Überall, überall Brüste

    24. August 2010, 14:14
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    Vereint im Bauch des Dilettanten - Doch was ist noch ein Heurigenbüffet? Harald Fidler sieht auch das nicht so eng und freut sich auf den Alphart-Buschen - und nicht nur den

    Bratlfettn, Kümmelbraten, Leberaufstrich, vielleicht auch Ei, Liptauer, vielleicht noch das eine oder anderen Stück Gemüsestück in der Mayonnaise oder in der süßen Marinade, Pfefferoni, Gurkerl, harte Eier, Brot, höchstens ein Vinschgerl noch. Oder was darf in eine Heurigenbuffetvitrine? Schwierig, schwierig.

    Wir mögen sie noch, die einfachen Dinge. Gerade bei Schmeck's, das können zahllose getestete Tschocherlwirten zwischen Meidling und Belvedere Langhe bestätigen. Gerade ich, der auch schon Bries geschrieben hat, wenn er Brie meinte (eine Wunschvorstellung, vermutlich). Je einfacher, je lieber. Schmecken soll's halt.

    Buschenschankayatollah

    Trotzdem lassen wir hier keinesfalls den Buschenschankayatollah heraushängen. Auch das immer wieder praktische J'accuse! lassen wir im Entrüstungsvokabelzettelkasten. Man darf das nicht  so eng sehen, oder?

    Schon weil es mich diesen Sommer so willen- wie hemmunglos und schon überhaupt ganz frei vom Sinn nach Abwechslung praktisch nur nach Brüsten gelüstet, und zwar von einer ganz Bestimmten. Der Ente, genau. Aufmerksame Schmecks-Leserinnen und einfühlsame Schmecks-Konsumenten wussten längst, was sich da anbahnte: der Sommer der Entenbrust.

    Duck Race

    Die beste zum Schluss: Die kennen Sie schon seit vorletzter Woche, die vom neuen Stomach-Koch mit den Tätowierungen, also die eigenhändig abgeseppelte, von der Ente, und das form- wie geschmacksvollendet, jedenfalls in der Schmecks-Wertung dieser Wochen.

    Die zweite, rein zeitlich gesehen, kennen Sie auch schon, wenn Sie öfter in dieser kleinen, dreckigen Dilettantenkolumne vorbeischauen: Kühl war sie, die Brust von Herrn Hiesinger im heute eher unbekannten Rust im Tullnerfeld, und mit ordentlich Balsamico gepimpt, aber schon sehr anständig. User/in "So Nina" dazu: "Und überall... derzeit das leidige Balsamico-Etwas-Getröpfel am Teller. Muss wohl im Lebensmittel-Großhandel tonnenweise vermarktet werden, denn kein Wirt scheint mehr ohne das auszukommen..." Trifft zweifellos auf viele Wirte zu, der Herr Sepp im Stomach geht damit immerhin sehr homöopathisch um.

    Noch anständiger von Herrn Hiesinger war natürlich, die Brust auf Eierschwammerl zu betten. Dieser Brauch zieht sich hier also ganz selbstverständlich vom Niederösterreichischen bis ins Steirische (Stomachs Wurzeln), wie es der Semmeringbasistunnel frühestens in ein, zwei Dekaden schaffen wird. Man könnte auch von der Kombination des Sommers sprechen, von einer wenigstens.

    Im Bauch des Dilettanten

    Und wer hat's erfunden? Wer, wenn nicht der Fidler (zweite Silbe betonen)? Genau. Jedenfalls laut Schmecks-Chronik dieses Sommers: Das erste (eben in den vergangenen Wochen und nunmehr hier) urkundlich erwähnte Rencontre der Komponenten Eierschwammerl, Entenbrust und, ja, auch Balsamico fand ebenfalls im Stomach statt. Und zwar in jenem von Harald Fidler. Da wuchs zusammen, was zusammen gehörte.

