Kratzen, beißen, laufen, spielen

9. August 2010, 18:34
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Österreichs Fußballteam möchte am Mittwoch gegen die Schweiz zeigen, dass es keine Baustelle ist. Constantini hat von LH Dörfler ein Badetuch bekommen. Das gibt es wirklich nur in Kärnten

Klagenfurt - Österreich, das weiß jedes Schulkind, besteht aus acht Bundesländern und aus Kärnten. Der österreichische Fußballbund hält das eine und auch das andere Länderspiel in Klagenfurt ab. Sei es aus therapeutischen Zwecken oder aus Eigennutz. Schließlich soll das schmucke Stadion als Standort erhalten und am Mittwoch gegen die Schweiz (20.30 Uhr) halbwegs gefüllt werden.

In den acht Bundesländern würden die jeweiligen Landeshauptmänner oder die eine Landeshauptfrau nie und nimmer eine beliebige Pressekonferenz von Teamchef Dietmar Constantini beehren. Gerhard Dörfler tickt da anders. Natürlich ist er am Montag erschienen, überpünktlich noch dazu, der Landesvater hat sich sogar die Trainingseinheit angeschaut. Dass er die Nähe der Fotografen gesucht hat, kann behauptet werden. Aufgrund von zwei Witzen hat sich der Besuch aber ausgezahlt. Hier der erste: "Ich hoffe, dass das Schweizer Tor nach dem Match wie ein Emmentaler aussieht, mit vielen Löchern drinnen." Nummer zwei war zusätzlich ein Bilderwitz: "Damit wir nicht baden gehen, überreiche ich extra angefertigte Länderspielbadetücher, das gab es noch nie." Schlussfolgerung: Es muss immer ein erstes Mal geben. Lei Lei.

Den Vergleich mit der Schweiz hat es schon 40 Mal gegeben, die Bilanz ist aus österreichischer Sicht positiv (25 Siege, fünf Remis, zehn Niederlagen). Für das 41. Spiel hat das wenig zu bedeuten. Constantini sagt: "Wir wollen ein gutes Ergebnis, einen Sieg oder ein Unentschieden, Aber die Schweiz ist Favorit."

Der Teamchef war zwar nicht unhöflich oder missgelaunt, aber doch ein bisserl inhaltsleer. Von der WM in Südafrika habe man praktisch nichts lernen können, Systeme würden überschätzt, gefragt seien schnelle Spieler, davon besitze Österreich einige. Die Nummern zehn, also die Regisseure, gehörten der Vergangenheit an. "Bitte bringen sie das nicht in Zusammenhang mit Andreas Ivanschitz. Es wird immer von Baustellen geredet, das sehe ich nicht so. Wir müssen eben die besten 20 zusammenklauben und schauen, dass es passt. Wir haben nicht das Potenzial von großen Nationen." Während relevantere Länder über den 11. August als Termin jammern, schätzt ihn Constantini. "Wären wir bei der WM gewesen, würde ich mitjammern. Aber so brauchen wir ihn." Marc Janko, Franz Schiemer, Jürgen Macho und Daniel Beichler benötigen ihn möglicherweise nicht, sie sind angeschlagen.

Die Schweiz ist der letzte Test vor der EM-Quali. Am 7. September gastiert Kasachstan in Salzburg, da geht es ans Eingemachte. Ohne die Unterstützung Dörflers. Constantini behauptet, dass er einen Stamm gefunden habe. "Aber er gibt eben immer wieder Ausfälle." Und Rückkehrer. Austrias Roland Linz ist nach zwei Jahren wieder dabei, Emanuel Pogatetz nach 17 Monaten, Erwin Hoffer nach neun. Der eine verteidigt in Hannover, den anderen hat sich Kaiserslautern von Napoli ausgeliehen. Constantini ist über die steigende Zahl an Legionären glücklich und auch nicht. "Wichtig ist, dass sie eingesetzt werden. Ich rate keinem, wohin er gehen soll. Das ist Sache des Spielers, seiner Eltern, seines Managers."

Ümit Korkmaz hat sich vor zwei Jahren für Eintracht Frankfurt entschieden. Von zwei Mittelfußbrüchen abgesehen, hat es sich gelohnt. Er sagte etwas über die Konkurrenzfähigkeit des ÖFB-Teams: "Wir sind keine Baustelle, aber wir müssen enger am Mann stehen. Damit sich der Gegner nicht entfalten kann. Österreich muss laufen, kratzen, beißen, spielen. Um die anderen am Fußball zu hindern." Lei, lei. (Christian Hackl, DER STANDARD, 10. August 2010)

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    Gegen die Schweiz können Österreichs Kicker nur überraschen.

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