Vorschule

Eine Klasse für "die Ausländer"

Lisa Aigner, 10. August 2010 14:17
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    Foto: apa/schneider

    Geht es nach der Wiener ÖVP, dann soll es bald eigene Vorschulklassen für schlecht deutschsprechende Kinder geben. Dies würde der Integration widersprechen, so ein Sprachwissenschaftler.

Die ÖVP will eine Vorschulklasse für Kinder mit schlechten Deutschkenntnissen - "Unsinn", sagt ein Sprachwissenschaftler

"Reden wir über Bildung. Am besten auf Deutsch". Mit diesem Plakat eröffnete die Wiener ÖVP im Juni den Wahlkampf. Der Vorschlag dahinter: Eine eigene Vorschulklasse nur für jene Kinder, die vor der Schule mangelnde Deutschkenntnisse aufweisen. Die FPÖ hat diese Vorschule schon im Juni vergangenen Jahres gefordert. Für Sprachwissenschaftler Rudolf de Cillia ist die Idee "gesetzeswidrig".

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"Man müsste dann auch ein Kind, das starken Vorarlberger Dialekt spricht, der als alemannischer Dialekt weit entfernt vom Hochdeutschen ist, in die Vorschule geben. Kinder können gesetzlich nicht aufgrund von mangelnden Deutschkenntnissen in die Vorschule geschickt werden. Die Schulreife bezieht sich auf motorische Fähigkeiten, auditive und visuelle Wahrnehmung und ähnliches", erklärt de Cillia im Gespräch mit derStandard.at, nicht jedoch auf die Beherrschung der Bildungssprache Deutsch. Er stützt sich mit dieser Argumentation auf eine Stellungnahme des Unterrichtsministeriums, die eine Beurteilung von Kindern mit mangelnden Deutschkenntnissen als nicht schulreif für nicht zulässig erklärt.

Über 5.000 außerordentliche SchülerInnen in Wien

In den Wiener Volksschulen haben 49 Prozent der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache. Das österreichische Unterrichtsgesetz sieht vor, dass jene Schüler und Schülerinnen, die nur schlecht Deutsch sprechen, außerordentlichen Deutschunterricht bekommen. In Wien sind das laut Bildungsstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) 5.600 Schüler. ÖVP-Chefin Christine Marek sprach im derStandard.at-Interview von 10.000 außerordentlichen Schülern in Wien.

Arbeitslose Jugendliche als "Pulverfass"

Stadträtin Isabella Leeb (ÖVP) erklärt den Vorschlag ihrer Partei gegenüber derStandard.at so: "Wir haben jetzt eine ganze Generation verloren, die keine entsprechenden Möglichkeiten bekommen hat. Das schadet auch der Volkswirtschaft. Schlecht ausgebildete, arbeitslose Jugendliche sind ein Problem für die Sicherheit, das ist ein Pulverfass."

ÖVP: außerordentlicher Unterricht "eine Belastung"

Im außerordentliche Unterricht sieht Leeb "für alle eine Belastung". "Der Unterricht richtet sich, wie man weiß, immer nach den Schwächsten", sagt sie. Da die elf Wochenstunden Deutschunterricht während des Regelunterrichts stattfinden, würden die außerordentlichen Schüler viel verpassen. Die mangelnden Deutschkenntnisse würden dazu führen, dass die Schüler "den Unterricht stören und Blödsinn machen". Im Deutschunterricht könnten die Kindern dann auch gleich etwas über die "Wiener Kultur" lernen, so der Vorschlag.

Stadt Wien mit "integrativem Ansatz"

Bildungsstadtrat Oxonitsch kann diese Kritik nicht nachvollziehen. "Ich glaube die ÖVP hat da ein Informationsmanko", sagt der Sozialdemokrat. Im verpflichtenden Gratiskindergartenjahr gebe es bereits ein Sprachscreening. "Die elf Stunden Sprachförderung in der Woche sind eine Bundesvorgabe, die wir nicht autonom entscheiden können". Zudem hätte die Stadt Wien hier einen "integrativen Ansatz". Die Kinder sollen auch im Klassenverband unterrichtet werden. Dies würde auch den Spracherwerb unterstützen.

