Minister nennt skeptische Wissenschafter "verfluchtes Volk"

9. August 2010, 19:03
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Streit um Zahn und Knochen, die von Johannes dem Täufer stammen sollen - Boschidar Dimitrow hofft auf Pilgerströme

Sofia - Der für im Ausland lebende Staatsbürger zuständige bulgarische Minister Boschidar Dimitrow - selbst ein Historiker - hat Kollegen, die skeptischer als er eingestellt sind,  als "verfluchtes Volk" bezeichnet. Grund für die verbale Ausschweifung Dimitrows waren Äußerungen von Wissenschaftern, die die Herkunft der kürzlich an der bulgarischen Schwarzmeerküste gefundenen, angeblich von Johannes dem Täufer stammenden, Reliquien infrage gestellt hatten, berichteten Medien am Montag. Dimitrow hatte kurze Zeit nach dem Fund in seiner Geburtsstadt Sozopol am 28. Juli die Reliquien aufgrund der Inschrift "Heiliger Johannes" sofort dem Täufer Christi zugeordnet.

"Ich kann sie nicht verstehen, diese verfluchten Kollegen, dieses verfluchte Volk!", hatte Dimitrow ausgerufen. Im privaten Fernsehsender bTV erklärte der Minister am Montag allerdings, dass er nicht das bulgarische Volk, sondern nur seine Kollegen gemeint habe. Entschuldigen wolle er sich nicht. Dimitrow wünsche sich zudem, dass seine Geburtsstadt an der Schwarzmeerküste künftig ein Pilgerort werde, und könne "diesen Neid" seiner Kollegen nicht verstehen. Die wertvolle Reliquie werde viele Pilger an die bulgarische Schwarzmeerküste südlich von Burgas locken. Das Städtchen Sozopol im Südosten des Landes ist vor allem wegen seines pittoresken Ortsbildes bereits heute ein beliebter Ferienort.

Der Historiker war bereits in der Vergangenheit wegen seiner Ausdrucksweise scharf kritisiert worden. Dimitrow hatte im Vorjahr eine "letzte Verwarnung" von Premier Bojko Borissow erhalten, nachdem er mit seiner an die Türkei gerichteten Forderung nach umgerechnet 15 Miliarden Euro Entschädigung für verlorene Territorien einen diplomatischen Skandal verursacht hatte. (APA/red)

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