Das ORF-Direktorium im Wandel

10. August 2010, 13:22
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Nach Mayerhoffer macht nun auch Radiodirektor Mitsche Platz - Mit Grafik

 Wien - Das unter einer "Regenbogenkoalition" geschmiedete ORF-Direktorium mit Generaldirektor Alexander Wrabetz an der Spitze nähert sich stetigen Schrittes den großkoalitionären Begebenheiten der Tagespolitik an. Nach der Kaufmännischen Direktorin Sissy Mayerhoffer, die dem ÖVP-Wunschkandidaten Richard Grasl im Dezember des Vorjahres Platz machte, räumt nun mit Radiodirektor Willy Mitsche ein weiteres Mitglied der ORF-Geschäftsführung frühzeitig seinen Schreibtisch.

Mitsche, der als Radiodirektor verantwortlich für den Höhenflug des ORF-Hörfunks zeichnete, galt als Personalwunsch des verstorbenen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, den dieser an die Zustimmung zur "Regenbogenkoalition" knüpfte, die Generaldirektor Alexander Wrabetz in einem politischen Coup im Jahr 2006 auf den Schild hob. Wrabetz wurde damals am Ende der Kanzlerschaft Wolfgang Schüssels gegen den Widerstand der ÖVP von SPÖ, BZÖ, FPÖ und Grünen unterstützt. Dass Mitsche nun zurücktritt, hat zum einen gesundheitliche Gründe. Mitsche war nach einer Herzerkrankung im Vorjahr mehrere Monate im Krankenstand und kehrte erst im Juni in seine Funktion zurück.

Zugleich kursierten in den vergangenen Wochen immer wieder Spekulationen, dass das SPÖ-geführte Kanzleramt Mitsche durch Fernseh-Chefredakteur Karl Amon ersetzt sehen möchte. Der Zeitpunkt des Ausscheidens Mitsches ist denn auch genau darauf abgestimmt, bis zur nächsten Sitzung des Stiftungsrates am 9. September einen Nachfolger küren zu können. Als Favorit gilt deshalb Karl Amon, der als TV-Chefredakteur unter Informationsdirektor Elmar Oberhauser die Fernsehinformation umkrempelte und von politischen Zugriffen der Vergangenheit befreite.

Wrabetz versuchte nach STANDARD-Infos zweimal, im November 2008 und im November 2009, Thomas Prantner als Onlinedirektor abzulösen. Der weigerte sich zurückzutreten, baute seine TV-thek auf, und ist noch immer Direktor. Die Unterstützung der FPÖ für das ORF-Gesetz (als einzige der drei Oppositionsparteien) scheint seine Position zuletzt sogar gestärkt zu haben.

Die Funktionsperiode des aktuellen ORF-Direktoriums läuft von Jänner 2007 noch bis Ende Dezember 2011. Danach wird es laut neuem ORF-Gesetz von sechs auf vier Direktoren verkleinert. Die entsprechende Wahl für das neue verkleinerte ORF-Direktorium wird voraussichtlich im August/September 2011 stattfinden. (APA)

Im Folgenden ein Überblick:

Generaldirektor: Alexander Wrabetz (seit Jänner 2007)

Informationsdirektor: Elmar Oberhauser (seit Jänner 2007)

Programmdirektor: Wolfgang Lorenz (seit Jänner 2007)

Radiodirektor: Willy Mitsche (Jänner 2007 bis August 2010), Favorit für Nachfolge Mitsches ist TV-Chefredakteur Karl Amon

Onlinedirektor: Thomas Prantner (seit Jänner 2007)

Kaufmännischer Direktor: Sissy Mayerhoffer (Jänner 2007 bis Dezember 2009), nach Ausscheiden Mayerhoffers übernahm Richard Grasl (seit Jänner 2010)

Technischer Direktor: Peter Moosmann (seit Jänner 2007)

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