Alle Kinder, die im letzten Kindergartenjahr nicht die Schulreife erreichen, kommen in die Vorschule. Die grüne Bildungssprecherin Susanne Jerusalem kritisiert im Gespräch mit derStandard.at, dass viele dieser Kinder nur aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen in der Vorschule landen und die SPÖ Wien so das von der FPÖ vorgeschlagene Modell eigentlich bereits umgesetzt hat. Sie schlägt vor, dass der Kindergarten bei den Kindern mit Deutschdefiziten einfach um ein Jahr verlängert wird, damit sie durch das Vorschuljahr nicht "gebrandmarkt" sind.

Ruf einer "Tschuschenklasse"

Auch der Sprachwissenschaftler hält die Isolierung der nicht deutschsprechenden Kinder für problematisch. "Das wäre so, als würde man eine extra Klasse für türkisch oder bosnisch/ kroatisch/ serbisch sprechende Kinder einführen. Diese Vorschulklasse würde dann bald den Ruf einer "Ausländerklasse" bekommen, oder als "Tschuschenklasse" bezeichnet werden. Das widerspricht dem Gedanken der Integration", so de Cillia.

"Keine Kastl für Deutsch, Türkisch und Englisch"

Neben der Isolierung von anderen Kindern ist der Vorschlag für de Cillia auch aus sprachwissenschaftlicher Perspektive Unsinn. "Kinder sollten möglichst bald die deutsche Sprache lernen, aber sich auch auf die Muttersprache stützen können", erklärt er. Prinzipiell sei der Spracherwerb "unteilbar". Das heißt, dass ein Kind zwei oder sogar drei Sprachen auf einmal lernen kann. "Es gibt da keine Kastl für Deutsch, Englisch und Türkisch, man kann nicht den Erwerb einer Sprache plötzlich aussetzen und eine andere Sprache draufsetzen, sondern muss beide Sprachen lernen", so der Uniprofessor.

Christine Marek hat zugegeben, dass ein getrennter Unterricht von deutschsprechenden und nicht-deutschsprechenden Kindern nicht optimal ist. Die Realität wäre jedoch bereits so, dass bis zu achtzig Prozent der Kinder nicht Deutsch als Muttersprache spricht. "Eine Durchmischung ist illusorisch", sagte sie im Interview im Juni. (Lisa Aigner, derStandard.at, 10.8.2010)

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Aleksandar
15.08.2010 11:30
De Cillia politisiert wieder einmal

oder er hat nicht gecheckt, dass es in Österreich schon zahlreiche Klassen gibt, in denen kein einziges Kind mit der Muttersprache Deutsch sitzt. Und da wäre es angebracht, die Schüler/innen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind und somit dem Unterricht nicht folgen können, für ein Jahr in eine Klasse zu geben, in der intensiv Deutsch gelernt wird. Nach diesem Jahr sollten die Schüler/innen ihren Leistungen entsprechend eingestuft "Regelklassen" besuchen. Es muss intensiv gelernt werden; auf das Politiker- und Linkspädagogengewäsch darf verzichtet werden.

torva
12.08.2010 08:46
Eine schwere entscheidung

Die die bildungspolitik treffen muss. Einerseits möchte man nicht, dass deutschsprachige kinder auf grund der hohen zuwandererraten in ihren lernprozessen eingeschränkt werden andererseits wird jeder vorschlag diesen die fremdsprache deutsch beizubringen als rassistisch verurteilt. Natürlich hat es keinen sinn ein kind in eine klasse zu stecken in der es die unterrichtssprache nicht versteht, wie soll es da lernen? Eine eigene klasse für diese einzurichten ist allerdings genau so falsch, weil sie den kontakt zu detschsprachigen brauchen um die sprache zu lernen und sie weiters zunächst zu viel zeit darauf verbrauchen diese zu lernen bevor sie dich dem lehrplan widmen und so den deutschsprachigen kindern wieder hinten nach sind.

starghost
 
14.08.2010 12:42
also,eine einfache lösung wäre,

deutsch(ist ja wohl wie es scheint ein unnötiges unterrichtsfach.wer braucht das schon) aus dem unterricht rauszunehmen.die zwangsbeglückung mit dieser sprache muss ein ende haben.
in den klassen(ev.schulen) wird abgestimmt,weiche sprache unterrichtssprache ist,demendsprechend werden lehrkräfte ausgewählt. wäre multikulti fördernd,jeder schule ihre sprache.und flugs wird der spiegel verkehrt aufgehängt,denn dann wären "unsere kinder" die deppen,die sprachliche nachschulung(pardon,vorschulung)brauchen.
die sogenannten experten fühlen sich bestätigt,die gegner dieser lösung werden einfachheitshalber als ausländerfeindlich abgekanzelt,aber es würde eventuell weniger gestritten,da ja dann keiner mehr die anderen versteht.