    Natürlich ein alter Hut, aber bei den Alpharts in Traiskirchen standen einerseits sautierte Eierschwammerl auf der Tageskarte, auf Blattsalaten, aber die hätte es nicht zwingend gebraucht für mein eindeutiges, klares: Ja, ich will! Und an geräucherter Entenbrust (naja, dazu Apfelpüree und, wenn ich mich recht erinnere, Preiselbeeren, hätt ich nicht so gebraucht) kann ich diesen Sommer (keine Ahnung, woher das kommt, hitzeabhängig scheint's mir nicht) auch nicht viel leichter vorbei. Okay, sautierte Steinpilze wie letztens an der Sonne sind dann noch ein Stück unverzichtbarer, aber das ist eine andere Geschichte, die ich hier nicht schon wieder aufwärmen will.

    Oooh - Waller, Waller!*

    Auf der Tageskarte wären natürlich auch noch Wallergröstl und Zanderfilet gestanden. Aber glauben Sie nicht, dass mich der Heurigenpurismus davon abgehalten hätte - auf die Portionsgrößen der beiden Vorspeisen passten weder Waller noch Zander mehr.

    Aber die nächste Chance hab ich gerade: Alpharts hängen den Buschen gerade wieder bis 5. September an die Traiskirchner Wienerstraßenluft. Und wenn ich es in dieser Zeit schaffe, mich an Brüsten und Eierschwammerln (beide übrigens auch absolut gut, vor allem die Brust) vorbeizuschleichen, könnte es gut sein, dass es ein bisschen fishy wird. Die Kolumne ist das ja schon längst.

    Fact finding schräg gegenüber

    Bleibt die Frage: Derfen die denn des? Wallergröstl, Zanderfilet, Balsamicoentenbrust in der Buschenschank? Sachdienliche Hinweise bitte an das nächste Schmeck's-Aufnahmestudio (gleich hier unten wär das nächstgelegene). Und ich esse und trinke mich beim Alphart langsam warm für die nächste Buschenschank vom Weingut Stadlmann. Die kann nicht mehr lang auf sich warten lassen. Bin schon sehr gespannt.

    Nur der Zierfandler wird wohl schräg gegenüber schon mindestens so aus sein wie letzens beim Alphart. Fürchte ich. Aber haben ja beide noch ein paar andere schöne Weine.

    * Kennt noch jemand die eigenartige Band, die in den Achtzigern des vorigen Jahrhunderts eine LP (sic!) namens Ooooh Walla Walla Walla (oder jedenfalls einen Song mit diesem sinnigen Refrain) produzierte? Mir ist der Name entfallen. Aber lang nicht so wichtig wie der vom neuen Stomach-Koch.

     

    Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

    • Höchste Punkte in der Rosa-Wertung dieses Sommers: Die Entenbrust im feinen Heurigen der Familie Alphart, noch als Trennkost von den ...
      foto: fidler

      Höchste Punkte in der Rosa-Wertung dieses Sommers: Die Entenbrust im feinen Heurigen der Familie Alphart, noch als Trennkost von den ...

    • ... Eierschwammerln, die ja millimetergenau dazupassen, wie dieser Sommer zeigte. Bei Alphart erst vereint in Fidlers Magen.
Heurigenbuffet Elisabeth AlphartWienerstraße 462514 Traiskirchen02252/52328
Eierschwammerl und Ente kosteten fünf beziehungsweise sechs Euro, mit
 einem mir nicht mehr erinnerlichen Strudel und Salat der Vegetarierin 
sowie ordentlich Gebäck machte das 22,08 Euro.
      foto: fidler

      ... Eierschwammerln, die ja millimetergenau dazupassen, wie dieser Sommer zeigte. Bei Alphart erst vereint in Fidlers Magen.

      Heurigenbuffet Elisabeth Alphart
      Wienerstraße 46
      2514 Traiskirchen
      02252/52328

      Eierschwammerl und Ente kosteten fünf beziehungsweise sechs Euro, mit einem mir nicht mehr erinnerlichen Strudel und Salat der Vegetarierin sowie ordentlich Gebäck machte das 22,08 Euro.

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