Studenten rüsten sich für neue Proteste

10. August 2010, 11:25
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Auch Grüne und BZÖ kündigen "heißen Herbst" an

Wien (APA) - Die HochschülerInnenschaft (ÖH) will die Studenten für Herbst zu neuerlichen Protesten gegen die Universitätspolitik aufrufen. Und auch die einigen Dutzend Aktivisten der "unibrennt"-Bewegung, die im vergangenen Herbst die Besetzung von Hörsälen an mehreren Unis in Österreich organisiert haben, wollen die Sommermonate zur Vorbereitung möglicher Aktionen nutzen, so ein Sprecher.

"Es gibt noch immer genug Themen - von den Eingangsprüfungen bis zur Budgetstagnation - die den Studierenden sauer aufstoßen", so der frühere Hörsaalbesetzer. Wie das Aufbegehren der Studenten tatsächlich aussehen könnte, ist wegen der dezentralen Organisation der "unibrennt"-Bewegung allerdings nicht vorherzusehen. Geplant seien jedenfalls Aktionen anlässlich des Jahrestags der Besetzung des Audimax der Uni Wien am 22. Oktober bzw. bei der Verleihung des Ehrenpreises "Digital Communities" bei der Ars Electronica Anfang September.

ÖH geht "fix" von neuen Protesten aus

Die ÖH, die allerdings bei den Hörsaalbesetzungen im vergangenen Herbst anfangs nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatte, geht "fix davon aus, dass es wieder Proteste in der einen oder anderen Form geben wird" - wobei davon auszugehen sei, dass "die Geschichte (mit Hörsaalbesetzungen über mehrere Wochen, Anm.) sich nicht wiederholen wird", so die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. Anlass für Protest gebe es genug, immerhin habe sich an den bestehenden Missständen wie Unterfinanzierung der Unis und Fehlen eines Entwicklungsplans auch unter Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) nichts geändert.

BZÖ kündigt "heißen Herbst" an

Ein heißer Herbst im Parlament wird Karl unterdessen von BZÖ-Wissenschaftssprecher Rainer Widmann angekündigt, falls diese den "FH-Kahlschlag" nicht zurücknehme. Dieser würde in erster Linie die regionale Wirtschaft sowie Bundesländer treffen, in denen es wenige oder gar keine Unis gibt.

Werner Jungwirth, Präsident der Österreichischen Fachhochschul-Konferenz, kritisierte, dass Karl mit ihrer Ankündigung dem Ergebnis des Hochschuldialogs widerspreche. "Wir erwarten von der Frau Bundesministerin, dass sie diese Empfehlungen erst nimmt und sich ernsthaft um die benötigten 25 Mio. Euro bemüht, um den im FH-Plan vorgesehenen moderaten Ausbau auf 34.400 bundesfinanzierte Studienplätze im Jahr 2013 umzusetzen."

Der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald kritisierte in einer Aussendung am Dienstag die den Ausbau-Stopp der Fachhochschulen scharf. "Hier wird wieder einmal zur falschen Zeit und am falschen Platz gespart. Die Regierung beraubt junge Menschen ihrer Zukunftschancen. Bildung ist die beste Chance für einen guten und soliden Arbeitsplatz", so Grünewald. "Es droht ein heißer Herbst", sagte er.

Finanzielle Einbrüche am Bildungssektor würden zu nachhaltigen Folgen führen, heißt es in der Aussendung. Der Wissenschaftssprecher vermutet, dass die ÖVP "Bildung nur mehr den Reichen und Wohlbestallten" zu gut kommen lassen will. Studierende sollen, geht es nach Grünewald "das so nicht hinnehmen" und im Herbst erneut protestieren.

Auch die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) zeigte in einer Aussendung kein Verständnis für den gestoppten Fachhochschul-Ausbau. "Vor einigen Wochen kündigte Karl noch Investitionen für den Wissenschaftssektor in der Höhe von hundert Millionen Euro an und versprach den Ausbau der Studienplätze", so ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer. (red, derStandard.at, 10.8.2010)

  • Wissenschaftssprecher Grünewald ist sauer. Er kann den Ausbau-Stopp an den Fachhochschulen nicht nachvollziehen.
    foto: standard/newald

    Wissenschaftssprecher Grünewald ist sauer. Er kann den Ausbau-Stopp an den Fachhochschulen nicht nachvollziehen.

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