Ernst Hirschmugl
 
11.08.2010 18:42
"eine Durchmischung sei illusorisch"

Genau das Gegenteil ist doch Realität, und die deutsche Sprache kann doch für die Kinder mit Migrationshintergrund aus verschiedenen Herkunftsländern die gemeinsame Basis sein; wenn man es will.
Und die deutschsprachigen Kinder (und auch deren Eltern) werden keinen Schaden erleiden, wenn sie mitmachen.

Ernst Hirschmugl
 
11.08.2010 18:30

Kinder in dem Alter lernen begierig, alles, was ihnen freundlich und attraktiv angeboten wird, und das dann recht schnell, auch die Sprache, besonders diese, wenn sie Gelegenheit haben (selbst gegen den Willen der Eltern).
Aber die ÖVP will diesen Kindern wohl den Lernerfolg von Anfang an vermiesen und die Klassen aufrechterhalten.

Wer Steuern zahlt, ist selber schuld!
 
11.08.2010 14:14
Linke Leistung!

Nach Jahrzehnten einer linken Einwanderungspolitik, antiautoritärer Erziehung, linker Pädagogenerziehung und falscher linker Toleranz gegenüber der Intoleranz ist es soweit:

Die Linke hat es geschafft, dass eine gute Schulbildung wieder vom Geldbeutel der Eltern abhängt!

starghost
 
14.08.2010 12:46
zum volksaustausch

gehört auch,das versandeln der sprache und kultur

R. Lexer
11.08.2010 18:08

Genau, das Unterrichtsministerium ist ja bekanntlich seit 1994 immer links besetzt worden. Durch Busek und Gehrer vor allem.

Grizzlybear
11.08.2010 17:25
Wann

hatten wir das letzte Mal eine linke Alleinregierung?

franz der freie
11.08.2010 12:39
zeigen sie mir einen politiker, der sein kind in eine "gemischtsprachige" klasse gibt !

verbal ja, in realitas nicht. ich kenne auch privat niemanden, der das macht. ausser er kann sich eine gute schule nicht leisten. ein zu hoher fremdsprachenanteil ist der tod der schule. die absolventen dieser klassen bleiben im wissen weit hinter den anderen zurück. kindern ist es sehr wohl zuzumuten, eine fremde sprache zu lernen. sie können das spielend. unser bildungssystem kann und will es aber nicht. es hängen zu viele jobs und einkommen am status quo dran. und sei es auch nur wegen der fürstlich entlohnten nachhilfestunden.

hed
11.08.2010 22:52
das glaube ich nicht

es gibt ein paar privatschulen mit einer anderen unterrichtssprache als deutsch (lycee francaise oder die vis etwa)...

starghost
 
14.08.2010 12:48
das stimmt aschon,

aber auch in diesen ist deutsch ein pflichtfach.

Für eine Welt ohne Tofu!
11.08.2010 12:14
Wer die Unterrichtssprache nicht versteht...

...hat im Unterricht nichts verloren.

Wer seinen hier geborenen Kinder die Landessprache nicht beibringt bzw sich nicht darum kümmert, dass die Kinder sie lernen, sollte keine Kinderbeihilfe mehr bekommen.

Ernst Hirschmugl
 
11.08.2010 18:32

weil das sein kann hat eben der Staat die Pflicht, notfalls gegen den Willen der Eltern, fürsoglich für das Kind und sein zukünftiges Leben, ihm die Sprache beizubringen.
Mit einer "Ausländerklasse" erreicht man das Gegenteil.

1116er
11.08.2010 18:01
das kann man durchaus ausweiten:

warum nicht auch gleich einheimische, die bei der aufzucht ihres nachwuchses versagen, zuerst steinigen und dann des landes verweisen?
oder glauben sie, dass zb die eltern von kevin und philipp (aus der schauplatz-doku) weiterhin hier ihr unwesen treiben sollen?

ich glaube auch, dass leute wie sie, an denen offensichtlich jahrhunderte der aufklärung wirkungslos abgeprallt sind, sich schleunigst schleichen sollten!

