"Der Bauer diskutiert nicht mit dem Fuchs"

10. August 2010, 12:18
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Geschäftsführer des Fachverbands Film- und Musik­industrie lehnt Teilnahme an Wiener "Sommergespräch" wegen Pirate-Bay-Gründer ab

Für den 19. August laden die Wiener Grünen zu einem Sommergespräch ins Wiener Museumsquartier, das Thema ist dabei durchaus für kontroverse Diskussionen geeignet: "Kunst im digitalen Zeitalter" soll an diesem Abend näher erörtert werden, eingeladen hat man sich dazu Vortragende aus unterschiedlichsten Bereichen - oder hat es zumindest probiert. Denn wie einer der Veranstalter, der Grüne Landtagsabgeordnete Marco Schreuder, nun in seinem Weblog dokumentiert, sorgte die konkrete Zusammensetzung für einen Rückzieher in letzter Minute.

Argumentation

So hat der Geschäftsführer des Fachverbands Film- und Musikindustrie in der Wirtschaftskammer, Dr. Werner Müller, seine Teilnahme abgesagt, nachdem er erfahren hatte, dass auch Pirate-Bay-Gründer Peter Sunde an der Diskussion beteiligt sein soll. Zwar scheue er an sich keineswegs das Gespräch mit "Andersdenkenden" in Fragen Urheberrecht, betont Müller. Dass die Grünen hier aber einem "strafrechtlich verurteilten Mitbegründer eines Portals" eine Plattform bieten, das sich "professionell und gewerbsmäßig am kreativen Schaffen der Urheber unrechtmäßig bereichert", und dies trotz Verurteilung auch nicht zu ändern gedenkt, sei inakzeptabel. "Der Bauer diskutiert mit dem Fuchs nicht über die Sinnhaftigkeit von Hühnerställen" fasst Müller seinen Standpunkt mit einem blumigen Vergleich zusammen.

Vergleiche

Im Anschluss liefert Müller, der auch Geschäftsführer des Verein für Anti-Piraterie der Film und Videobranche Österreichs (VAP) ist, dann noch einige etwas konkreter ausformulierte Punkte, so argumentiert er etwa: "Es gibt keinen Grund, im Internet einen rechtsfreien Raum zu sehen. Bei Themen, wie die Beschränkung von Kinderpornografie oder rassistischem Material , ist das auch weitestgehend gesellschaftlicher Konsens. Beim Schutz von immateriellen Eigentumsrechten ist dieser Konsens halt leider nicht so." Zudem sei die "Regulation des Internets weder unmöglich, noch die völlige Deregulierung gesellschaftlich wünschenswert. Nicht jeder Eingriff in das "Menschenrecht" Internet ist mit der chinesischen Zensurkeule zu erschlagen." Der vollständige Text der Absage kann im Blog von Marco Schreuer nachgelesen werden.

Ablauf

Das "Sommergespräch" findet natürlich trotzdem statt, auch wenn die TeilnehmerInnenliste nun etwas einseitiger gewichtet ist als ursprünglich vorgesehen. Neben Sunde findet sich darauf auch die Grüne Abgeordnete zum Europaparlament, Eva Lichtenberger oder auch die DJane Susanne Kirchmayer, besser bekannt als "Electric Indigo". (apo, derStandard.at, 10.08.10)

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    Vorsicht vor dem Fuchs - und seiner Posse.

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