkohol, was im Vorjahr zu einer Debatte über ein Verbot von Bier und Hochprozentigem geführt hatte. Er vertrete nach wie vor die Position, dass offiziell der Getränkekonsum nur an den dafür vorgesehenen Orten - also den ansässigen Lokalen - stattfinden dürfe, so der MQ-Chef. Man dulde zwar den Genuss eigener Getränke, müsse bei "Exzessen" jedoch mit Hilfe der Polizei durchgreifen können. Zu diesen komme es meist nach Mitternacht, wenn Lokale und Kunsteinrichtungen bereits geschlossen hätten.

Dabei kommt es zum Teil auch zur Beschädigung der Freiluftmöblierung, weshalb weiterhin rund ein Viertel des Bestandes pro Saison ausgetauscht werden muss. Folglich werden die Enzis in Etappen schließlich in einigen Jahren gänzlich von den Enzos verdrängt worden sein. Ob MQ-Marketingleiterin Daniela Enzi, nach der die erste Generation benannt wurde, traurig darüber ist, dass die "next generation" nicht mehr ihren Namen trägt? "Ich glaube nicht", zeigte sich der Direktor optimistisch. (APA)

  • Enzos statt Enzis: Die neuen Hofmöbel im Museumsquartier Wien
    foto: ppag/mn*ls

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