LPFe
11.08.2010 14:11
blablabla ...

skip it
11.08.2010 15:00
interessanter ansatz...

...vor allem den 2. § sollten sie uns naeher erlaeutern.

LPFe
11.08.2010 20:38
aber gerne ...

bla

angelvoices
11.08.2010 12:00
das Problem ist noch in den Griff zu bekommen

in dem man jetzt in die Jugend und Schulen investiert, und in Zukunft solche Probleme verhindert - es soll ruhig auch mit finanziellen Einbüßen gekoppelt sein...
Österreich sollte Faulheit und mangelnden Integrationswillen nicht ünterstützen...

der tueftler
11.08.2010 11:58
leistungsgruppen?

leistungsgruppen sind für viele eine lösung bei unterschiedlicher begabung. wer in mathe genial ist, darf schwierige probleme lösen, aber evtl. in englisch besondere förderung für legasthenie erfahren. so weit so gut.

wenn kinder ohne deutschkenntnisse mit allen anderen zusammen sitzen, dann ist das das genaue gegenteil. wenn es klug ist individuelle begabungen zu fördern und defizite auszugleichen, dann gilt das auch für die muttersprache.
was würde ein matheschwächling in einer spezialklasse für genies lernen? er würde den unterricht kaputt machen, umgekehrt aber auch.

Goldegg
11.08.2010 11:56
GANAU !

Stecken wir doch die "AUSLÄNDSICHEN" Kinder in eine Klasse, dort können sie dann in den Pausen und Freizeiten miteinander die "AUSLÄNDISCHE" Sprache sprechen und werden dann auch nicht mit deutschsprachigen Kindern zusammentreffen - sie sollen ja nichts von jenen lernen!

Was für ein Schwachsinn.......

Warum isolieren wir nicht gleich einen Teil von Wien und stecken alle "AUSLÄNDER" mit ihren Schulen/ Supermärkten und Krankenhäusern da hin?!?!?!

Zuerst ist die Rede von Integrieren und jetzt sowas ?!?!

Das "AUSLÄNDISCHE" Eltern ein Deutsch-Programm an den Schulen bekommen finde ich ist eine gute Idee, allerdings würde es die Tatsache nicht ändern, dass zuhause trotzdem wieder "ausländisch" gesprochen wird.

Amalrich
 
11.08.2010 12:52
Warum isolieren wir nicht gleich einen Teil von Wien und stecken alle "AUSLÄNDER" mit ihren Schulen/ Supermärkten und Krankenhäusern da hin?!?!?!

Äh - tun sie das nicht eh schon freiwillig?

1116er
11.08.2010 17:56
freiwillig?

sie glauben ernsthaft, die ausländer (vor allem solche aus wenig erwünschten gegenden) würden freiwillig sich konzentrieren in gewissen bezirken?

die leben dort, weil sie anderswo nichts finden!!
entweder weil es nicht leistbar wäre oder weil die ansässige bevölkerung das lynchseil über den ast werfen würde!

hed
11.08.2010 22:57
ja und nein

ja, das wohnungsangebot im 15. oder 16. z.b. ist wie "maßgeschneidert" für türken oder menschen aus dem ex-yugoslawien.

nein, weil es nichts mit lynchen zu tun hat, dass die dort wohnen, sondern mit den mietpreisen und der ihnen vertrauten community und infrastruktur. und weil ich mich als nicht-deutschsprechender anatolier rund um den brunnenmarkt schlicht leichter zu recht finde als z.b. in döbling

Amalrich
 
11.08.2010 20:18
Die leben dort, weil Sie anderswo nichts finden?

Nein, sondern weil es dort zB türkische Geschäfte, türkische Reisebüros, türkische Banken, türkische Kindergärten, türkische Friseure, türkische etc., gibt.
Die türkische Community hat genügend Mitglieder um abgeschottet in einer Parallelwelt zu leben. Das hat nix mit billig Wohnen zu tun. Und schon gar nix mit einer lynchgeilen Bevölkerung, die höchstens mit Wertverlust ihre Immobilie verkaufen kann um wegzuziehen - 2 Wochen Urlaub in der Türkei, und das im Club reichen halt den meisten!

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