Karl Amon: "Zentralistischer Teammensch"

10. August 2010, 13:18
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"Zum harten Kern der Konservativen würde ich mich nicht zählen"

Wien - Mit Karl Amon darf sich ein versierter und langjähriger leitender Journalist des ORF Chancen auf den Posten des Radiodirektors machen. Nach eigenem Bekunden ist er ein "zentralistischer Teammensch", der "nicht stur" ist und sich auch gerne "gescheiter machen lässt". An einschlägiger Erfahrung mangelt es dem Chefredakteur der TV-Information nicht, der gemeinsam mit Informationsdirektor Elmar Oberhauser die Fernsehnachrichten umkrempelte und - vor allem - vor dem Zugriff der Parteien bewahrte.

Bevor Amon in die Chefposition am Küniglberg wechselte, war der 60-Jährige als Chefredakteur im Funkhaus für die Radioinformation zuständig. Er gilt journalistisch als untadeliger Unabhängiger, der sich im Doppelgespann mit Oberhauser nachhaltig für journalistisch freies Arbeiten in der TV-Information einsetzte. Dass er jetzt als Radiodirektor im Gespräch ist, verdankt er dem Vernehmen nach entsprechenden Wünschen aus dem SP-regierten Kanzleramt.

Amon stammt aus einem sozialdemokratischen Elternhaus und wurde in der niederösterreichischen Arbeiterkammer sozialisiert. Politisch will er sich aber nicht kategorisieren lassen. "Zum harten Kern der Konservativen würde ich mich nicht zählen", meinte Amon dazu einmal scherzhaft. Politische Einstellungen seien vom Job klar zu trennen. Das mussten auch sozialdemokratische Politiker erfahren: Den früheren SP-Kanzler Franz Vranitzky verärgerten Amon und Oberhauser, als dieser sein Kommen ins Studio verweigerte und die beiden einen leeren Stuhl, der Vranitzkys Gesprächsverweigerung symbolisierte, platzierten.

Amon wurde am 31. Dezember 1949 in St. Pölten geboren. Amons Vater war Eisenbahner mit immer wieder wechselnden Dienstorten. Von einem "fahrenden Leben durch Österreich", das Amon prägte, berichten Freunde. Station machte man etwa in Vorarlberg oder Kärnten, wo Sohn Karl die Schule in Spittal an der Drau besuchte. Bekanntschaft machte er dort etwa mit dem späteren FPÖ- bzw. BZÖ-Politiker und Minister Herbert Haupt, der einige Klassen höher ging.

Seit 1978 beim ORF

Nach dem Studium der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften in Wien begann Amon 1978 als Mitarbeiter in der Parlamentsredaktion des ORF, 1981 wechselte er als Redakteur in die ORF-Wirtschaftsredaktion ("Schilling" und "Zeit im Bild"). Fünf Jahre später, 1986, wurde er innenpolitischer Redakteur in der "ZiB 1" und 1990 stellvertretender Leiter der "ZiB 2", die er gemeinsam mit Elmar Oberhauser reformierte. In diese Zeit fiel etwa die Entwicklung der Diskussionssendung "Runder Tisch".

1992 wechselte Amon ins Radio und wurde Chefredakteur im ORF Landesstudio Wien, wo er unter anderen für die Neugründung von "Radio Wien" und die Umorganisation von "Wien heute" verantwortlich zeichnete. Unter Generalintendant Gerhard Weis sollte der Niederösterreicher 1999 übrigens schon einmal Fernseh-Chefredakteur werden, was aber an einem Zuständigkeitswirrwarr scheiterte. In der Folge wurde Amon Radio-Chefredakteur beziehungsweise Leiter der Österreich 1 Radio-Hauptabteilung "Information", wie es im ORF-Jargon heißt.

Der Teamarbeiter änderte die Strukturen, bestellte Info-Chefs für die einzelnen Radios und verringerte in Sachen Information vor allem "Reibungsverluste" zwischen Ö1 und Ö3. Ö1 etwa verdankt seinen Höhenflug maßgeblich den Informationssendungen, und Ö3 konnte dank verbesserter und umfassenderer Information sein öffentlich-rechtliches Profil wieder schärfen. Die Fernseh-Information krempelten er und Oberhauser, mit dem Amon seit vielen Jahren befreundet ist, ähnlich um. "Amon steht voll hinter seinen Leuten, nimmt auf Befindlichkeiten Rücksicht, versucht breit einzubinden und nimmt lieber eine Sitzung mehr in Kauf, um die Leute zu überzeugen, auch wenn dann ohnehin meist geschieht, was er von Anfang an geplant hatte", beschreibt ein langjähriger Mitarbeiter Amons Führungsstil.

Mit dem Posten des Radiodirektors könnte Amon nun seinen "Traumjob" im ORF erlangen, wie es im ORF heißt. Dabei war Amon im Vorjahr auch bereits für höhere Weihen im Gespräch. Als Generaldirektor Alexander Wrabetz beim SPÖ-Kanzler und seinem Medien-Staatssekretär kurzzeitig im Kurs sank, wurde Amon als Faymann-Wunsch für den Posten des ORF-Chefs kolportiert. Amon soll dies allerdings dankend abgelehnt haben, um lieber seiner Arbeit als TV-Chefredakteur und seiner Berufung als Journalist treu zu bleiben. Vor kurzem auf einen möglichen Wechsel in die Radiodirektion angesprochen, meinte Amon, dass er sich als Fernseh-Chefredakteur wohlfühle und es noch viel zu tun gebe. Er wisse gar nicht, ober er sich bewerben würde. Bis 7. September hat Amon nun Zeit sich zur Bewerbung zu entscheiden, am 9. September wählt der ORF-Stiftungsrat dann auf Vorschlag von Generaldirektor Wrabetz einen neuen Radiodirektor. (APA)

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