Der Deal mit der "Hoffnung"

9. August 2010, 21:16
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Libysches Schiff drehte vor Gaza ab, Schlaff half

"Es ist nicht klar, was die Passagiere des Schiffs, Mitglieder der libyschen Gaddafi-International-Gesellschaft, dazu gebracht hat, nicht nach Gaza zu segeln. Die Gesellschaft gehört Saif al-Islam, dem Sohn des libyschen Führers Muammar Gaddafi. Der Reporter von Radio Israel, Eran Singer, berichtete gestern, dass diese Entscheidung die Folge einer Mediation des österreichischen Millionärs Martin Schlaff war, der sowohl der libyschen Herrscherfamilie als auch Außenminister Avigdor Lieberman nahesteht."

Das schrieb die israelische Zeitung Haaretz am 15. Juli, nachdem ein libysches (unter moldauischer Flagge fahrendes) Schiff, die in "Amal" (Hoffnung) umbenannte "Amalthea" , von Gaza abgedreht und im ägyptischen Hafen von El Arish angelegt hatte. Dort löschte sie ihre Ladung, die aus 2000 Tonnen Hilfsgütern für den Gaza-Streifen bestand. Hamas-Premier Ismail Haniyeh hatte die Libyer zuvor vergeblich dazu aufgerufen, den Kurs auf Gaza nicht aufzugeben. Das hatte sich nämlich schon seit Tagen abgezeichnet.

Lieberman bedankte sich telefonisch beim ägyptischen Geheimdienstchef Omar Suleiman, dass dieser mit Israel kooperiert habe, um den Gaza-Blockadebruch durch die Libyer zu verhindern. Die Gaza-Hilfsgüter wurden, von den Ägyptern organisiert, über zwei verschiedene Grenzübergänge in den Gaza-Streifen gebracht.

Laut Haaretz von gestern hatte Schlaff vermittelt, dass Libyen in Gaza zwanzig Wohnhäuser errichten darf. Der Direktor von "Gaddafi International" , Youssef Sawani, freute sich über den Kompromiss: "Die Ziele der ,Amalthea‘ wurden ohne Blutvergießen erfüllt, das Resultat ist ein Gewinn für die Palästinenser." Das Blockadebrechen gehörte nicht mehr zu den "Zielen" . Zuvor war noch spekuliert worden, ob sich Saif al-Islam den Schiffspassagieren anschließen würde; laut Asharq Al-Awsat waren es die libyschen Behörden selbst, die ihm das ausredeten.

Auch damals hieß es, Israel habe verschiedene Länder kontaktiert und gebeten, mit den Libyern zu sprechen. Ohne die Kooperation Ägyptens wäre es nicht gegangen, aber Schlaff war bereits dabei. Wobei es stutzig macht, dass die Freilassung von Haddad Israel nicht mehr "gekostet" haben soll, als libysche Hilfe für Gaza zuzulassen. Das war ein PR-Gewinn für Libyen - die Umlenkung des Schiffes nach Ägypten wurde auf der arabischen Straße jedoch auch kritisiert. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 10.8.2010)

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